Selfie-App

FaceApp-Macher: Die meisten Bilder werden wieder gelöscht

FaceApp: Die App ist derzeit beliebt – aber beim Datenschutz lässt sie die Nutzer auch alt aussehen.

FaceApp: Die App ist derzeit beliebt – aber beim Datenschutz lässt sie die Nutzer auch alt aussehen.

Foto: Emmi Korhonen / dpa

Berlin.  FaceApp macht die Nutzer digital älter. Datenschützer haben Bedenken. Der Gründer beteuert, dass die meisten Bilder gelöscht werden.

FaceApp in der Kritik: Ist die Gesichtsmanipulations-App gefährlich? Weil das Programm aus Russland kommt und die Nutzungsbedingungen den Machern quasi eingeschränkten Zugriff auf alle möglichen Daten des Anwenders zugreift, warnen Verbraucherzentrale und andere Experten.

FaceApp-Gründer Jaroslaw Gontscharow erklärte gegen dem US-Magazin „Forbes“ nun, dass die meisten Bilder innerhalb von 48 Stunden nach dem Upload von den Servern wieder gelöscht würden. Nutzer könnten das automatische Löschen auch in den Einstellungen wählen. Gontscharow betonte zudem, dass sein Unternehmen Nutzerdaten weder verkaufe noch an Dritte weitergebe.

Allerdings sehen viele Experten derartige Bekenntnisse kritisch – da sich dann die Frage stellt, warum sich App-Produzenten überhaupt erst sämtliche Rechte einräumen lassen, die oft für die Nutzung gar nicht nachvollziehbar notwendig sind.

FaceApp aus Russland macht Gesichter alt – Experten sehen Datenschutz-Risiken

  • Prominente sind begeistert von der Selfie-App – aber auch Zigtausende andere
  • Nutzer haben die Möglichkeit, sich zum Beispiel jünger und älter darstellen zu lassen – wobei vor allem letzteres wahnsinnig populär ist
  • Die russische App verlangt Zugriff auf alle Bilder
  • Laut Entwickler werde aber immer nur eins hochgeladen
  • FaceApp ist auf Platz 1 der Download-Charts
  • Verbraucherzentrale: Nutzungsbedingungen sehr fragwürdig
  • US-Top-Demokrat Schumer will FaceApp vom FBI untersuchen lassen
  • Der Macher erklärt, die meisten Bilder würden innerhalb von 48 Stunden gelöscht

Es ist der aktuelle Viral-Hit – aber Experten mahnen zur Vorsicht: FaceApp lässt die Benutzer Bilder hochladen und sehen, wie sie mutmaßlich im hohen Alter aussehen. Problem: Die Macher aus Russland lassen sich dabei großzügig Rechte einräumen.

Ein amerikanischer Experte warnt: Es wird quasi alles abgetreten, die Entwickler können mit den gesendeten Bildern machen, was sie wollen: „Sie könnten sie als Symbolfotos oder Werbungen in Russland nutzen“, sagt Justin Brookmann von Consumer Reports, der amerikanischen Verbraucherzentrale, dem Sender „NBC“. „Ich weiß nicht, wie bedenklich es ist, dass es sich um eine russische Firma handelt, allerdings hat Russland in der Vergangenheit persönliche Daten genutzt.“

Experten warnen entsprechend vor der Nutzung. Ganz neu ist FaceApp nicht: Schon 2017 hatte die Firma Wireless Lab. mit FaceApp einen Hit gelandet. Als jeder, der wollte, sich mit dem Programm einmal älter hat aussehen lassen, verschwand es wieder in der Versenkung. Bis jetzt bei das Hashtag #faceappchallenge geboren wurde.

Versuche, die App nach dem ersten Hype wiederzubeleben, endeten im PR-Desaster. So gab es „Ethnical Filters“, die die Nutzer unter anderem vermeintlich Chinesisch und Indisch sowie als Schwarze darstellten. Rassismus-Vorwürfe – es würden Stereotype bedient – zwangen die Russen, den Filter wieder zu löschen.

Nun das Comeback, befeuert von Stars wie den Jonas Brothers und Drake, die bereitwillig ihre Fotos zeigen. Wer die App nutzt, erlaubt den Machern quasi die uneingeschränkte Nutzung der hochgeladenen Bilder, den Zugriff auf viele private Daten.

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz nennt FaceApp unserer Redaktion gegenüber ein Risiko: „Ob sie ein Sicherheitsrisiko darstellt wird sich zeigen, ein Datenschutzrisiko ist sie sicherlich“, sagt Referentin Julia Gerhards. Allein das Fehlen einer Kontrollinstanz darüber, ob vom Anbieter Zugesagtes – wie eine Löschung hochgeladener Bilder – dann auch umgesetzt wird, sollte Nutzerinnen und Nutzer vorsichtig sein lassen.

Gerhards weißt darauf, dass FaceApp in den Nutzungsbedingungen „ein unwiderrufliches Recht festschreibt, „mit den Nutzerinhalten und damit zusammenhängenden Informationen in allen bestehenden und zukünftigen Formaten machen zu dürfen, was sie wollen.“

FaceApp fordert umfangreiche Rechte von Nutzern an

Auf diese Gefahr weist auch Mimikama hin. Der Verein, der sich gegen Fakes und Betrug im Internet einsetzt, meint zu den AGB der App: „Man gewährt FaceApp eine unbefristete, unwiderrufliche, nicht exklusive, lizenzfreie, weltweite, voll bezahlte, übertragbare und unterlizenzierbare Lizenz zur Nutzung der hochgeladenen Inhalte“, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion. „Das ist schon eine Hausnummer. Daraus kann man eine Menge möglicher Konsequenzen schließen.“

Allerdings, darauf weist auch Mimikama hin, gibt es im Netz auch Stimmen, die zu etwas mehr Ruhe mahnen. Denn, so schreibt unter anderem das Tech-Portal „Wired“, lassen sich diese oder ähnliche Rechte auch diverse Firmen einräumen, unter anderem Twitter. Wer Facebook nutze, dürfe sich nicht über Datenschutz bei FaceApp aufregen. Mimikama fügt hinzu: „FaceApp bekommt halt einen besonderen Stellenwert zugeordnet, da es eben eine russische App ist.“

Auch andere Experten warnen explizit vor der Nutzung: Denn die App verlangt Zugriff auf alle Fotos der Nutzer – die Demokraten in den USA warnten vorsorglich schon mal ihre Kandidaten, das Programm nicht zu nutzen. US-Top-Demokrat Chuck Schumer will FaceApp vom FBI untersuchen lassen. Man wüsste nicht, wer welche Fotos saugt.

Auch solle sich die Verbraucherschutzbehörde mit dem Thema beschäftigen, fordert Schumer. Die deutsche Verbraucherzentrale warnt ohnehin grundsätzlich vor kostenlosen Apps – man solle genau prüfen, wer da was vom Nutzer bekommt: „Gratis-Apps finanzieren sich häufig darüber, dass der Anbieter die personenbezogenen Daten verwendet und das Nutzungsverhalten auf dem jeweiligen Gerät auswertet.“

Eine heruntergeladene App verlange zumeist diverse Zugriffe auf bestimmte Dienste und gespeicherte Daten des Geräts – wie beispielsweise das Adressbuch mit allen Kontaktdaten, E-Mails oder Fotos. „Für den Nutzer ist kaum nachvollziehbar, zu welchem Zweck dies geschieht und was mit den abgegriffenen Daten passiert.“

Die in Russland entwickelte App könne wegen ihres Umgangs mit persönlichen Daten ein nationales Sicherheitsrisiko sowie eine Gefahr für Millionen US-Bürger darstellen, schrieb US-Demokrat Schumer in einem am Mittwoch (Ortszeit) auf Twitter veröffentlichten Brief.

„Es wäre zutiefst beunruhigend, wenn die sensiblen persönlichen Informationen von US-Bürgern einer feindlichen ausländischen Macht zur Verfügung gestellt würden, die aktiv an Cyber-Angriffen gegen die Vereinigten Staaten beteiligt ist“, schrieb Schumer weiter.

Rapper Drake hat plötzlich graue Haare, die Jonas Brothers diverse Falten mehr und Jennifer-Rostock-Frontfrau Jennifer Weist setzt das Gesicht einer alten Frau auf den Körper ihres 32-jährigen Ichs. Das alles mithilfe von FaceApp, der eigentlich schon zwei Jahre alten Selfie-App, mit der man sich auf Fotos virtuell altern lassen kann. Oder verjüngen. Oder das Geschlecht wechseln.

Plötzlich ist der Trend wieder da. Ein Social-Media-Nutzer nach dem nächsten lädt derzeit mit FaceApp-Filtern bearbeitete Fotos von sich hoch – den prominenten Vorturnern und Hashtags wie #faceappchallenge sei Dank. So schoss die App wieder an die Spitze der Download-Charts.

Doch der überraschende neue Erfolg wirft Fragen auf: Warum geht die Anwendung plötzlich wieder viral? Und wie sicher sind überhaupt die Daten der Nutzer?

FaceApp: FBI soll Sicherheit prüfen – Warnung vor Nutzung

In den USA will man es genau wissen. Die Demokraten haben das FBI und die Handelsaufsicht FTC aufgerufen, die in Russland entwickelte FaceApp auf Sicherheit und Datenschutz zu prüfen. Der Grund: Die App benötige vollen und unwiderruflichen Zugriff auf die persönlichen Fotos und Daten der Nutzer. Das könne für Millionen Amerikaner ein Risiko darstellen.

Die Demokratische Partei warnte auch ihre Präsidentschaftskandidaten für die Wahl 2020, die App wegen ihrer russischen Herkunft zu nutzen. Bisher gibt es keinen Beweis, dass die App Daten an die russische Regierung weiterleitet. Die USA legen besonderes Augenmerk auf mögliche Einflussnahmen aus Moskau, seit Vorwürfe im Raum stehen, dass es eine russische Beteiligung am Wahlsieg Donald Trumps gegeben habe.

Auch die deutsche Computerzeitschrift „Chip“ warnte, dass die Bilder zunächst auf einen Server geladen werden und nicht klar sei, ob diese dort gespeichert würden. FaceApp selbst bestreitet das.

Was FaceApp selbst zu den Vorwürfen sagt

Laut der britischen Zeitung „Guardian“ sagte Geschäftsführer Jaroslaw Goncharov, es werde stets nur ein einzelnes Foto hochgeladen, das der Nutzer selbst auswähle. FaceApp würde keineswegs auf die komplette Fotogalerie zugreifen. Zudem seien niemals Daten nach Russland gegangen, sondern auf einem US-kontrollierten Cloud-Server gespeichert worden, der von Amazon und Google bereitgestellt worden sei.

Auch hätten Nutzer das Recht, ihre Bilder von dort löschen zu lassen. Ein hochgeladenes Foto werde hauptsächlich gespeichert, um den Traffic im Rahmen zu halten, so Goncharov: „Wir wollen sicherstellen, dass die Nutzer das Foto nicht bei jeder Bearbeitung neu hochladen. Die meisten Bilder werden von unseren Servern innerhalb von 48 Stunden nach dem Upload gelöscht.“

(cho/ba)

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