Pandemie

Corona: So viele Haustiere haben sich bei Menschen infiziert

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Haustier-Boom im Corona-Lockdown

Haustier-Boom im Corona-Lockdown

Vier Pfoten gegen Einsamkeit und Langeweile: In der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Haustieren in Deutschland deutlich gestiegen. Inzwischen gibt es etwa 35 Millionen Haustiere, eine Million mehr als vor der Pandemie.

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Berlin.  Corona-Infizierte können Hunde oder Katzen anstecken. Welche Tiere am stärksten betroffen sind und was Besitzer jetzt beachten sollten.

Wenn Menschen an Corona erkranken, können auch Haustiere in Gefahr geraten. Zwar kommt es nur in seltenen Fällen vor, dass das Virus von einem an Covid erkrankten Menschen auf Haustiere überspringt, aber es ist nicht gänzlich ausgeschlossen.

„Bisher haben wir bundesweit 13 Fälle festgestellt, bei denen das Coronavirus vom Menschen auf Tiere übertragen wurde“, sagte Elke Reinking, Sprecherin des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, dieser Redaktion.

„Betroffen waren zwölf Katzen und ein Hund. Die Tiere stammten aus Haushalten, in denen die Halter mit Covid-19 infiziert waren“, berichtet Reinking. In der Regel zeigten Katzen und Hunde jedoch nur milde oder keine Krankheitssymptome. Auch Kaninchen, Goldhamster und Frettchen gelten laut Studien als empfänglich für das Virus. Meerschweinchen ließen sich bisher nicht damit infizieren.

Katzen und Hunde: Nur leichte Corona-Symptome

„Bisher kam es weltweit in wenigen Fällen bei Tieren mit Vorerkrankungen zu schweren Verläufen, in noch weniger Fälle zu Todesfällen oder zum Einschläfern der Tiere aufgrund der Schwere des Verlaufs“, berichtet Reinking. Bei einer meldepflichtigen Infektionskrankheit müssen die Tiere nicht getötet werden.

„Dass an Covid-19 erkrankte Personen das Virus auf ihre Haustiere übertragen haben zeigt, das Zoonosen in beide Richtungen gehen können“, sagt Reinking. Umgekehrt gibt es laut Löffler-Institut bislang keine Hinweise, wonach Covid-19 von Haustieren auf Menschen übertragen wurde. „Haustiere spielen nach jetzigem Kenntnisstand epidemiologisch keine Rolle bei der Verbreitung von Covid-19“.

Die Haltung von Haustieren gilt somit nicht als Risikofaktor, sind die FLI-Forscher überzeugt. Bei der Corona-Pandemie sei die Übertragung von Mensch zu Mensch ausschlaggebend für die Verbreitung.

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Corona-Erkrankung: Vereinzelt auch Löwen und Tiger betroffen

Auch weltweit wurden bereits mehrere Infektionen bei Katzen gemeldet. In einem Tierpark in New York wurden mehrere Löwen und Tiger angesteckt - vermutlich von ihren an Corona erkrankten Tierpflegern. Nur ein Tigerweibchen zeigte dabei trockenen Husten als Symptom - alle Großkatzen erholten sich von der Infektion, so das FLI.

In Italien wurden in einer Studie bei 3 bis 4 Prozent der dafür untersuchten Hunde und Katzen Antikörper gegen Sars-VoV-2 im Blut festgestellt. In den Niederlanden, Dänemark, Spanien, Griechenland und Kanada infizierten sich Nerze in Pelztierfarmen mit Corona, das wahrscheinlich durch das betreuende Personal übertragen wurde.

Das Coronavirus Sars-CoV-2 stammt höchstwahrscheinlich von Fledermäusen aus Südchina, erläutert die Sprecherin des bundeseigenen Forschungsinstituts. Ob es dann direkt von Fledermäusen auf Menschen übertragen wurde oder erst auf eine andere Tierart als Brückenwirt und von dort auf den Menschen, ist bisher nicht bekannt.

Wie sollte man sich als Katzen- oder Hundehalter verhalten?

Wer sich mit Corona infiziert hat, sollte den Kontakt mit seinem Haustier auf ein Minium reduzieren und dabei einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Man sollte die Tiere nicht anhusten, anniesen und sich auch nicht von ihnen ins Gesicht lecken lassen, empfiehlt das FLI. Wenn möglich, sollten sich andere Personen in dem Haushalt oder Nachbarn um das Tier kümmern.

Müssen meine Katze oder mein Hund eine Maske tragen?

Eine Maske für das Tier ist nicht nötig, da die Gefahr vom infizierten Menschen ausgeht. Zudem wäre eine Maske für das Tier eine Qual. Vielmehr sollte der Mensch einen Mund-Nase-Schutz tragen. Gerade mit Corona infizierte Menschen können große Virusmengen über Nase und Mund ausscheiden.

Was tun, wenn meine Katze oder mein Hund Corona-Symptome hat?

Zeigt das Tier auffällige Symptome wie Husten, Atemprobleme oder laufende Nasen und im eigenen Haushalt grassiert Corona, ist in Einzelfällen ein Test auf SARS-CoV-2 ratsam. Aber vor allem zu Forschungszwecken, so das FLI, um weitere Informationen zu Ansteckungsgefahren zu erhalten. Hier sollte das Gesundheitsamt informiert werden. Das Testverfahren entspricht dem bei Menschen.

Positive Tests sind meldepflichtig, um einen Überblick über das Infektionsgeschehen zu erhalten. Selbst wenn ein Tier infiziert ist, muss man jedoch als Halter keine Angst haben, dass ihm das Tier weggenommen wird: Es besteht kein Grund, dass das Haustier aus dem Haushalt genommen oder gar eingeschläfert wird.

Was muss ich als Hunde-Sitter beachten?

Wer den Hund eines infizierten Nachbarn ausführt, sollte möglichst eine eigene Leine verwenden, empfiehlt das FLI. Nach dem Gassigehen immer die Hände waschen. Achtung: Das Risiko für eine eigene Ansteckung geht weniger von dem Hund aus, als von den infizierten Herrchen oder Frauchen.

Können sich auch Nutztiere wie Schweine, Hühner oder Rinder anstecken?

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass Nutztiere bei der Verbreitung des Virus unter Menschen eine wichtige Rolle spielen. Hühner, Enten, Puten und Schweine lassen sich nach bisherigen Studien nicht mit Sars-CoV-2 infizieren. Rinder zeigen eine geringe Empfänglichkeit für das Virus, können es aber nicht weitergeben, so das Friedrich-Loeffler-Institut.

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