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Halle: Polizei verlor Attentäter eine Stunde aus den Augen

Dort wird der mutmaßliche Attentäter dem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt.

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Halle.  Nach den tödlichen Schüssen in Halle gibt es eine Diskussion um rechte Anstifter und die Reaktion darauf. Alle Infos im News-Blog.

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Der offenbar antisemitische und rechtsextreme Anschlag in Halle an der Saale mit zwei Toten schockiert viele Menschen in Deutschland und weltweit. Ein Mann hatte am Mittwoch versucht, eine Synagoge im Paulusviertel zu stürmen. Er erschoss eine Frau auf der Straße vor der Synagoge und einen Mann in einem Döner-Imbiss, zwei weitere Menschen wurden durch Schüsse verletzt.

Verdächtig ist der 27-jährige Stephan B. Bei einem Termin beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs hat er inzwischen ein Geständnis abgelegt und ein rechtsextremistisches und antisemitisches Motiv gestanden. Innenminister Horst Seehofer (CSU) sprach von einer „Schande“ für Deutschland – „der Täter wollte ein Blutbad anrichten.“

Nur wenige Tage nach dem Attentat waren die Bürger von Halle zur Wahl aufgerufen. Bei der Bürgermeisterwahl, die zuletzt ohne Wahlkampf auskam, gab es jedoch vorerst keinen Sieger.

Halle: Schießerei vor Synagoge – das Wichtigste in Kürze

  • Zwei Menschen sind in Halle/Saale durch Schüsse getötet worden
  • Ein Mann starb in einem Döner-Imbiss, eine Frau wurde vor einer Synagoge getötet
  • Zuvor hatte der Täter versucht, die Synagoge zu stürmen
  • Der Täter soll der 27 Jahre alte Deutsche Stephan B. sein. Inzwischen hat er ein Geständnis abgelegt
  • Es gibt ein Video, das den Täter bei seiner Tat zeigt – es wurde live bei Twitch gestreamt
  • Am Donnerstagabend wurde Haftbefehl gegen Stephan E. erlassen
  • Schlagerstars trauern um eines der Opfer, Jana L.

Schießerei in Halle und Landsberg – alle Infos im News-Blog:

Montag, 14. Oktober: Aufarbeitung der Horror-Tat beginnt

17.00 Uhr: Die Polizei hat den Attentäter von Halle bei seiner Flucht eine Stunde lang aus den Augen verloren. Das berichteten mehrere Landtagsabgeordnete aus einer Sondersitzung des Innenausschusses in Magdeburg. Festgenommen wurde er am Ende nicht etwa von Spezialkräften, sondern von zwei Revierpolizisten aus der Kleinstadt Zeitz, wie der SPD-Innenexperte Rüdiger Erben ausführte.

14.30 Uhr: Die Stadtverwaltung teilt in Halle mit, dass für die Angehörigen der bei dem Terroranschlag in Halle Ermordeten sowie für weitere Betroffene ein Spendenkonto eröffnet worden ist. Initiiert wurde es den Angaben zufolge vom Verein „Zeit-Geschichte(n)“, unterstützt werde der Verein von der Stadt Halle und den Stadtwerken.

Unter dem Kennwort „9. Oktober“ kann ab sofort bei der Saalesparkasse auf folgendes Konto gespendet werden: IBAN: DE55 8005 3762 1894 0941 89.

11.31 Uhr: Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums, Armin Schuster, hat nach dem Anschlag von Halle für mehr Möglichkeiten der Sicherheitsbehörden im Internet geworben. „Wenn wir - egal auf welcher Plattform wir unterwegs sind - Dinge sehen, die strafrechtlich relevant sind, dann brauchen wir schon den Provider und die IT-Adresse, also Verkehrsdaten im Prinzip, um denjenigen auch ausfindig zu machen“, sagte der CDU-Politiker am Montag im RBB-Inforadio.

„Die Frage wird sein, wie im realen Raum: Wie schaffen wir es, dass unsere Sicherheitsbehörden anlassbezogen bei Verdachtsmomenten zugreifen können, auch im Netz“, erklärte Schuster. „Das können sie heute nicht, da müssen wir dringend nachschärfen.“ Dabei handelt es sich um eine bekannte Forderung der Union.

10.34 Uhr: Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow (48) findet es wichtig, dass sich auch Künstler gesellschaftlich positionieren. Mit Blick auf den Anschlag eines Rechtsextremisten in Halle sagte der Musiker der „taz“: „So ein rechtsextremistischer Terrorangriff wird als „Alarmsignal“ gewertet, was lachhaft ist, denn Alarmsignale gibt es genug, und das schon seit Jahrzehnten.“ Deshalb sei es wichtig, sich gesellschaftlich gegen Antisemitismus, Rassismus und Antifeminismus zu positionieren.

Lowtzow bezieht sich offenbar auf Annegret Kramp-Karrenbauer. Die CDU-Chefin hatte den Vorfall in Halle als „Alarmzeichen“ benannt und dafür massive Kritik einstecken müssen.

6.01 Uhr: Wenige Tage nach dem Terroranschlag von Halle beginnt die politische Aufarbeitung. So kommen etwa im Magdeburger Landtag am Montagvormittag die Innenexperten zu einer Sondersitzung zusammen. Sie wollen von der Landesregierung wissen, was inzwischen zu den Ereignissen und den Hintergründen bekannt ist.

Auch zum Polizeieinsatz sind kritische Fragen angekündigt. So wollen die AfD-Abgeordneten von Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) Antworten zur Reaktionsgeschwindigkeit der Polizei am Tattag. Fragen dürfte es auch zum bisherigen Schutz der Jüdischen Gemeinde in Halle geben.

Sonntag, 13. Oktober: Horst Seehofer irritiert mit Aussagen zu Computerspielen

20.15 Uhr: Nur wenige Tage nach dem Terroranschlag von Halle waren die Bürger der Stadt am Sonntag zur Bürgermeisterwahl aufgerufen. Es hatte nach dem Anschlag keinen wirklichen Wahlkampf mehre gegeben.

Bei der Abstimmung am Sonntag, wenige Tage nach dem Terroranschlag in der größten Stadt von Sachsen-Anhalt, lag Amtsinhaber Bernd Wiegand zwar mit 44 Prozent der Stimmen deutlich vorn, wie die Wahlleitung bekannt gab. Der parteilose Politiker verpasste jedoch die absolute Mehrheit und muss am 27. Oktober in der Stichwahl gegen den rot-rot-grünen Kandidaten Hendrik Lange (Linke) antreten.

Lange kam dem vorläufigen Ergebnis zufolge auf gut 25 Prozent der Stimmen. Der gemeinsame Kandidat von CDU und Liberalen, Andreas Silbersack (FDP) landete mit fast 23 Prozent nur knapp dahinter. Die Hallenser machten deutlich häufiger von ihrem Wahlrecht Gebrauch als vor sieben Jahren: Mehr als 42 Prozent der rund 191.000 Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Damals hatte die Beteiligung bei 34,6 Prozent gelegen.

13.48 Uhr: Nach einem umstrittenen Zitat zu dem Anschlag von Halle hat sich Annegret Kramp-Karrenbauer in einer Rede beim Deutschlandtag der Jungen Union nun erklärt. Der antisemitische Anschlag von Halle sei „eine Schande“ gewesen. Zudem bekräftigte die CDU-Chefin ihre umstrittene Äußerung, es handle sich um „ein Alarmzeichen, das niemanden von uns kalt lassen darf“.

Nun sagte sie ergänzend, es habe zuvor andere Alarmzeichen gegeben. „Aber das Problem ist, dass keines dieser Alarmzeichen anscheinend so angekommen ist, dass man erkennt: Rechtsradikalismus und der politische Arm des Rechtsradikalismus, die AfD, sind ein wirkliches Problem in Deutschland.“ Die Junge Union unterbrach am Freitagabend ihre Tagung, um einen Kranz an der Synagoge in Saarbrücken niederzulegen.

0.04 Uhr: Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) hat sich für die konsequente Verfolgung von antisemitischen Straftaten ausgesprochen. „Antisemitische Motive einer Tat können dabei strafschärfend berücksichtigt werden, das ist ganz unstreitig. Die Strafgesetze sind vorhanden, sie müssen aber auch konsequent angewandt werden“, sagte die SPD-Politikerin der Zeitung „Welt am Sonntag“.

Samstag, 12. Oktober: Nach Anschlag von Halle diskutieren SPD und Union über Überwachung der AfD

17.13 Uhr: Nach dem Anschlag von Halle wird in Deutschland darüber diskutiert, wie sich Rechtsextreme radikalisieren. Beobachter geben dabei auch der AfD und den rechten Parolen derer Parteimitglieder die Schuld daran, dass es zu rechter Gewalt kommt.

„Ich glaube die Betroffenheit, die an einigen Stellen geheuchelt wird, nicht“, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) beim Deutschlandtag der Jungen Union in Saarbrücken. „Die AfD ist nicht auf dem Weg, eine bessere und ehrlichere CDU zu werden. Die AfD ist auf dem Weg, die wahre NPD in Deutschland zu sein.“ Die AfD sei „alles, aber sie ist nicht bürgerlich“ , sagte Söder.

„Die AfD will nicht zurück in die 80er und 90er - ein Teil ihrer Funktionäre will zurück in die 30er.“ Das Bundesverfassungsgericht hat die NPD in einem Urteil 2017 als verfassungsfeindlich bezeichnet.

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil verlangte eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz. „Das ist eine verfassungsfeindliche Partei “, sagte er auf dem Parteitag der baden-württembergischen SPD in Heidenheim. „Die Brandstifter, die mitverantwortlich sind, die sitzen heute auch in den Parlamenten. Die AfD ist die Partei, die dafür sorgt, dass wir ein solches gesellschaftliches Klima haben.“ Der Täter von Halle sei kein Einzeltäter gewesen. „Das war vielleicht einer, der geschossen hat. Aber das waren ganz viele, die ihn munitioniert haben.“

Freitag, 11. Oktober: Gewerkschaft der Polizei hält Seehofers Pläne für unrealistisch

20.53 Uhr: Der mutmaßliche Täter Stephan B. wurde bei der Bundeswehr an Waffen ausgebildet. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte der Deutschen Presse-Agentur, B. habe in der Zeit vor Aussetzung der Wehrpflicht seine Grundausbildung abgeleitet.

19.50 Uhr: Vor 42 Jahren versetzte die Rote Armee Fraktion (RAF) Deutschland in Angst und Schrecken. Nun sind es Rechtsterroristen, die Dutzende Menschen töten. Unser Kolumnist Hajo Schumacher hat Parallelen in den Zielen beider Gruppen ausgemacht : Sie alle wollen den Tod des deutschen Staates.

18.52 Uhr: Für seinen Anschlag auf die Synagoge parkte der mutmaßliche Täter Stephan B. ein ganzes Arsenal an Waffen in seinem Wagen. Wie kam Stephan B. in dessen Besitz? Wir haben recherchiert – mit dem Ergebnis: So einfach kommen Neonazis an Waffen

17.02 Uhr: Der mutmaßliche Täter Stephan B. soll den Terroranschlag von Halle mehrere Monate im Voraus geplant haben. Nach Angaben von „Zeit Online“ habe B. kurz nach dem rechtsextremen Attentat von Christchurch in Neuseeland im März mit den Planungen begonnen.

So soll er sich kurz danach Anleitungen zum Bau von Waffen besorgt haben und Bauteile nach und nach über das Internet oder auf Trödelmärkten gekauft haben. Einige Teile der Waffen soll er mit einem 3-D-Drucker gefertigt haben. In seinem Manifest habe der Attentäter ausführlich über den Waffenbau berichtet.

15.41 Uhr: Der Attentäter von Halle steht nach Angaben seines Verteidigers zu seiner Tat. „Es wäre unsinnig, da etwas abzustreiten, und das hat er auch nicht getan“, sagte der Karlsruher Anwalt Hans-Dieter Weber am Freitag dem Südwestrundfunk (SWR). Sein Mandant Stephan B. sei intelligent, wortgewandt, aber sozial isoliert. Auslöser für die Tat sei gewesen, dass er andere Menschen für eigene Probleme verantwortlich mache.

„In seinem Weltbild ist es halt so, dass er andere verantwortlich macht für seine eigene Misere, und das ist letztendlich der Auslöser, für dieses Handeln.“ Er sehe Kräfte am Werk, die im Verborgenen wirkten, aber sehr einflussreich seien und auf die Politik einwirken könnten, so Weber.

B. hat gestanden, am Mittwoch aus rechtsextremistischen und antisemitischen Motiven eine Synagoge in Halle angegriffen zu haben. Es gelang ihm aber nicht, sich Zutritt zu verschaffen. Stattdessen erschoss der 27-Jährige eine Passantin und einen Mann in einem Döner-Imbiss. Dazu sagte Weber laut SWR, aus Sicht seines Mandanten sei die Tat „schiefgegangen“. Zielrichtung sei eine andere gewesen, die Opfer, die es gegeben habe, seien nicht vorgesehen gewesen. Laut Weber sollte B. noch am Freitag aus Karlsruhe zurück nach Halle ins dortige Gefängnis gebracht werden.

12.49 Uhr: Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer SE, hat die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in einem Beitrag in der „Welt“ scharf kritisiert. Die Verteidigungsministerin hatte den Anschlag als „Alarmzeichen“ bezeichnet – für Döpfner sei das eine verbale Entgleisung. Sie sei symbolisch für die politische Kultur von Euphemismen. Als Euphemismus beschreibt man mildernde oder auch beschönigende Umschreibungen für härtere Wörter.

Und Döpfner – in dessen Verlagsportfolio die Zeitungen „Welt“ und „Bild“ stehen – warf Medien vor, Berichte zu verharmlosen. „Deutschlands Politik- und Medieneliten schlafen den Schlaf der Selbstgerechten und träumen den Wunschtraum der Political Correctness“, schrieb er in dem Beitrag für die „Welt“.

12.05 Uhr: Die Antisemitismus-Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, hat einen besseren Schutz für jüdische Einrichtungen gefordert. Es sei „überhaupt noch nicht ausreichend bei den Sicherheitskräften angekommen“, dass jüdische Einrichtungen gerade an hohen Feiertagen einen besonderen Schutz benötigten, sagte die frühere Bundesjustizministerin am Freitag im WDR-Radio in Köln.

11.33 Uhr: Nach Informationen des „Spiegel“ und der Deutschen Presse-Agentur haben Ermittler bei einer Durchsuchung in Sachsen-Anhalt einen 3D-Drucker entdeckt, den Stephan B. möglicherweise zur Herstellung von Schusswaffen benutzt hat.

11.24 Uhr: Der geständige Stephan B. nutzte für einen Video-Stream der Tat die Plattform Twitch , die sonst viele Gamer nutzen.

Allerdings war B. dort bis auf das Tatvideo kaum aktiv. Seine Sozialisierung schien eher in Foren wie 8chan oder 4chan stattgefunden zu haben.

10.38 Uhr: Unter den Opfern des Anschlags von Halle ist auch ein großer Schlagerfan. Stars wie Ella Endlich Andrea Berg oder auch Stefan Mross posten in den sozialen Netzwerken Fotos von sich und der 40-jährigen Jana L. Ella Endlich schreibt auf auf Facebook, dass sie die Frau ins Herz geschlossen habe. „Ich kenne sie von den Treffen mit meinem Fanclub. Sie war von Beginn an dabei“, schreibt die „Let’s Dance“-Teilnehmerin.

Sie sei entsetzt, dass sie unter den Toten sei. „Terror, egal von wem ausgehend und gegen wen gerichtet, betrifft uns alle. Das darf keinen Platz in unserer Gesellschaft haben und wir müssen das gemeinsam aufarbeiten“, schreibt Endlich weiter.

10.25 Uhr: Stephan B., der mutmaßliche Todesschütze von Halle, hat das Attentat gestanden und auch ein rechtsextremistisches, antisemitisches Motiv bestätigt. Der 27-Jährige habe am späten Donnerstag bei einem mehrstündigen Termin beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs umfangreich ausgesagt. Dies erfuhr die dpa.

9.49 Uhr: Mit einer Schweigeminute hat der Bundesrat der Opfer des Anschlags von Halle gedacht. Jeder sei gefragt, die Verbreitung von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zu verhindern, sagte Bundesratspräsident Daniel Günther (CDU): „Es ist schon bitter genug, dass Mitglieder einer Religionsgemeinschaft in Deutschland ihren Gottesdienst hinter verschlossenen Türen abhalten.“ Noch schlimmer sei, dass sich die Notwendigkeit einer solchen Sicherung bewiesen habe. Es mache fassungslos, dass Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Halle in der Synagoge um ihr Leben gebetet hätten, erklärte der Ministerpräsident von Schleswig Holstein.

8.17 Uhr: AfD-Chef Jörg Meuthen hat im ZDF-„Morgenmagazin“ die Sicherheitsbehörden kritisiert und ihnen Versagen vorgeworfen. Die jüdische Gemeinde in Halle habe mehrfach um Polizeischutz für den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur gebeten. „Das ist nicht gewährt worden. Und jetzt kommen die um die Ecke und sagen „jetzt wollen wir schützen“ - das ist zu spät.“ Außerdem sprach der Vorsitzende der rechten Partei von einer „rechtsextremistischen Bedrohung“. Meuthen: „Da muss man reagieren.“

Dem Vorwurf, AfD-Politiker seien „geistige Brandstifter“ des Anschlags, widersprach Meuthen: „Wir halten das für absurd und infam. Wie kann man angesichts eines solchen Verbrechens, das die Republik schockiert, anfangen mit parteipolitischer Instrumentalisierung.“

7.32 Uhr: Den Sicherheitsbehörden war der mutmaßliche Attentäter Stephan B. zuvor offenbar unbekannt. Kein Sicherheitsorgan habe ihn „im Rahmen des normalen Systems“ auf dem Schirm gehabt, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Donnerstagabend im ZDF-Talk „Maybritt Illner“. In Deutschland gebe es rund 24.000 Rechtsextremisten – etwa die Hälfte davon gelte als gewaltbereit.

Haseloff forderte neue Techniken, mehr internationale Zusammenarbeit und eine Überprüfung des Rechtsrahmens, um ähnliche Fälle künftig zu verhindern. Bürgerrechte dürften dafür aber nicht infrage gestellt werden.

5.22 Uhr: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hat die AfD zum Parteiausschluss von Antisemiten und Rassisten aufgefordert. „Antisemitismus und Rechtsradikalismus beginnen nicht erst mit der mörderischen Tat, sondern schon beim menschenverachtenden Denken und einer verhetzenden Sprache im Netz oder auf Marktplätzen. Die AfD muss jetzt unverzüglich jegliches Relativieren der NS-Zeit sowie des Holocausts einstellen und alle aus der Partei ausschließen, die Stimmung machen gegen Juden oder Muslime“, sagte Laschet unserer Redaktion.

1.00 Uhr: Die EU-Kommission hat alle Mitgliedstaaten dazu aufgerufen, jüdische Einrichtungen ausreichend zu schützen und auch die Finanzierung der Sicherheitsmaßnahmen zu übernehmen. Ein entsprechendes Schreiben der Kommission sei an alle EU-Staaten gegangen, sagte die EU-Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein unserer Redaktion.

Bis 2020 soll jeder EU-Staat eine Strategie gegen Antisemitismus haben – was Sicherheit ebenso einschließe wie etwa die Ausbildung von Lehrern und Unterricht zu jüdischem Leben, sagte Schnurbein.

Donnerstag, 10. Oktober: Seehofer erinnert an Schwur „Nie wieder“

22.45 Uhr: Der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof hat Haftbefehl gegen Stephan B. erlassen. Der Richter habe Untersuchungshaft angeordnet. Generalbundesanwalt Peter Frank hatte die Taten, die dem 27-Jährigen vorgeworfen werden, zuvor als Terror eingestuft.

20.26 Uhr: Angela Merkel (CDU) hat am Donnerstag mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu telefoniert. Dabei habe sie ihre tiefe Betroffenheit über den antisemitischen Anschlag in Halle zum Ausdruck gebracht, teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Donnerstagabend mit.

Die Kanzlerin habe deutlich gemacht, dass Deutschland fest zu seiner historischen Verantwortung stehe, jüdisches Leben zu schützen. Die Bundesregierung werde den Kampf gegen den Antisemitismus entschlossen fortsetzen .Weiteres Thema des Telefonats sei die aktuelle Lage im Nahen Osten gewesen.

19.28 Uhr: Der mutmaßliche Täter von Halle hat nach Angaben von Generalbundesanwalt Peter Frank bei der Tat vier Schusswaffen mit sich geführt. Es sei zumindest eine vollautomatische Schusswaffe dabei gewesen, zudem habe er mehrere Sprengsätze im Auto gehabt, als er zu der Synagoge in Halle gefahren sei, teilte die Bundesanwaltschaft am Donnerstagabend in Karlsruhe mit.

17.49 Uhr: Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ berichtet, der Attentäter von Halle habe Teile mehrerer Schusswaffen, die er bei der Tat benutzt hat, mithilfe eines 3D-Druckers hergestellt. Zuvor habe er offenbar selbst detaillierte Anleitungen zum Bau von Waffen im Internet verbreitet.

Ein Polizeisprecher in Halle sagt, er könne dies nicht bestätigen. Zuständig ist inzwischen die Bundesanwaltschaft, die sich mit Detailauskünften zu den Ermittlungen stets zurückhält.

17.43 Uhr: In Halle haben sich mehrere hundert Menschen vor der Marktkirche zum stillen Gedenken versammelt. Auch FDP-Chef Christian Lindner ist da. Er verurteilt die Tat als mörderischen Anschlag auf jüdische Menschen und uns all

17.38 Uhr: Christina Geist hat den Anschlag miterlebt: „Wir waren am beten, dann gab es einen lauten Knall, ich sah Rauch“, berichtet sie unserer Redakteurin Johanna Rüdiger in Halle. Sie kritisiert, wie lange es dauerte, bis die Polizei ankam, „gute 15, vielleicht 20 Minuten“.

17.21 Uhr: Das Video vom Anschlag ist weiterhin online auffindbar. Ursprünglich hatte Stephan B. den Terror in Halle ins Internet gestreamt – auf das Portal Twitch. Fünf Personen sahen direkt zu, 2200 verfolgten später die Aufzeichnung, bevor es offline genommen wurde.

Auf der bei Rechten populären Plattform BitChute ist weiterhin ein Mitschnitt zu finden. Dort wurde das Video bis Donnerstagvormittag mehr als 90.000 Mal angesehen. Auf dem Portal sind mehrere Rechte unterwegs, die bei anderen Diensten wie Facebook gesperrt sind.

Auch auf 4Chan kann man sich das Video weiterhin ansehen. 35 Minuten lang ist der Mitschnitt des Terrors.

16.32 Uhr: Stephan B. wird dem Ermittlungsrichter überstellt, nachdem er nach Karlsruhe eingeflogen wurde. Der Generalbundesanwalt forderte einen Haftbefehl – wegen zweifachen Mordes und wegen neun Mordversuchen. Bei den beiden Verletzten in Landsberg handelt es sich um 40- und 41-Jährige, erklärte die Polizei.

Stephan B. nach Karlsruhe überstellt

16.25 Uhr: Ein zweiter Beschuldigter sei dem Innenministerium Sachsen-Anhalt entgegen anderer Berichte nicht bekannt, sagte Innenminister Stahlknecht. Nach derzeitigem Stand handele es sich um einen Einzeltäter.

Seehofer wies darauf hin, dass nun ermittelt werden müsse, in welches Umfeld Stephan B. eingebettet war, in welches Netzwerk. Wenn jemand in diesem Umfang Waffen und Sprengstoff besäße, müsse man das Umfeld ermitteln.

Das sei klar zu trennen von der Aussage, es handele es sich um einen Einzeltäter – dabei gehe es um die Tatausführung an sich. Gleichzeitig gebe es 12.000 gewaltbereite Rechte in Deutschland. Die würden sich nicht alle kennen. Herausforderung ist, die Netzwerke zu analysieren.

Ein Problem sei auch, dass Ermittler im Internet nicht die gleichen Rechte haben wie außerhalb. Auch darüber sei zu sprechen. „Wenn ich da nur eine Andeutung mache in Berlin, heißt es sofort, der will die Bürgerrechte beschneiden.“ Man wolle aber Verbrechen verhindern – und das Darknet sei Ursprung von viel Kriminalität.

16.14 Uhr: Holger Stahlknecht, Innenminister von Sachsen-Anhalt, erklärte, dass die angegriffene Synagoge unter „Schutzmaßnahme 6“ stand – bedeutet: unregelmäßige Bestreifung. Das Bundeskriminalamt habe keine Hinweise gehabt, entsprechend habe es nicht einmal dieser bedurft – dies sei eine Entscheidung Sachen-Anhalts gewesen.

In dem Land habe es wenige antisemitische Vorfälle gegeben. Allerdings habe der Mittwoch bewiesen, dass eine Bewertung des BKA nicht ausreiche – und es nicht ausgereicht habe, was getan wurde.

Bundesinnenminister Seehofer wies auch auf die Bedeutung baulicher Maßnahmen hin – schließlich habe die Tür der Synagoge die Menschen der Gemeinde gerettet. „Er wollte ein Blutbad anrichten“, sagte Seehofer. Dies sei nur aufgrund der Tür nicht gelungen.

16.04 Uhr: Seehofer erklärt, dass allein die Verfolgung im Internet extrem personalaufwendig ist. Entsprechend ist es notwendig, das Personal aufzustocken. Die Stärkung des Kampfes gegen Rechtsextremismus dürfte nicht auf Kosten des Kampfes gegen Islamismus gehen.

Dann erinnerte Seehofer an den deutschen Schwur „Nie wieder“ nach dem Zweiten Weltkrieg. Seehofer versicherte Schuster, die Bundesregierung werde alles tun, damit die Juden in Deutschland ohne Angst, ohne Gefahr leben können. Er versicherte, dass Worten auch Taten folgen.

Auf den Anteil der AfD an dem Fall angesprochen sagte Seehofer, dass er Kollegen, die der Partei eine Mitschuld geben, zustimme. Nicht bei allen Reden, aber bei einigen, sehe er „geistige Brandstiftung“.

16.02 Uhr: Alle Ermittlungsergebnisse und offenen Fragen haben wir hier für Sie zusammengefasst: Anschlag auf Synagoge in Halle: Was wir wissen – und was nicht .

16.01 Uhr: „Eine Schande für unser Land“ nennt Seehofer die Ereignisse erneut. „Wir müssen leider der Wahrheit ins Gesicht blicken, und die Wahrheit lautet, die Bedrohungslage durch Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus in Deutschland ist sehr hoch. Die Gewaltbereitschaft ist sehr hoch. Die Waffenaffinität ist sehr hoch.“ Neben Islamismus sei dies die zentrale Herausforderung für Deutschland.

Darauf müsse reagiert werden – „noch stärker als in der Vergangenheit.“ Die Erhöhung von Schutzmaßnahmen könne dabei nicht auf die Kosten anderer Problembereiche gehen. Man werde überlegen, was man noch tun muss. „Das sind wir euch schuldig“, sagte er in Richtung Schuster, dem Präsident des Zentralrates der Juden.

Angehen müsse man vor allem die Hassparolen und das, „was im Internet abläuft“. Hass sei immer die Grundlage für Gewalt. Seehofer führte an, dass er noch nie erlebt habe, wie ein Opfer ins Lächerliche gezogen und der Täter gefeiert wurde, wie es nach dem Tod von Politiker Walter Lübcke der Fall gewesen sei.

Unterwegs seien „Systemgegner“. Es geht um die Verteidigung der demokratischen Grundordnung. Ohne die Bürger einzuschränken. Der Weg dahin werde konsequenter abgegangen, kündigte Seehofer an. Er sagt auch: Die Sicherheitsbehörden werden massiv aufgestockt.

15.48 Uhr: Innenminister Holger Stahlknecht spricht über die Entwicklung im Parlament, dass es wieder NS-Sprachgebrauch gebe und solche Tasten gegen Andersglaubende und Andersdenkende. „Sie sind nicht im juristischen Sinne mitschuldig“, aber sie seien „die geistigen Brandstifter“. Es gelte gesellschaftlich zusammenzurücken, damit sie keinen Nährboden in Deutschland finden.

Stahlknecht berichtete bei der Pressekonferenz vom Ablauf des Polizeieinsatzes, nachdem um kurz nach 12 Uhr der Notruf einging, bei dem Schüsse im Hintergrund gehören gewesen seien.

  • Um 12.04 Uhr folgt der Notruf mit der Nachricht, dass jemand erschossen wurde
  • Um 12.11 Uhr waren die ersten Kräfte der Polizei vor Ort – der Täter nicht mehr
  • An der Synagoge hat sich der Täter sieben Minuten aufgehalten
  • Den Döner-Imbiss erreichte er elf Minuten später
  • 45 Sekunden später warf er einen Sprengsatz, beschoss Personen – und trifft auf sein zweites Opfer
  • Wenig später schossen Polizisten auf den Täter – und treffen ihn am Hals
  • Um 13 Uhr gab es eine Meldung, der Mann schieße auf Menschen in einem nahe gelegenen Ort, es gab zwei Verletzte
  • Eineinhalb Stunden nach dem Notruf wurde er festgenommen

Die betroffenen Menschen dürften ihr Vertrauen in Deutschland nicht verlieren und nicht in Frage stellen. „Da lassen wir uns von den dramatischen Ereignissen von gestern nicht aus dem Tritt bringen“, so Haseloff.

15 Uhr: Um 15 Uhr wollte Horst Seehofer eine Pressekonferenz geben, zuvor besuchte er die Synagoge. Der Termin verzögerte sich – der Innenminister besuchte auch den Döner-Imbiss, in dem ein Mann erschossen wurde.

14.39 Uhr: Der Streaming-Service Twitch, den der Täter zur Übertragung seiner Horror-Tat ins Internet nutzte, hat sich bei Twitter abermals zu dem Vorfall geäußert. Demnach sei der Stream von Stephan B. nicht in den Empfehlungen oder Tipps sichtbar gewesen oder sonst öffentlich gelistet gewesen. Dies bedeutet, dass Menschen sich gezielt den Link schicken mussten, um auf den Stream hinzuweisen. Ermittler wissen, dass der Rechtsextremismus ausgesprochen gut organisiert ist: Das ist das Netz der Nazis.

14.39 Uhr: Der Generalbundesanwalt Peter Frank stellte sich um 14.30 Uhr der Presse. Stephan B. nutzte augenscheinlich selbst gebaute Waffen, besaß vier Kilogramm Sprengstoff, die er im Auto bei sich hatte – und mit denen er offenbar viele Menschen töten wollte.

Er sah sich laut Frank in einer Tradition anderer Attentäter, etwa dem Attentäter von Christchurch. „Er wollte ein Nachahmer im doppelten Sinne sein“, sagte der Generalbundesanwalt Peter Frank. Er wollte töten – und andere anstiften, sagte er.

Zudem sind die Opfer sind identifiziert. Es handelt sich um

  • eine 40 Jahre alte Frau aus Halle
  • einen 20 Jahre alten Mann aus Merseburg

13.39 Uhr: Annegret Kramp-Karrenbauer bezeichnete in einem Post ihrer CDU auf Twitter den Terror in Halle als Alarmzeichen – was bei dem Nachrichtendienst viele entsetzt, etwa den Ex-Grünen Abgeordneten Volker Beck – „Ein antisemitisches Attentat ist ein Attentat und kein Alarmzeichen.“

Ein Nutzer schlägt Alarmzeichen als „Unwort des Jahres“ vor. Ein anderer schrieb: „Noch nie den Mord an zwei Menschen als Alarmzeichen bezeichnet, aber ich will ja auch nicht Bundeskanzler werden.“

13.11 Uhr: „Dieser Tag ist ein Tag der Scham und der Schande“, sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach dem Besuch der Synagoge. „Wer jetzt noch einen Funken Verständnis zeigt für Rechtsextremismus und Rassenhass, wer die Bereitschaft anderer fördert durch das Schüren von Hass, wer politisch motivierte Gewalt gegen Andersdenkende, Andersgläubige oder auch Repräsentanten demokratischer Institutionen, wenn ich an den Fall Walter Lübcke denke – wer das rechtfertigt, der macht sich mitschuldig.“

13.07 Uhr: Erwachsene können die Horror-Tat schon kaum verstehen, für Kinder ist es noch viel schwieriger. Wie Eltern Kindern den Anschlag von Halle erklären können.

13.03 Uhr: Die Generalbundesanwaltschaft hat gegen ihn Haftbefehl beantragt.

12.58 Uhr: Die AfD hat sich gegen Vorwürfe gewehrt, eine Mitverantwortung an dem Anschlag in Halle zu haben. „Wer dieses entsetzliche Verbrechen missbraucht, um die politische Konkurrenz mit haltlosen Diffamierungen zu verleumden, der spaltet die Gesellschaft und schwächt das demokratische Fundament, auf dem wir stehen“, erklärte die Fraktionschefin Alice Weidel am Donnerstag.

Namentlich nannte die Politikerin den bayerischen Innenminister Joachim Hermann (CSU) und den SPD-Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach.

12.53 Uhr: Extinction Rebellion will heute laut einer Information an die Anhänger keine Aktionen, die mit Tod und Mord zu tun haben, das betrifft zum Beispiel die „Die-Ins“, bei denen die Aktivisten ihren klimawandelbedingten Tod vortäuschen. Auch solle es keine Aktionen nahe jüdischer Einrichtungen geben.

12.41 Uhr: Die Tat wurde gefilmt, gestreamt auf Twitch. Eigentlich nutzen Gamer den Dienst, um anderen Video- und Computerspielern zu zeigen, wie sie sich durch digitale Welt arbeiten.

12.37 Uhr: Bundesaußenminister Heiko Maas appelliert via Twitter, gemeinsam rechtsextreme Gewalt zu verhindern. „Aus Worten im Netz werden Taten auf der Straße. Darum müssen wir alle immer und überall dagegenhalten!“

Auch der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, Meron Mendel, äußerte sich. Er sieht den Anschlag auf die Synagoge in Halle am Mittwoch „in einer Kontinuität rechten Terrors“ in Deutschland. „Der Anschlag von Halle kann niemanden ernsthaft überraschen, der sich in den vergangenen Jahren mit rechtsextremistischen Strukturen beschäftigt hat“, sagte Mendel am Donnerstag.

12.27 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat einen Tag nach dem Anschlag in Halle den Tatort besucht. Er trug am Donnerstag einen Kranz zu der Synagoge. Steinmeier kam in Begleitung von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU).

Der Kantor habe beim Angriff des Attentäters „superschnell reagiert“, den er über eine Überwachungskamera gesehen habe: „Alle raus, in den nächsten Raum, nach oben in die Küche, auf den Boden, weg von den Fenstern.“ Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Halle, Max Privorozki, entzündet an der Synagogenmauer eine Kerze.

Wenige Meter davon entfernt hatte der Attentäter einer Passantin in den Rücken geschossen und sie getötet. Privorozki sagte, er wolle keine Polizeipräsenz rund um die Uhr, aber: „Ich möchte, dass Polizei dort präsent ist, wo das notwendig ist.“

11.15 Uhr: Unter den Opfern ist auch ein Fan des Halleschen FC. Der 20-Jährige war in der Fankurve des Fußballvereins aktiv. Der Verein äußerte sich bestürzt ob der Horror-Tat, spricht von einem „schwarzen Mittwoch“. „Die bestürzte HFC-Familie spricht den Angehörigen der Opfer in großer Trauer ihr tief empfundenes Mitgefühl aus, verurteilt jegliche Form von Terror, Extremismus und Gewalt und bedankt sich bei den Verantwortlichen der Stadt und den Einsatzkräften für das umsichtige und transparente Handeln rund um die feigen Anschläge.“

9.26 Uhr: Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel wirft den Behörden vor, Rechtsextremismus nicht mit der nötigen Härte zu verfolgen. „Nach wie vor scheint es so, als ob der Staat die Gefahren von rechts unterschätzt“, erklärt Gabriel per Twitter. „Wäre das ein Anschlag von links gewesen, würden jetzt hunderte Wohnungen und Organisationen durchsucht. Wann endlich zeigt der demokratische Rechtsstaat seine Zähne und entwaffnet diese Brut?“

9.26 Uhr: Der Vater des mutmaßlichen Täters Stephan B. ist nach den Schüssen in Halle fassungslos. „Bild“ sagte er, dass er an seinen 27 Jahre alten Sohn nicht mehr herangekommen sei. Es sei immer wieder zum Streit gekommen. Der Vater beschreibt seinen Sohn dem Bericht zufolge als Eigenbrötler, der nicht mit sich im Reinen gewesen sei und allen anderen die Schuld gegeben habe. Der junge Mann habe kaum Freunde gehabt und sei ständig im Internet gewesen.

6.38 Uhr: Neben Bundesinnenminister Seehofer will auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Donnerstag nach Halle reisen und dort die Synagoge besuchen. Geplant ist auch ein Treffen mit Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), wie das Bundespräsidialamt am Morgen mitteilte. Steinmeier hatte nach dem Angriff auf die Synagoge von erschütternden Nachrichten gesprochen und zur Solidarität mit jüdischen Mitbürgern aufgerufen.

6.35 Uhr: Die Spurensicherung der Polizei in Landsberg läuft auch am Donnerstagmorgen weiter. Dafür bleibe eine Sperrzone in der Nähe des Ortseingangs im Stadtteil Wiedersdorf weiter bestehen, sagte ein Polizist am Donnerstagmorgen vor Ort. Streifen patrouillierten in der Sperrzone.

Streaming-Plattform: Bekennervideo von Halle sahen rund 2200 Menschen

6.05 Uhr: Das in den sozialen Netzwerken hochgeladene Bekennervideo der Angriffe in Halle ist nach Angaben der Streaming-Plattform Twitch von geschätzt 2200 Menschen angesehen worden, bevor es dann nach 30 Minuten gelöscht wurde. Twitch teilte via Twitter mit, dass das „entsetzliche Video“ 35 Minuten auch live vom Konto-Eigentümer auf der Plattform gestreamt und in dieser Zeit von fünf Menschen gesehen worden sei. Der Account sei vor etwa zwei Monaten erstellt worden, zuvor sei nur einmal etwas veröffentlicht worden.

5.43 Uhr: Der mutmaßliche Täter wollte offenbar eine internationale rechte Internet-Subkultur erreichen. Zu diesem Ergebnis kommt der Extremismusforscher Matthias Quent mit Blick auf das am Mittwoch verbreitete Video, das die Tat zeigen soll.

„Er spricht Englisch und er greift Verschwörungstheorien auf, zum Beispiel über die angeblich zerstörerische Macht des Judentums. Er äußert sich auch abwertend über Feminismus“, sagte Quent der Deutschen Presse-Agentur. „Das sind Motive der weltweiten radikalen und populistischen Rechten.“

„Das Video folgt der Ästhetik eines Videospiels, auch durch die Ego-Shooter-Perspektive“, sagte Quent. Die Aufnahmen folgen der Perspektive des Täters, immer wieder ragt der Lauf einer Waffe ins Bild. „Der Täter heroisiert sich, seine Opfer will er demütigen.“ Dennoch solle man Erfahrung mit Videospielen als einen möglichen Auslöser nicht überbewerten – sonst müssten solche Taten viel häufiger sein. „Außerdem würde es die politische Motivation aus dem Fokus rücken“, warnte Quent. „Was er äußert, das sind nicht nur Einzelmeinungen eines Spinners. Es ist Ausdruck einer verbreiteten rechtsextremen Ideologie.“

5.30 Uhr: Bundesinnenminister Seehofer will am Donnerstagnachmittag Halle besuchen. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, und Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) soll er über den aktuellen Ermittlungsstand informieren.

Mittwoch, 9. Oktober: Merkel bei Solidaritätstreffen vor Berliner Synagoge

21.37 Uhr: Laut Polizei sind in Landsberg, wo ebenfalls Schüsse gefallen waren, am Abend mehrere Häuser durchsucht worden. Zu den näheren Umständen des Vorfalls wollte eine Polizeisprecherin zunächst nichts sagen.

21.02 Uhr: Wie der Zentralrat der Juden erhebt auch die betroffene jüdische Gemeinde in Halle schwere Vorwürfe gegen die Polizei. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, warf der Polizei eine zu langsame Reaktion beim versuchten Angriff auf die Synagoge vor. „Die waren zu spät vor Ort“, sagte Privorozki in einem Video, das am Mittwoch vom Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus auf Twitter veröffentlicht wurde. Mindestens 10 Minuten hätten sie gebraucht, als er angerufen und gesagt habe: „Bewaffneter Anschlag gegen die Synagoge.“

Privorozki machte deutlich, dass mehrfach auch in Sachsen-Anhalt der Wunsch nach Polizeischutz für Synagogen geäußert worden sei – „genauso wie in großen Städten wie Berlin, München Frankfurt“.

20.31 Uhr: Angela Merkel hat am Mittwochabend in Berlin die Neue Synagoge besucht und der Opfer des Angriffes von Halle gedacht. Die Bundeskanzlerin kam mit Mitgliedern der jüdischen Gemeinde zusammen.

Neben Angela Merkel war auch die SPD-Politikerin Sawsan Chebli zum gemeinsamen Gedenken zu der Synagoge gekommen.

20.25 Uhr: Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat nach dem Angriff auf eine Synagoge in Halle/Saale schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. „Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös“, teilte Schuster am Mittwochabend mit. „Diese Fahrlässigkeit hat sich jetzt bitter gerächt.“

Mit Blick darauf, dass am vergangenen Freitag in Berlin ein Mann mit Messer vor einer Synagoge gestoppt wurde, appellierte Schuster zudem an strengeres Vorgehen der Justiz nach Angriffen und Angriffsversuchen. In letzter Zeit sei eine „Verschiebung der roten Linie“ zu beobachten, und auf Worte folgten Taten, sagte Schuster.

Zentralrat der Juden äußert sich schockiert

18.56 Uhr: Laut Informationen von „Der Spiegel“ ist der mutmaßliche Täter ein 27-jähriger Deutscher. Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins soll den Ermittlern ein Video seiner Helmkamera vorliegen, das nahelegt, dass der Attentäter ein rassistisches und antisemitisch es Motiv hatte.

Auch „Der Spiegel“ geht davon aus, dass es sich um einen Einzeltäter handelt.

18.41 Uhr: Offenbar liegen die Taten in der Verantwortung eines Einzeltäters. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen.

18.39 Uhr: Die Bundesanwaltschaft sieht im Angriff eine staatsgefährdende Tat. Ermittelt wird formal wegen Mordes. Übernommen hat die oberste Anklagebehörde das Ermittlungsverfahren aber wegen des „spezifischen staatsgefährdenden Charakters der Tat und der besonderen Bedeutung des Falles“, sagte ein Sprecher in Karlsruhe.

18.16 Uhr: Die Polizei in Halle/Saale teilt mit, dass die Gefährdung für die Bevölkerung in der Stadt nicht mehr als akut eingestuft wird. „Sie können wieder auf die Straße“, schrieb die Behörde auf Twitter.

18.08 Uhr: Die Sperrung des Hauptbahnhofs Halle ist aufgehoben worden. Die Züge im Fern- und Regionalverkehr fahren den Bahnhof seit kurz nach halb sechs wieder an, wie eine Bahnsprecherin sagte. Es sei allerdings noch länger mit Verspätungen zu rechnen.

18.04 Uhr: Laut übereinstimmenden Medienberichten ist der Festgenommene ein Deutscher. Das berichten unter anderem die „Tagesschau“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und die „Leipziger Volkszeitung“.

17.45 Uhr: Einer der Täter legte bei seinem Angriff auf die Synagoge selbstgebastelte Sprengsätze vor dem Gebäude ab. Der Täter habe versucht, in die Synagoge einzudringen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch aus Sicherheitskreisen.

17.37 Uhr: Bei den beiden Verletzten, die nach den Schüssen in Halle im Universitätsklinikum behandelt werden, handelt es sich um einen Mann und um eine Frau. Sie waren mit Schussverletzungen in die Klinik eingeliefert und operiert worden, sagte eine Kliniksprecher.

17.33 Uhr: Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) hat sich bei Twitter zu den Vorfällen geäußert:

17.20 Uhr: Die Polizei in Halle/Saale bittet erneut ausdrücklich darum, kein Bildmaterial von der Tat in den sozialen Medien zu verbreiten. Wer möglicherweise aussagekräftige Bilder besitzt, könne diese besser dem Bundeskriminalamt (BKA) zur Verfügung stellen und beim Hinweisportal der Behörde hochladen.

Indes weist die Polizei Sachsen ausdrücklich darauf hin, dass es in Leipzig derzeit keine Bedrohungslage gibt.

17.07 Uhr: Die deutschen TV-Sender haben wegen der Vorfälle in Halle/Saale und Landsberg ihre Programme angepasst. ARD-Programmdirektor Volker Herres kündigte für den Abend in der ARD einen Doppel-„Brennpunkt“ (20.15 Uhr bis 20.45 Uhr) an, in dem es um zum einen die Schießereien und zum anderen um die türkische Offensive in Syrien gehen soll.

RTL bat indes die Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft um Geduld: Für eine Sondersendung von „RTL Aktuell“ zu den Vorfällen in Halle/Saale und Landsberg wurde der Start der Übertragung des DFB-Länderspiels gegen Argentinien um 10 Minuten nach hinten verschoben – auf 20.25 Uhr.

17.00 Uhr: Heiko Maas (SPD) hat bei Twitter tiefe Bestürzung über die Vorfälle in Halle/Saale und Landsberg gezeigt: „Dass am Versöhnungsfest #YomKippur auf eine Synagoge geschossen wird, trifft uns ins Herz. Wir alle müssen gegen den Antisemitismus in unserem Land vorgehen. In diesen schweren Stunden sind meine Gedanken bei den Toten und Verletzten, ihren Angehörigen und der Polizei“, schrieb der Bundesaußenminister.

16.53 Uhr: Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Halle, Max Privorozki, sagte der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“: „Wir haben über die Kamera unserer Synagoge gesehen, dass ein schwer bewaffneter Täter mit Stahlhelm und Gewehr versucht hat, unsere Türen aufzuschießen.“ Der Mann habe ausgesehen wie von einer Spezialeinheit: „Aber unsere Türen haben gehalten.“

Der oder die Täter hätten außerdem versucht, das Tor des jüdischen Friedhofs aufzuschießen, sagte er. In der Synagoge, in der die Gemeinde den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur gefeiert habe, seien die Menschen geschockt gewesen.

Jom Kippur ist der höchste Festtag im Judentum. Der „Tag der Sühne“ steht ganz im Zeichen von Umkehr und Versöhnung: Jüdische Gläubige sollen beten, fasten und Almosen geben – als Ausdruck von Reue und Sorge um ihre Mitmenschen.

Auf ein Festmahl mit der Familie folgt mit dem Sonnenuntergang ein etwa 25 Stunden langes Fasten. Der Feiertag beginnt mit einem gemeinsamen Gebet in der Synagoge. Festliche weiße Kleidung soll Reinheit symbolisieren, aber auch an weiße Totengewänder erinnern. In Israel wird an Jom Kippur auch der Opfer des Krieges von 1973 gedacht, als Ägypten und Syrien das Land angegriffen hatten.

• Mehr zum Thema: Jom Kippur und Rosch Haschana – So feiern Juden ihre höchsten Feiertage

16.47 Uhr: In diesen Minuten sammeln sich Polizisten in Halle/Saale nahe der Uni-Bibliothek am Steintor-Campus, berichtet ein Augenzeuge unserer Redaktion.

16.45 Uhr: Das etwa 15 Kilometer von Halle entfernte Landsberg (Saalekreis), in dem auch Schüsse gefallen waren, steht derzeit offensichtlich ebenfalls im Fokus der Polizei. Die Zufahrt zu dem Ortsteil Wiedersdorf war am Mittwoch abgesperrt.

Mehrere Mannschaftswagen der Polizei, darunter auch Fahrzeuge aus Sachsen, waren vor Ort. Auch zwei Krankenwagen waren zu sehen. Am Mittwochnachmittag gegen 16 Uhr landete auf einem Feld bei Wiedersdorf nach Angaben eines dpa-Reporters zudem ein Hubschrauber der Bundespolizei. Angaben zu den Hintergründen machte die Polizei nicht.

16.41 Uhr: Die ProSieben-Entertainer Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben via Twitter mitgeteilt, dass sie heute Abend davon absehen, ihre gegen ihren Sender „gewonnene“ frei gestaltbare Sendezeit von 15 Uhr zu nutzen. Es sei nicht die Zeit, „groß inszenierten Blödsinn“ aufzuführen. Die ganze Twitter-Botschaft:

16.27 Uhr: Zwischenzeitlich hatte es in Halle/Saale Gerüchte über eine Geiselnahme in einem Edeka-Markt gegeben. Die Polizei stellte bei Twitter klar, dass es keinen Vorfall dieser Art gab.

16.22 Uhr: „Der Spiegel“ zitiert online den Vorsitzenden der angegriffenen Gemeinde in Halle: „Der Täter schoss mehrfach auf die Tür und warf auch mehrere Molotow-Cocktails, Böller oder Granaten, um einzudringen. Aber die Tür blieb zu, Gott hat uns geschützt. Das Ganze dauerte vielleicht fünf bis zehn Minuten.“

15.48 Uhr: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte: „Ich bin entsetzt über diese verabscheuenswürdige Tat. Es wurden durch sie nicht nur Menschen aus unserer Mitte gerissen, sie ist auch ein feiger Anschlag auf das friedliche Zusammenleben in unserem Land. Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer.“

Haseloff erreichte die Nachricht von der Tat bei einer Konferenz des Ausschusses der Regionen in Brüssel. Der Ministerpräsident wird die Veranstaltung zum Strukturwandel in den Kohleregionen verlassen und am Mittwochabend wieder in Sachsen-Anhalt erwartet.

15.41 Uhr: Das Europaparlament am Mittwochnachmittag mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht. In Gedanken sei man bei Deutschland, der deutschen Polizei und bei der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland, sagte Parlamentspräsident David Sassoli.

15.40 Uhr: Die Hallesche Verkehrs-AG hat den gesamten Linienbetrieb eingestellt. Das berichtet der MDR.

15.32 Uhr: Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen Mordes von besonderer Bedeutung. Ob es sich um eine antisemitische Tat handelt, sei noch unklar, sagte ein Sprecher am Mittwoch.

15.26 Uhr: Die Polizei Halle/Saale hat Hinweistelefone freigeschaltet, das teilte die Behörde in folgendem Tweet mit:

Auch die Polizei Sachsen hat ein Bürgertelefon eingerichtet:

15.21 Uhr: Die Menschen im gesamten Stadtgebiet von Halle/Saale sind aufgerufen, in Gebäuden Schutz zu suchen und bis auf Weiteres dort zu bleiben. Das sagte ein Stadtsprecher der Deutschen Presse-Agentur.

15.06 Uhr: Bei dem Auto, das einer der mutmaßlichen Täter genutzt hat, handelt es sich um einen Mietwagen. Darauf deuten zumindest Fotos und Videos in sozialen Netzwerken hin, die das Kennzeichen des Fahrzeuges zeigen.

15.03 Uhr: Nach Informationen der „Bild“ ist Wiedersdorf östlich von Halle abgeriegelt. Vermutet wird, dass sich ein Täter dort verschanzt hat. Die Polizei Sachsen erklärt bei Twitter, dass es im Raum zwischen Halle und Leipzig weiter zu Fahndungsmaßnahmen kommt. Inzwischen ist auch die Spezialeinheit GSG 9 im Einsatz.

14.58 Uhr: Ein zweiter Täter wird offenbar nahe Leipzig verfolgt, berichtet die „Leipziger Volkszeitung“. Nicht nur an der Dresdener, sondern auch an der Leipziger Synagoge sind die Sicherheitsvorkehrungen umfassend erhöht worden.

14.51 Uhr: Nach Informationen des „Tagesspiegels“ vermuten Sicherheitskreise derzeit eher einen rechtsextremen Hintergrund der Tat. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Lage „chaotisch“ sei. Der Generalbundesanwalt hat die Ermittlungen übernommen.

14.46 Uhr: Die Hintergründe sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums weiter unklar. Das sagte ein Sprecher des Hauses von Innenminister Horst Seehofer (CSU) am Mittwoch. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte in Berlin, die Bundesregierung hoffe, dass der Täter oder die Täter schnell gefasst würden. Die Gedanken gingen „an die Freunde und die Familien der Todesopfer“, sagte er.

14.43 Uhr: Ein Student aus Halle berichtet unserer Redaktion, alle Cafés an der Universität seien zu, keiner könne rein. „Es sind wenig Leute auf den Straßen unterwegs, viele Bürger haben die Gardinen geschlossen oder die Rollläden heruntergelassen.“

Er selbst hatte per KatWarn-App von dem Vorfall erfahren, an der Universität sei alles normal und unaufgeregt verlaufen. Allerdings habe es am Ausgang Verzögerungen gegebe. Er spekuliert, dass vorübergehend niemand hinaus durfte.

14.40 Uhr: Laut eines Polizeisprechers war offenbar eines der Todesopfer Gast in einem Dönerladen. Das andere Opfer, eine Frau, wurde auf der Straße erschossen.

14.38 Uhr: Der Grünen-Politiker Cem Özdemir hat sich bestürzt über die tödlichen Schüsse von Halle/Saale geäußert. „Schreckliche Nachrichten aus Halle, heute am jüdischen Versöhnungstag Jom Kippur. Ich bin erschüttert & traurig“, twitterte der Grünen-Politiker am Mittwoch. Ob die Tat in Zusammenhang mit dem Feiertag steht, ist bisher nicht klar.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff hat seinen Aufenthalt in Brüssel abgebrochen und reist zurück in das Bundesland.

14.32 Uhr: Ein Video zeigt offenbar einen der Täter, der vermummt mit einer Waffe schießt.

14.30 Uhr: Nach Informationen des „Spiegel“ ist ein Täter, der offenbar in einem Taxi floh, auf einer Autobahn gestoppt worden. Offenbar handelte es sich um die A14.

Ein dpa-Reporter berichtete, eines der Opfer liege etwa 30 Meter von der Synagoge in Halle entfernt auf dem Boden und sei mit einer blauen Decke bedeckt. Ob es zuvor in der Synagoge oder auf dem Weg dorthin war, ist nicht klar.

14.28 Uhr: Eine Schule in Markranstädt im Landkreis Leipzig hat Amokalarm ausgerufen. Die Polizei Sachsen weist ausdrücklich darauf hin, dass es dafür keinen Anlass gibt.

14.27 Uhr: Das Foto eines Zeugen zeigt den Täter, der mit seiner Waffe durch die Straße in Richtung eines Döner-Imbisses zieht. Offenbar trägt er eine Helmkamera.

14.21 Uhr: Auf Twitter postete der MDR ein Interview mit einem Augenzeugen. Auch er berichtet davon, dass der Täter vermummt war.

14.15 Uhr: Die Stadt Halle/Saale spricht nach den tödlichen Schüssen von einer Amoklage. „Im Zusammenhang mit einer Amoklage hat Oberbürgermeister Bernd Wiegand den Stab für Außergewöhnliche Ereignisse einberufen“, teilte die Stadt am Mittwoch mit. Alle Rettungskräfte der Feuerwehr seien in Alarmbereitschaft versetzt worden.

14.10 Uhr: In Wiedersdorf bei Landsberg soll ein Taxifahrer angeschossen worden sein. Laut „Bild“ hatte ein Täter offensichtlich versucht, sein Taxi zu stehlen.

Auf dieser Google-Karte ist Landsberg nahe Halle/Saale zu sehen

14.08 Uhr: Ein Video, das auf Twitter geteilt wird, zeigt, wie ein Mann in einem Sturmanzug aus einem Auto steigt und schießt – er schießt über das Auto hinweg, trägt einen Helm.

14.02 Uhr: Auf Katastrophen-Apps wie Katwarn kriegen Nutzer einen Überblick über aktuelle Informationen aus Halle. Dort wird aktuell eine Meldung zu einem Schusswechsel im Stadtgebiet verbreitet.

13.58 Uhr: Nach den Schüssen in Halle hat es auch Schüsse im rund 15 Kilometer entfernten Landsberg (Saalekreis) gegeben. Das bestätigte eine Sprecherin der Polizei Halle der dpa. Zu den näheren Umständen des Vorfalls in dem Ort östlich von Halle wollte sie zunächst nichts sagen.

13.52 Uhr: Polizeisprecher Thomas Geithner sagte der „Bild“, dass Aufgrund der aktuellen Ereignisse in Halle die Schutzmaßnahmen für die Dresdner Synagoge und den jüdischen Friedhof erhöht wurden.

13.52 Uhr: Laut MDR ist das Friedensgebet in der Marktkirche, das heute in Gedenken an die Montagsdemo vor 30 Jahren stattfinden sollte, abgesagt worden.

13.49 Uhr: Es gab eine Festnahme, dies bestätigt die Polizei. Allerdings sollten die Menschen trotzdem in Sicherheit bleiben.

13.45 Uhr: Die Polizei hat bestätigt, dass es an zwei Orten zu Schusswaffengebrauch kam – in der Gemeinde Kabelsketal, die zu der Stadt Landsberg gehört, sowie in Halle. „Schalten Sie Rundfunk und Fernsehen an. Informieren Sie sich über alle verfügbaren Medien. Suchen Sie sofort eine Deckung auf. Meiden Sie Glasflächen.“

13.43 Uhr: Am Tatort stellte die Polizei mehrere Patronenhülsen sicher.

13.39 Uhr: Nach Informationen der „MZ“ sind alle verfügbaren Einheiten nach Halle beordert worden. Die Fahndungsmaßnahmen betreffen offenbar auch Autobahnen in andere Städte.

13.02 Uhr: Medienberichten zufolge haben die Täter möglicherweise an weiteren Orten im Stadtgebiet geschossen. Ob es sich um die gleichen Täter handelt oder es mehrere gleichzeitig agierende Personen sind, ist derzeit noch völlig unklar.

Wo liegt Halle? Karte zeigt Tatort

12.54 Uhr: Diese Google-Karte zeigt das Paulusviertel in Halle.

Die Deutsche Bahn wies bei Twitter darauf hin, dass der Bahnhof Halle gesperrt worden ist. Der Ersatzhalt für Reisende sei der Bahnhof Leipzig.

Die Polizei Sachsen bittet darum, Spekulationen zu vermeiden: „Die Polizei wird informieren, wenn es neue Erkenntnisse gibt. Im Moment arbeiten alle Einsatzkräfte mit Hochdruck.“

Polizei hat Tatort am Jüdischen Friedhof abgesperrt

Die Polizei Halle hat den Tatort abgesperrt und umfassende Fahndungsmaßnahmen eingeleitet. Die Hintergründe sind noch völlig unklar, bisher wurden von den Ermittlern auch noch keine Angaben zum Opfer gemacht.

Nahe dem Tatort, in der jüdischen Synagoge, wurde Jom Kippur gefeiert – der höchste jüdische Feiertag.

Laut der „MZ“ hatte die Stadt eine Warnung an die Einwohner geschickt und empfohlen, vorerst zuhause zu bleiben und sich nicht an Türen und Fenstern aufzuhalten. Die zuständige Behörde twitterte dies auch. (ses/ba/ac/dpa/rtr/epd)

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