Landgericht

Prozess: Waffenarsenal und Kokain bereiten Rocker Probleme

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen/Bottrop.  Kokainhandel ist angeklagt, aber ein kleines Waffenarsenal bereiten einem Bottroper Rocker vor Gericht Probleme. Fünf Jahre Haft drohen ihm.

Die Kokainmenge, die dem 30 Jahre alten Bottroper und dem 27-jährigen Essener vorgeworfen wird, ist vergleichsweise gering. Das größere Problem für den Bottroper ist das kleine Waffenarsenal, das die Polizei bei ihm fand. Denn damit drohen ihm für einen bewaffneten Drogenhandel mindestens fünf Jahre Haft. Am Dienstag erklärt er seine Waffensammlung vor dem Landgericht Essen mit seiner Angst vor feindlichen Rockern.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft sind die beiden Angeklagten Mitglieder der Rockergruppe Freeway Riders. In Hagen ermittelt die Staatsanwaltschaft im Umfeld dieser Gruppe wegen schwerer Straftaten. Dabei gab es von einem V-Mann Hinweise auf den Bottroper und einen schwunghaften Drogenhandel.

Kokainkauf im Edelbordell in Düsseldorf

Die Polizei ging dem Tipp nach und ist sicher, dass es im Düsseldorfer Edelbordell „Ocean“ zum Verkauf von Kokain kam. Am späten Abend des 18. Januar 2019 sollen der Bottroper und sein Mitangeklagter am späten Abend zu diesem Saunaclub gefahren sein. Der 30-Jährige soll dort beim Lieferanten des 27-jährigen Esseners Kokain gekauft haben. Zehn Tage später durchsuchte die Polizei die Wohnung des Bottropers und entdeckte dort 63,63 Gramm Kokain, bereits aufgeteilt in kleinere Portionen.

Gravierender für ihn, dass die Polizisten auch auf Waffen stießen. Eine durchgeladene scharfe Walther PPK, Kaliber 7,65 mm, soll dort gelegen haben, außerdem ein Schreckschusscolt, Patronen, ein Schlagring, eine Rundsichel, Teleskopschlagstöcke, Wurfsterne und mehrere Klappmesser. Das ist dann laut Gesetz ein Drogenhandel mit Waffen, den der Gesetzgeber wegen seiner Gefährlichkeit hart bestraft sehen will.

Im Club nur Medizin für die Potenz verkauft

Vor der XVI. Essener Strafkammer ist der Bottroper bemüht, den Vorwurf abzuschwächen. Drogenhändler will der Mann aus der Krankenpflege schon mal nicht sein. Im Club habe er sich nur zu einem ersten Anbahnungsgespräch aufgehalten, weil er dort potenzfördernde Medikamente verkaufen wollte. Kokain habe er dagegen „von einem Albaner“ gekauft. Für seine Kumpel im Rockerclub. Und unter Kollegen sei ja klar, dass man dafür kein Geld wolle, das Kokain also zum Einkaufspreis abgegeben habe.

Richter Björn Schilling hat Probleme, sich solch selbstlose Verbundenheit unter Kollegen vorzustellen: „Sie nehmen doch alleine das ganze Risiko des Drogenkaufs auf sich.“

Waffen aus Angst vor Rockerkrieg

Der Bottroper hat aber noch mehr zu erzählen, was den Richter manchmal zweifeln lässt. Denn die Waffen hätten rein gar nichts mit den Drogen zu tun, erzählt er. Hintergrund seien Aktivitäten des konkurrierenden Motorradclubs Bandidos, der in Gebiete der Freeway Riders eindringe. Es geht um blutige, mitunter tödliche Angriffe, eine Art Rockerkrieg. „Die kamen nach Hagen“, sagt er, „und das ist Provokation“. Sein Verteidiger Hartmut Moyzio: „Er hatte diese Angst, weil es diese Vorfälle gab. Deshalb hat er sich bewaffnet.“

Der mitangeklagte Essener, ein Abteilungsleiter in der Kommunikationsbranche, will nach Worten seines Verteidigers Marc Grünebaum „mit der Sache nichts zu tun haben“. Die Waffen hatte die Anklage ihm erst gar nicht zur Last gelegt. Aber auch in den Drogenhandel sei er nicht verwickelt.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben