Gerichtsprozess

Bluttat in Gesamtschule: 16-Jähriger wegen Mordes vor Gericht

An der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen ist am 23.Januar 2018 ein 14-jähriger Schüler getötet worden.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services / FUNKE Foto Services

An der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule in Lünen ist am 23.Januar 2018 ein 14-jähriger Schüler getötet worden. Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services / FUNKE Foto Services

Dortmund.  In einer Gesamtschule in Lünen ersticht ein damals 15-Jähriger seinen Mitschüler. Der Mordprozess hat begonnen. Sechs Verhandlungstage angesetzt.

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Sechs Tage hat die Jugendstrafkammer am Landgericht Dortmund angesetzt. Sechs Tage, um herauszufinden, warum der 14 Jahre alte Leon an seiner Gesamtschule in Lünen sterben musste. Den tödlichen Stich soll ihm der heute 16 Jahre alte Alex versetzt haben.

Die Anklage, die am Donnerstag vorgelesen wird, wirft ihm Mord aus Heimtücke vor. Unter Auschluss der Öffentlichkeit wird gegen den Deutsch-Kasachen verhandelt – so, wie es das Jugendstrafrecht vorschreibt.

Am Donnerstag werden nur die Personalien des Schülers überprüft und die Anklage verlesen. Mehr nicht, denn die Kammer unter Vorsitz von Richter Ulf Pennig hat noch zwei weitere Prozesse an diesem Tag angesetzt. In juristisch sachlichen Worten beschreibt die Staatsanwaltschaft, was am 23. Januar 2018 die Bürger nicht nur in Lünen erschüttert hat.

Alex galt als „unbeschulbar und aggressiv

Der damals 15 Jahre alte Angeklagte war an jenem Morgen mit seiner Mutter in der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule erschienen. Vereinbart war ein Gespräch mit der Sozialarbeiterin. Denn Alex galt als „unbeschulbar und aggressiv“, so hieß es damals.

Er hatte die von rund 1000 Kindern und Jugendlichen besuchte Schule einige Monate zuvor verlassen müssen. An einer anderen Schule wurde er unterrichtet, doch auch dieser Wechsel löste die Probleme mit dem Jungen nicht. Jetzt also ein neuer Versuch an seiner alten Schule.

Warum er ausgerechnet zu diesem Termin ein Messer mitnahm? Diese Frage wird ihm im Prozess gestellt werden. Auch, ob Leon, der ihn nur flüchtig gekannt haben soll, ein Zufallsopfer war. Andere Stimmen hatten nach der Tat gesagt, die beiden hätten schon früher Streit gehabt.

Alex war damals nach der Tat geflüchtet

Alex sprach bei der Polizei von einer „Provokation“ des Opfers, die Außenstehende kaum nachvollziehen können. Er, Alex, habe mit seiner Mutter im Flur auf die Sozialarbeiterin gewartet. Da sei der 14-Jährige vorbei gegangen und habe seine Mutter „provozierend“ angeschaut. Deshalb sei er aufgesprungen und habe zugestochen. Direkt in den Hals des Jüngeren, er starb noch am Tatort in seiner Schule.

Alex war damals geflüchtet, wenige Minuten später aber schon von einem Polizeihubschrauber am nahe gelegenen Datteln-Hamm-Kanal gesichtet und kurz darauf festgenommen worden. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Die Tat hatte im Januar landesweit Bestürzung hervorgerufen. Schulpsychologen und Notfallseelsorger kümmerten sich um die Betroffenen. In den sozialen Medien kamen schnell Behauptungen gegen Flüchtlinge auf. Die Polizei erklärte deshalb schnell, dass Opfer und Täter deutsche Staatsangehörige seien, dass Alex, der auch die kasachische Staatsbürgerschaft besitzt, in Deutschland geboren sei.

Schulleiter Reinhold Bauhus sprach nach der Tat von der „großen Betroffenheit und Bestürzung“ an der Schule. Dieser Akt der Gewalt sei an der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule aber ein Einzelfall. Auf ihrer Homepage stellte sie sich im Januar als eine Schule dar, „in der alle Kinder willkommen sind, gern miteinander leben und voneinander lernen“.

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