Pädagogik

NRW-Familienminister: „Ich finde Original Play pervers“

Kinder spielen in einem Bällebad in einer Kindertagesstätte. (Symbolbild)

Kinder spielen in einem Bällebad in einer Kindertagesstätte. (Symbolbild)

Foto: Friso Gentsch / dpa

Hamburg.  Beim Pädagogikkonzept „Original Play“ rangeln Kinder mit fremden Erwachsenen. Forscher warnen – und immer mehr Bundesländer reagieren.

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Die Spielmethode „Original Play“ gerät immer schärfer in die Kritik. Nachdem Verdachtsfälle von sexuellen Übergriffen bekannt wurden, die im Zusammenhang mit dem umstrittenen Konzept gestanden haben sollen, und nachdem immer mehr Experten ihre Zweifel am Nutzen der Methode geäußert haben, reagieren nun auch immer mehr Bundesländer mit Verboten.

Bei dem von dem US-Amerikaner Fred Donaldson entwickelten Pädagogikkonzept rangeln und raufen Kinder mit fremden Erwachsenen, es kommt zu engem Körperkontakt. 2018 soll es im Rahmen von „Original Play“ in einer evangelischen Kita in Berlin zu sexuellen Übergriffen gekommen sein. Die Staatsanwaltschaft Berlin hat die Ermittlungen aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Nachdem bereits Berlin, Brandenburg und Bayern die Anwendung von „Original Play“ in Kitas untersagt hatten, hat sich nun NRW entschieden gegen die Methode ausgesprochen – auch wenn es bislang aus keinem Bundesland Hinweise auf eine Anwendung der Methode in Kitas gibt. „Ich finde Original Play pervers und kann nicht nachvollziehen, wer sich so etwas ausgedacht hat. Wir sollten das bundesweit untersagen“, sagte Familienminister Joachim Stamp (FDP) unserer Redaktion.

„Original Play“: NRW-Jugendämter sehen mögliche Gefährdung von Kindern

Die jüngste Diskussion hätten die Jugendämter in NRW zum Anlass genommen, die Methode zu bewerten. Ihrer Einschätzung nach sei „Original Play“ unverantwortbar, weil nicht ausgeschlossen werden könne, dass das Kindeswohl dadurch gefährdet werde, heißt es weiter in dem Bericht.

Alle Einrichtungen in NRW sind laut Joachim Stamp nun dazu aufgefordert zu prüfen, ob die Methode in der Vergangenheit angewendet wurde. Sollte es positive Ergebnisse geben, sei dies den Landesjugendämtern bis Ende November zu melden.

Das Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport teilte unserer Redaktion mit , dass die Methode „aus Sicht des Kinderschutzes höchstbedenklich“ sei und eine Kindeswohlgefährdung nicht ausgeschlossen werden könne. Auch der Kinderschutzbund hält Verbote von „Original Play“ in Kitas für richtig – und für notwendig. „Pädagogik muss den Kindern dienen, nicht den Erwachsenen“, sagte Sabine Andresen, Vizepräsidentin des Verbandes.

Bundesländer sehen keine Hinweise auf Anwendung von „Original Play“

Die Bundesländer Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Bremen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hessen geben an, dass es keine Hinweise auf die Anwendung der umstrittenen Methode gäbe. Viele der Bundesländer betrachten die Methode im Licht der jüngsten Erkenntnisse als sehr kritisch und planen umfangreich zu informieren. Aus dem Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz heißt es sogar explizit, dass die Methode nicht erlaubt sei.

Bildungsexperten hatten zuletzt vermehrt vor „Original Play“ gewarnt. „’Original Play’ ist wissenschaftlich und entwicklungsbiologisch nicht fundiert“, sagte etwa die Bindungsforscherin und Psychologin Fabienne Becker-Stoll. Das Programm laufe „allen seelischen und physischen Grundbedürfnissen von Kindern zuwider“, sagte die Leiterin des bayerischen Staatsinstituts für Frühpädagogik der Wochenzeitung „Die Zeit“.

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„Original Play“ – Expertin ermahnt Kitas zur Prüfung von Angeboten

Psychologin Becker-Stoll sagte außerdem: „Gesund entwickelte Kinder suchen keinen Körperkontakt mit Fremden“, sagte sie der Zeitung. Kinder regulierten ihre Emotionen stattdessen innerhalb vertrauter Bindungsbeziehungen. Nur so könnten sie Sicherheit tanken.

Kitas seien verpflichtet, sehr verantwortlich zu prüfen, welche Angebote sie in ihre Arbeit aufnehmen, sagte Becker-Stoll dem Bericht zufolge. Zudem müsse sichergestellt werden, dass nur qualifizierte pädagogische Kräfte mit den Kindern in Kontakt kommen. (dpa/epd/les/br/jzi)

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