ZDF-Talk

Hayali-Talk: Angriff auf Grünen-Chef Habeck von allen Seiten

Grünen-Chef Robert Habeck zu Gast in der ZDF-Talkshow Dunja Hayali.

Grünen-Chef Robert Habeck zu Gast in der ZDF-Talkshow Dunja Hayali.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Berlin.  Es war der erste TV-Auftritt von Carola Rackete. Doch am Ende drehte sich beim Hayali-Talk alles um den Grünen-Chef Robert Habeck.

Am liebsten hätte der Landwirt auf den Tisch gehauen. „Sie neigen dazu, die Geschichten nicht zu Ende zu erzählen“, schnaubte Thorsten Riggert. Was den Bauern aus Niedersachsen so erzürnt hat? Robert Habeck. Oder besser gesagt: dessen Partei, die Grünen.

Riggert monierte, dass Fliegen unattraktiv werden soll. Gleichzeitig fehlten aber die Alternativen. „In sechs oder sieben Jahren bauen wir keine Bahnstrecke, weil Ihre Parteikollegen vor Ort eine Bürgerinitiative dagegen gründen“. Auch bei der Tierhaltung sehe er Widersprüche: Es werde Auslauf gefordert, Baugesetze und Nachbarn ließen aber das eben oft nicht zu.

Hayali-Talk: Drei Gäste, die von grüner Politik direkt betroffen wären

Riggert passte gut in die Regie von Dunja Hayali am Mittwochabend. Grünen-Chef Robert Habeck war dort als Gast angekündigt – und er sollte auf Menschen treffen, die mit seiner Politik herzlich wenig anfangen können.

Neben Riggert saßen noch Raoul Hille, Chef des Flughafens Hannover, und Melanie Zirzow, Personalreferentin in der Braunkohleindustrie, im TV-Studio, um den umfrageverwöhnten Vorsitzenden der Grünen in die Zange zu nehmen.

Sie alle wären von grüner Politik direkt betroffen: Wenn Fleisch teurer wird , der Kohleausstieg schneller kommt, Fliegen zum Luxus wird. Ihre Kritik trugen sie zwar vor. Doch ins Straucheln brachten sie Polit-Profi Habeck nicht.

Hintergrund: Klimadebatte – Kommt jetzt das Ende der Inlandsflüge?

Airport-Boss Hille machte darauf aufmerksam, dass der Flugverkehr in Deutschland nur für 0,3 Prozent der Emissionen verantwortlich sei. Kerosin höher zu besteuern, bringe daher nicht viel. Doch Habeck konterte kühl: „Unsinniges Verhalten darf nicht staatlich belohnt werden“, sagte er mit Blick auf die Steuerbefreiung des Treibstoffs. Dafür könnten Bahn-Strecken ausgebaut, mit engerer Taktung versehen und mehr Nachtzüge eingesetzt werden.

Habeck: Kritik am Grünen-Chef von allen Seiten

Immerhin: Auch Flughafen-Chef Hille zeigte sich zuversichtlich, dass Fliegen CO2-frei wird – in zehn bis 20 Jahren. „Dann ist das Klima ruiniert“

Frust hatte sich auch bei Personalerin Melanie Zirzow aus der Lausitz aufgestaut. Dass die Grünen den Kohleausstieg im Jahr 2030 und nicht wie bisher geplant im Jahr 2038 fordern, kann sie nicht verstehen. „Seit der Wende wurden hier zehntausende Arbeitsplätze abgebaut, wir haben schon unheimlich viel geliefert“, sagte die 32-Jährige. Und überhaupt: Weltweit seien hunderte neue Kraftwerke geplant. 40 Kilometer von der Lausitz entfernt, werde eines gebaut – in Polen.

„Wenn diese Pläne umgesetzt werden, können wir alles vergessen, dann ist das Klima ruiniert“, sagte Habeck. Er sehe Deutschland aber global in einer Vorreiterrolle: Wenn andere Länder sehen, dass der Strukturwandel klappt, werden auch sie sich anschließen.

Habeck parierte jeden Angriff

Das Jahr des Kohleausstieges sei ohnehin nicht so entscheidend. Es komme auf die Menge CO2 an, die eingespart wird. Er wolle die Unternehmen, die bisher mit Kohle Geld verdienen, auch erhalten – nur in dann anderer Form.

Habeck parierte jeden Angriff, ohne wirklich ins Detail gehen zu müssen. Selbst Landwirt Thorsten Riggert schien besänftigt, als der Grünen-Chef versprach, die Einnahmesituation der Bauern verbessern zu wollen. In der Kürze war es ohnehin kaum möglich, auf Widersprüche im grünen Programm hinzuweisen. Denn das TV-Format von Hayali ist eng durchgetaktet.

Hayali-Talk: Am Ende fehlte die Zeit für Rackete

Es wartete schon der nächste Gast: Carola Rackete. Die Kapitänin der Sea-Watch 3, die im Juni mit 40 Migranten an Bord trotz Verbot durch italienische Behörden den Hafen der Insel Lampedusa anlief, trat zum ersten Mal im TV auf. Ein echter Erfolg für Hayali, eigentlich.

Doch es blieb nicht mehr viel Zeit, um Rackete zu befragen. „Mir geht es gut, das Thema beschäftigt mich aber noch jeden Tag“, sagte sie. Ihre Priorität sei es gewesen, Menschenleben zu retten – daher habe sie den Hafen trotz Verbot angesteuert.

Rackete ist Seenotretterin und Aktivistin. Eine, die polarisiert. So fordert sie, dass Europa alle Klimaflüchtlinge aufnehmen soll. „Verstehen Sie, wenn Menschen dann sagen, dass es auch mal reicht?“, fragte Hayali. „Nein, eigentlich nicht“, so Rackete. Es gebe bestehende Machtstrukturen und Verantwortliche für den Klimawandel.

Je weniger Schiffe auf dem Wasser seien, desto mehr Menschen müssten im Mittelmeer ertrinken. Ob sie nochmal rausfahren würde? Ihre Antwort fiel deutlich aus: „Wenn wieder ein Kapitän ausfällt und keiner da ist, dann auf jeden Fall“.

Leserkommentare (9) Kommentar schreiben