Musikwettbewerb

ESC 2021: Jendrik Sigwart ist der deutsche Teilnehmer

Lesedauer: 3 Minuten

Eurovision Song Contest: Europas größtes Musikevent

Eurovision Song Contest: Europas größtes Musikevent

Jedes Jahr findet der ESC statt. Die spektakuläre Show erreicht dabei über 180 Millionen Zuschauer weltweit.

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Hamburg.  Jendrik Sigwart tritt für Deutschland beim Eurovision Song Contest auf. In Hamburg präsentiert er jetzt sein Lied „I Don’t Feel Hate“.

Über Ebay-Kleinanzeigen zum Erfolg: Für den Hamburger Sänger und Musical-Darsteller Jendrik Sigwart (26) war das Online-Portal der Schlüssel zum Eurovision Song Contest: Im Sommer 2020 sammelte er 18 zu verschenkende Waschmaschinen, schleppte sie in einen Keller und richtete sich einen „Waschsalon“ als Kulisse seines Bewerbungsvideos für den deutschen Vorentscheid ein.

Jetzt stellte er sein Lied „I Don’t Feel Hate“ bei einer Video-Pressekonferenz aus Hamburg vor. Mit diesem Song fährt er am 22. Mai nach Rotterdam. Oder bleibt in Hamburg, je nachdem, wie die pandemische Lage sich auf die Übertragung des ESC-Finales auswirken wird. Eine Streamingshow mit Zuschaltungen aus 41 teilnehmenden Ländern ist derzeit jedenfalls wahrscheinlicher.

ESC: Sigwart platzierte sich auf Umwege in der Vorentscheidung

Sigwart musste in drei Durchgängen zwei unabhängige Jurys aus 100 deutschen ESC-Profis und 20 internationalen Musikexperten überzeugen – „als absoluter Nobody“, wie er es beschreibt. Über Umwege platzierte er sich in der Vorentscheidung.

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Der ausführende NDR hielt es so diskret wie möglich: Kein Aufruf, keine Webseite wies auf Bewerbungsmöglichkeiten hin. Also produzierte Sigwart ohne Budget in Eigenregie das Video und stellte es ins Netz. In das Auswahlverfahren platzte der Song somit hinein wie ein bunter Holi-Festival-Farbbeutel.

Ein Song wie eine Mischung aus Sahnetorte und Pulverglitzer

Denn genau das ist „I Don’t Feel Hate“. Wer eine Konfettikanone abfeuert und Pulverglitzer und Sahnetorten hinterherwirft, kommt der Wirkung von Sigwarts Song sehr nahe. Schon sein bevorzugtes Instrument, die Ukulele, sorgt für fröhliche Beschwingtheit. Im Refrain kommen mit tanzbarer Dynamik Glamrock-Gitarren und Synthiebläser-Fanfaren dazu.

Jendrik - I Don't Feel Hate

Voll Zucker, voll bunt: „Das muss man erst mal verdauen“, sagte NDR-Moderatorin Alina Stiegler am Donnerstag. Aber: Ganz sicher wird „I Don’t Feel Hate“ nicht als graue Maus in der Masse untergehen. Sigwarts Ausstrahlung ist positiv-sympathisch; ein wenig aufgeregt ist er, aber maximal engagiert.

„I Don’t Feel Hate“ war Sigwarts „Corona-Projekt“

Sein Talent als Sänger und Entertainer schulte er von 2014 bis 2018 am Institut für Musik der Hochschule Osnabrück und seit 2015 zudem in bislang 17 Musicalproduktionen, zuletzt in der Comedian-Harmonists-Show „Berlin, Berlin“. Wegen des Stillstands des Musicalgeschäfts seit März 2020 überlegte sich Sigwart ein „Corona-Projekt“. Ergebnis: „I Don’t Feel Hate“.

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Für die deutsche Delegationsleiterin Alexandra Wolfslast und den ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber ist Jendrik Sigwarts Lied jedenfalls der richtige Song zur richtigen Zeit.

ESC-Song richtet sich gegen Mobbing und Hass

Der Sänger sagt: „Es erzählt sechs Geschichten von verschiedenen Menschen, die degradiert, gemobbt und gehasst werden. Die Botschaft ist, auf Hass nicht mit Hass zu reagieren.“ Persönliche Beleidigungen nehme er eher gelassen hin, auch Kritik an seiner Musik. Aber: „Rassismus und Homophobie sind nicht egal.“

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Doch homophobe Kommentare konnten schon die Triumphe von Netta Barzilai 2018 (Israel), Conchita Wurst 2014 (Österreich) oder Dana International 1998 (Israel) nicht verhindern. Der ESC war und bleibt eine große Bühne, um sich für die Rechte von lesbischen, schwulen und bisexuellen Menschen, von Transgendern und Queeren zu engagieren. Was das betrifft, ist Jendrik Sigwart der passendste Kandidat, den Deutschland bislang zum Eurovision Song Contest geschickt hat.

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