Verhandlung

Rapper-Streit vor Gericht: Angeklagter "Hamad 45" schweigt

Der Angeklagte Rapper "Hamad 45" soll auf verfeindete Rapper geschossen haben.

Der Angeklagte Rapper "Hamad 45" soll auf verfeindete Rapper geschossen haben.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.  Nach der Schießerei in Oer-Erkenschwick schweigt Rapper "Hamad 45" vor Gericht. Ein Streit mit einem Freund Bushidos soll Auslöser gewesen sein.

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Der heftige Streit unter Rappern, die blutige Schlägerei in Oer-Erkenschwick mit Schüssen auf offener Straße – all das ist für den Angeklagten Ali M. (35) nur „Kinderkacke“. Angefangen damit habe aber sein Mitangeklagter Mohammed C. (27) aus Essen, besser bekannt als Rapper „Hamad 45“. Dieser habe schließlich auch geschossen.

„Hamad 45“ feuert dreimal auf Flüchtenden

Seit Mittwoch arbeitet die 7. Strafkammer des Landgerichts Bochums den „Rapper-Krieg“ vom 13. Juni 2017 in Oer-Erkenschwick auf. Die Szenen hatten die Öffentlichkeit erschüttert, weil die Auseinandersetzung von Anwohnern per Smartphone aufgenommen und im Internet zu sehen war. Die Anklage von Staatsanwalt Andreas Bachmann fasst das Video zusammen: Gegen 18.30 Uhr stehen sich zwei Gruppen vor der Autowerkstatt von Ali M. in Oer-Erkenschwick gegenüber : Plötzlich schlägt Ali M. nach „Hamad 45“. Der zieht eine Schusswaffe aus der Jacke, packt sie mit beiden Händen und feuert dreimal auf Ali M., der mittlerweile die Flucht ergriffen hat.

Ein Schuss geht ins Leere, einer trifft Ali M. am Oberschenkel, einer einen anderen aus der Truppe von Ali M. am Oberschenkel. „Versehentlich“, so heißt es in der Anklage. „Hamad 45“ ergreift jetzt auch die Flucht. Das Video zeigt, wie der Rapper mit zwei Getreuen in einen VW Polo steigt. Ali M. nimmt das nicht hin, zerschlägt die Heckscheibe des Polo, bevor dieser wegfährt.

Streit mit einem guten Freund von Rapper Bushido

Den Rest der Anklage zeigt das Video nicht: Ali M., trotz Durchschuss im Bein, verfolgt noch mehrere Freunde des Rappers, die nicht mehr ins Auto kamen. In einem Autohaus bedroht er sie mit einer Schusswaffe, verletzt sie mit Baseballschlägern und Machete. Rückblickend wagt er es nicht, die Verfolgung zu rechtfertigen: „Das war dumm, es war voll falsch.“

Bereitwillig gibt Ali M., der Mann mit dem breiten Kreuz, Auskunft. „Hamad 45“ schweigt am ersten Prozesstag, weil zwei seiner vier Anwälte fehlen. Zum Hintergrund erzählt er auf Nachfrage von Richter Große Feldhaus, dass „Hamad 45“ Streit habe mit dem Berliner Arafat Abou-Chaker, einem guten Freund von Rapper Bushido und laut Polizei Mitglied eines hoch kriminellen Familienclans in Berlin. Ali M.: „Arafat ist ein Cousin, unsere Mütter sind Schwestern.“

Jedenfalls habe der Streit mit öffentlichen Beleidigungen der beiden auf Facebook sich hochgeschaukelt. Ali M. will schlichtend eingegriffen haben, damit „Hamad 45“ endlich mit seinen Beleidigungen aufhöre. Doch der Rapper neigt offenbar nicht zur Zurückhaltung, das sagt schon der Titel eines seiner Songs: „Die Welt gehört mir.“

Musikevent während des Ramadan als Streitauslöser

Was der Grund für den Streit gewesen sei, will der Richter wissen. Ali M. nennt religiöse Gründe: „Bushido und Arafat wollten ein Musikevent in München veranstalten. Das fand ,Hamad 45' nicht gut, weil es im heiligen Monat Ramadan war.“ Auf Facebook habe „Hamad 45“ geschrieben: „Diese Hunde schämen sich nicht.“ Diese tief religiöse Verwurzlung lässt sich nur schwer glauben. Denn im Musikvideo „Bitch & Bubbles“ von „Hamad 45“ verzichten die jungen Darstellerinnen kleidungsmäßig nicht nur auf ein Kopftuch.

Sei's drum. Ali M. bereut zutiefst, arbeitet die Tat mit einer Therapeutin auf und bekennt: „Ich habe ein reines Herz.“ Richter und Staatsanwälte nehmen das zum Anlass, mal eben auf eine frühere Vorstrafe hinzuweisen: Viereinhalb Jahre Haft wegen schweren Raubes. Der Prozess wird am 2. Januar fortgesetzt.

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