Pandemie

Corona-Hotspot Mallorca: Hunger und Not im Urlaubsparadies

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Von Herbstferien ist auf Mallorca kaum etwas zu sehen. Die meisten Hotels sind zu, der Strand ist leer.

Von Herbstferien ist auf Mallorca kaum etwas zu sehen. Die meisten Hotels sind zu, der Strand ist leer.

Foto: dpa

Palma  Die Corona-Krise trifft Mallorca hart, weil kaum noch Touristen auf die Insel kommen. Die Not der Menschen wird dadurch immer größer.

Mallorca, die Lieblingsinsel der Deutschen, steht für beschauliche Buchten und wilde Partys. Doch das Urlaubsparadies trifft die Corona-Pandemie besonders hart.

Die Sieben-Tage-Inzidenz lag laut "Mallorcamagazin" zuletzt bei 229,24 - spanienweit beträgt sie nur 131,92. Vor Ort gelten strikte Einschränkungen - Lockerungen seien bis Februar nicht zu erwarten, erklärte Laut Deutscher Presse-Agentur eine Sprecherin der Regionalregierung. "Vor allem auf Mallorca ist die Lage sehr negativ", betonte sie. Die Zeitung "Diario de Mallorca" titelte zuletzt, die Pandemie sei "außer Kontrolle".

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Corona auf Mallorca: Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren

Wegen der seit Wochen steigenden Zahlen wurden die Maßnahmen nach Weihnachten sogar verschärft. Im Vergleich zu den in Deutschland geltenden Regeln wirken sie dennoch lasch. Das gilt aktuell (Stand 5. Januar):

  • Bars und Restaurants müssen werktags um 18 Uhr schließen, ihre Innenräume sind grundsätzlich geschlossen
  • Der allgemeine Ladenschluss wurde auf 20 Uhr vorgezogen
  • Privat sind laut "Mallorca Zeitung" Treffen von maximal sechs Personen erlaubt - treffen sie sich drinnen, dürfen sie nur aus zwei Haushalten stammen
  • Zudem gilt eine nächtliche Ausgangssperre
  • Die Schulen auf den Balearen-Inseln sind dagegen weiterhin geöffnet.

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Mallorca: Angst vor katastrophaler Tourismuskrise wächst

Schwere Folgen hat die Situation vor allem für die Wirtschaft. Bereits im vergangenen Jahr erlebte Mallorca durch die Corona-Pandemie einen Rückgang der Touristenzahlen in Rekordhöhe. Nun steigt die Angst, dass ein längerer Lockdown dem für die Insel überlebenswichtigen Tourismus, der für ein Drittel des Regionaleinkommens sorgt, den endgültigen Todesstoß versetzten könnte.

Dass sich die wirtschaftliche Lage bereits jetzt deutlich verschlechtert hat, ist auf Mallorca nicht zu übersehen: In der Hauptstadt Palma bilden sich vor der Kapuzinerkirche, in der kostenloses Essen verteilt wird, häufig lange Schlangen. Auf der ganzen Insel wird die Zahl der Bedürftigen, die auf Unterstützung von Tafeln und Hilfsorganisationen angewiesen sind, laut dpa immer größer. Lesen Sie auch: Mallorca in der Corona-Krise - Zu Besuch auf einer Geisterinsel

"Ich habe weder Strom noch Wasser und auch nichts zu essen", sagte der arbeitslose Kellner Damian der Digital Zeitung "Crónica Balear". Wie ihm geht es vielen: Vor den Ausgabestellen der Hilfsorganisationen stehen junge Uniabsolventen neben gut gekleideten Eltern mit Kindern und Hotel- oder Café-Betreibern, die durch die Tourismus-Flaute keine Einnahmen mehr haben. Ihnen allen fehlt das Nötigste.

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Corona verschlimmert die Armut auf Mallorca

"Diario de Mallorca" bezeichnete 2020 zuletzt als "das Jahr der weit verbreiteten Armut". 2021 wird es wohl kaum besser werden. Laut einer Studie der Universität der Balearen über die Auswirkungen der Corona-Pandemie hat sich die Zahl der auf den Inseln in extremer Armut lebenden Menschen innerhalb des vergangenen Jahres verdoppelt. Als arm gelten 320.000 Menschen - und damit mehr als ein Viertel der Inselbewohner.

Bereits als die Studie veröffentlicht wurde, warnte Maria Antónia Carbonero, die Leiterin des Sozialen Observatoriums der Universität, die soziale Not werde sich im Laufe des Winters verschärfen. Dabei war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht abzusehen, wie stark die Corona-Zahlen auf den Balearen in den folgenden Monaten steigen würde.

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Angst vor Plünderungen auf Mallorca

Die angespannte Situation führte auf der Insel zuletzt immer wieder zu Ausschreitungen. Laut dpa kommt es zu Überfällen und Einbrüchen. Die Zeitung "Última Hora" schreibt von "verzweifelten Amateurtaten", die offenbar mit der Krise zu tun hätten. Zuletzt wurden auch Schaufenster mit Ziegelsteinen eingeschlagen.

Wie angespannt die Lage ist, verdeutlicht die 81-jährige Rentnerin Catalina, die jeden Tag vor der Kapuzinerkirche in Palma de Mallorca Schlange steht, um etwas Essen zu ergattern. Sie sagt: "Die Menschen hier in den Schlangen werden immer mehr. Wenn das so weiter geht, gibt es hier Krieg."

(nfz/dpa)

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