Affäre

Auf Geliebte eingestochen: Mann wird Mordversuch vorgeworfen

Unternehmer Carsten B. (links) steht vor dem Dortmunder Landgericht. Er ist wegen versuchten Mordes angeklagt. Sein Verteidiger ist Jan-Henrik Heinz. 

Unternehmer Carsten B. (links) steht vor dem Dortmunder Landgericht. Er ist wegen versuchten Mordes angeklagt. Sein Verteidiger ist Jan-Henrik Heinz. 

Foto: Matthias Graben / Funke Foto Services

Dortmund  Der Dortmunder Carsten B. (46) soll auf seine Geliebte eingestochen haben, damit die Affäre geheim bleibt. Seit Dienstag steht er vor Gericht.

Sie hatten sich mal geliebt. Doch am Dienstag würdigen sie sich keines Blickes. Denn der Dortmunder Unternehmer Carsten B. ist angeklagt wegen versuchten Mordes. Und sie ist das Opfer. Am 11. Januar soll der 46-Jährige an der Hohensyburg "heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen" auf seine fast 20 Jahre jüngere Geliebte eingestochen haben. Sie überlebte knapp.

Ehefrau und drei Kinder

Im Ladenbau arbeitete der Angeklagte, "europaweit". Seine Firma führte er gemeinsam mit seiner Ehefrau, lebte mit ihr und drei Kindern zusammen. Und dann gab es die junge Tischlerin, mit der er häufiger zu Montagearbeiten unterwegs war. Sie kamen sich näher. Die 27-Jährige erinnert sich am Dienstag, wie es vor drei Jahren begann: "Ich sagte ihm dass ich seine Ehe nicht kaputt machen will. Da ist nicht mehr kaputt zu machen, hat er geantwortet."

Im vergangenen Jahr kühlte sein Interesse offenbar ab. Ob's an dem Kind lag, das die Geliebte erwartete? Er soll auf Abtreibung gedrängt haben, aber sie sagte den Termin in der Klinik ab. Im Spätherbst brachte sie den Sohn zur Welt. Seine Beziehung zu dem Kind klingt auch heute noch distanziert. "Ich weiß nicht, ob es mein Sohn ist", antwortet Carsten B. auf die Frage von Richter Peter Windgärtner, ohne einen etwaigen Verdacht zu begründen.

Krebserkrankung erfunden

Sie trafen sich seltener. "Ich habe deshalb eine Krebserkrankung erfunden, damit wir uns nicht so oft sahen." Selbst vom Hospiz sprach er. In ihren Worten klingt es anders: "Und dann war da seine penetrante Lüge mit dem Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich würde allein mit dem Kind stehen, sagte er."

In dieser Zeit schrieb er ihr auch die Kündigung. Im Januar stand der Prozess vor dem Arbeitsgericht an. Laut Anklage kündigte sie ihm an, das Treffen mit seiner Frau vor Gericht zum Anlass zu nehmen, ihr die Affäre zu offenbaren. Das muss wohl Panik bei ihm ausgelöst haben.

Tod der Geliebten beschlossen

Staatsanwalt Henner Kruse unterstellt ihm in seiner Anklage, den Tod der Geliebten beschlossen zu haben, um dieses Treffen zu verhindern. Er habe sie am Morgen des 11. Januar getroffen, als sie zum Arbeitsgericht fuhr. Er habe angeboten, auf den im Auto sitzen Sohn aufzupassen.

Laut Anklage ein ausgeklügelter Plan, der die verhängnisvolle Affäre beenden sollte. Weil er austreten musste, sollte sie auf einem Parkplatz halten. Er schlug sich in die Büsche. Als er zurück kam, soll er ein Küchenmesser mit einer 14 Zentimeter langen Klinge in der Hand gehalten und auf sie eingestochen haben. Sie wehrte sich. Doch er stach laut Anklage weiter zu. Viermal in ihre Brust, "bis die Klinge verbogen war".

Polizei kam zufällig vorbei

Ihre Hilferufe retteten sie. Zufällig fuhr ein Polizeiwagen vorbei. Die Beamten hörten die um ihr Leben kämpfende Frau und stoppten so abrupt, dass der Wagen hinter ihnen auffuhr. Sie nahmen Carsten B. fest, alarmierten den Rettungswagen. Ihnen gegenüber soll er von einer Kurzschlussreaktion gesprochen haben: "Es ist passiert. Was soll ich sagen?"

Im Prozess beruft er sich auf Erinnerungslücken. Keinesfalls habe er die Geliebte töten wollen. Das Messer habe er nur mitgenommen, um ihren Reifen zu zerstechen. Denn dann hätte sie es nicht zum Arbeitsgericht geschafft.

"Bleib ruhig. Gleich ist es vorbei."

Auch das klingt bei ihr anders. Zugestochen habe er trotz ihrer heftigen Gegenwehr. Immer wieder. Und dabei habe er zu ihr gesagt: "Bleib ruhig. Gleich ist es vorbei." Noch heute leide sie an den Folgen, körperlich und seelisch: "Ich habe nur sein blödes Gesicht gesehen und diesen Satz gehört, den ich nicht mehr aus den Ohren bekomme."

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