Luftfahrt

Abstürze mit Boeing 737 Max – Hinweis auf ähnliche Ursachen

US-Flugaufsicht: Modell "Boeing 737 MAX 8" flugtauglich

US-Verkehrsministerin Elaine Chao erklärte, die Aufsichtsbehörde werde sofort Maßnahmen einleiten, sollten bei den anstehenden Untersuchungen Sicherheitsrisiken entdeckt werden.

US-Verkehrsministerin Elaine Chao erklärte, die Aufsichtsbehörde werde sofort Maßnahmen einleiten, sollten bei den anstehenden Untersuchungen Sicherheitsrisiken entdeckt werden.

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Singapur/Addis Abeba  Bei der Auswertung des Flugschreibers mehren sich Hinweise auf ähnliche Absturzursachen der beiden Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max.

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Erst in Indonesien, jetzt in Äthiopien: Innerhalb weniger Monate ist es zu Abstürzen zweier Boeing-Jets gekommen. Die Furcht vor weiteren Zwischenfällen zieht nun immer weitere Kreise. Laut der US-Luftfahrtbehörde FAA gibt es neue Erkenntnisse, die auf Ähnlichkeiten bei den Abstürzen der beiden baugleichen Flugzeuge hinwiesen.

In einer Dringlichkeits-Anordnung der Behörde heißt es, die Untersuchungen am Wrack der Maschine hätten am Mittwoch neue Informationen zutage gefördert. Gekoppelt mit Satellitendaten zur Flugbahn nach dem Start der Ethiopian-Airlines-Maschine in Addis Abeba wiesen sie „einige Ähnlichkeiten“ zum Absturz in Indonesien auf. Behördenchef Daniel Elwell habe beschlossen, „dass eine Gefahr mit Bezug zur Sicherheit bei der kommerziellen Luftfahrt besteht“.

Flugschreiber der Boeing 737 Max wird in Frankreich ausgewertet

Nach dem Absturz der Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines sollen die beiden Flugschreiber in Frankreich ausgewertet werden. Das bestätigte am Donnerstag die äthiopische Verkehrsministerin Dagmawit Moges. Zuvor hatte die französische Nachrichtenagentur AFP berichtet, die Flugschreiber sollten noch am Donnerstag bei der französischen Luftsicherheitsbehörde Bureau d’Enquêtes et d’Analyses (BEA) eintreffen.

Die BEA erklärte via Twitter, die äthiopischen Behörden hätten bei der Untersuchung um Unterstützung gebeten. Die Flugschreiber sollten am Donnerstag zur BEA gelangen. Die äthiopischen Behörden hätten um Unterstützung gebeten. Die Fluggesellschaft Ethiopian Airlines bestätigte dies.

Luftfahrtbehörde rechnet mit mehrmonatigem Flugverbot für Boeing 737 Max

Nach den EU-Staaten und zahlreichen anderen Ländern haben am Mittwoch auch die USA ein Startverbot für Maschinen der Boeing 737 Max erlassen. Alle diese Maschinen müssten mit sofortiger Wirkung am Boden bleiben, sagte US-Präsident Donald Trump in Washington. Mit dem Verbot in den USA stehen inzwischen mehr als 310 Maschinen am Boden. Der US-Luftfahrtkonzern Boeing empfahl am Mittwoch als Vorsichtsmaßnahme ein vorübergehendes Startverbot für alle 371 Flugzeuge der Baureihe 737 Max weltweit.

Die US-Luftfahrtbehörde stellt sich auf eine längere Stilllegung der Maschinen des Typs Boeing 737 Max ein. Der amtierende Behördenchef Daniel Elwell rechne mit einer Wiederaufnahme der Flüge „innerhalb von ein paar Monaten“, sagte er vor Journalisten, wie unter anderem das „Wall Street Journal“ berichtete.

Die FAA war zuvor zunehmend unter Druck geraten. Nach dem Absturz der Boeing 737 Max 8 in Äthiopien hatten Luftfahrtbehörden in Europa, Australien und weiten Teilen Asiens Flugverbote für alle baugleichen Maschinen verhängt. Wenige Stunden vor den USA hatte dann auch Kanada ein Start-, Lande- und Überflugverbot erlassen.

Die europäische Luftfahrtbehörde EASA hatte zuvor den gesamten europäischen Luftraum für Maschinen des Typs Boeing 737 Max gesperrt. Das Verbot gelte als „Vorsichtsmaßnahme“ für die Flugzeuge vom Typ Boeing 737 Max 8 und Boeing 737 Max 9, erklärte die EASA.

Norwegian fordert Schadenersatz wegen Boeing 737 Max

Die skandinavische Fluglinie Norwegian rechnet wegen des Flugverbots mit hohen Verlusten. Diese wolle das Unternehmen auf den Hersteller umlegen. Norwegian fordert Schadensersatz von Boeing. Die Norweger haben 18 der betroffenen MAX-Jets in ihrer Flotte und sind damit von allen europäischen Fluglinien am stärksten betroffen. Norwegian fliegt auch ab und zu deutsche Flughäfen an.

Die Ankündigung zum Flugverbot in Europa am Dienstagabend kam nur wenige Stunden, nachdem bereits mehrere EU-Länder ihren Luftraum für die Boeing-Maschinen gesperrt hatten, darunter auch Deutschland und Großbritannien.

In diesen Ländern bleibt die Boeing 737 Max am Boden:

• EU-Mitgliedsstaaten: Die europäische Luftfahrtbehörde EASA hat ein Flugverbot für die Boeing 737 Max erteilt. Das gilt für alle 28 EU-Mitgliedsstaaten.

• USA

• Kanada

• Türkei

• Indien

• Neuseeland

• Hongkong

• China

• Indonesien

• Malaysia

• Singapur

• Australien

• Ägypten

• Vereinigte Arabische Emirate

• Oman

• Libanon

Sperrungen nach Boeing-Absturz

Nach dem Absturz einer Boeing 737 MAX 8 wächst in den USA der Druck auf die Behörden, auch dort den Luftraum für das Flugzeug-Modell zu sperren.Druck auf US-Luftfahrtbehörde steigt nach Boeing-Absturz
Sperrungen nach Boeing-Absturz

US-Politiker kritisierten FAA

Die Entscheidung der FAA, den Betrieb der Maschinen zunächst nicht zu verbieten, hatte bei einigen amerikanischen Politikern für Kritik gesorgt. Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hatte getwittert, dass er dafür sei, die Boeings 737 Max 8 am Boden zu lassen, bis die Ergebnisse des jüngsten Unglücks vorlägen.

Dieser Forderung hatten sich sein Parteikollege Ted Cruz sowie die einflussreichen demokratischen Senatoren Elizabeth Warren, Richard Blumenthal und Dianne Feinstein angeschlossen.

Die Gewerkschaft APFA, die die über 27.000 Flugbegleiter von American Airlines vertritt, hatte die größte US-Fluggesellschaft zu einem Startverbot der betroffenen Maschinen aufgefordert. Auch die Gewerkschaft der Transportarbeiter (TWU), in der unter anderem die Flugbegleiter von Southwest Airlines organisiert sind, hatte ein Startverbot verlangt.

Boeing-Chef Dennis Muilenberg telefonierte US-Medien zufolge mit US-Präsident Donald Trump. Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf zwei mit dem Gespräch vertraute Personen, Muilenberg habe bei Trump dafür geworben, kein Startverbot für baugleiche Maschinen in den USA zu verhängen. Auch der Sender CNN vermeldete das Telefonat vom Dienstag, ohne allerdings über Inhalte zu berichten. Eine offizielle Bestätigung gab es zunächst nicht.

Verkehrsminister Scheuer: „Sicherheit geht vor“

In Deutschland bleibe das Verbot solange bestehen, wie die Unfälle nicht vollständig ausgewertet und Zweifel ausgeräumt seien, sagte Verkehrsminister Andreas Scheuer am Dienstag im Sender n-tv. „Sicherheit geht vor.“ Scheuer wollte „keine Vorhersagen“ machen, wie lange dieses Verbot gelte. „Alle Zweifel müssen ausgeräumt sein.“

Die Flugschreiber des in Äthiopien abgestürzten Flugzeugs würden nun ausgewertet. Die deutschen Behörden stünden in engem Kontakt.

Laut einer Mitteilung der Deutschen Flugsicherung gilt das Flugverbot für Maschinen vom Typ Boeing 737 Max 8 und Max 9 im deutschen Luftraum zunächst für drei Monate.

Tui lässt Flüge nicht mehr mit Boeing 737 Max 8 durchführen

Auch der weltgrößte Reisekonzern Tui stoppte alle Flüge mit dem umstrittenen Flugzeugtyp Boeing 737 Max 8. Der Schritt umfasse alle Fluggesellschaften des Konzerns, teilte ein Unternehmenssprecher am Dienstag in Hannover mit.

• Kommentar: Boeing 737 Max 8: Nach Abstürzen fliegt die Angst wieder mit

Auch der südostasiatische Stadtstaat Singapur – eines der wichtigsten Drehkreuze der Luftfahrt weltweit – verhängte am Dienstag mit sofortiger Wirkung ein Startverbot für die noch relativ neuen Maschinen der Serie Boeing 737 Max. Ebenso erklärte die Flugsicherheitsbehörde in Australien, die Maschinen dürften dort vorübergehend nicht mehr starten oder landen.

Experten der FAA sind an der Unglücksstelle

Am Sonntag war eine Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines in Äthiopien abgestürzt, 157 Menschen kamen ums Leben. Im Oktober waren beim Absturz einer baugleichen Maschine der Fluglinie Lion Air in Indonesien 189 Menschen gestorben.

Äthiopien: Flugzeugabsturz mit 157 Toten

Der Flieger war auf dem Weg in die Kenianische Hauptstadt Nairobi. Die Maschine vom Typ Boeing 737 MAX 8 gehört zu den weltweit verlässlichsten Flugzeugen.
Äthiopien- Flugzeugabsturz mit 157 Toten

Im vergangenen Jahr habe es zahlreiche technische Prüfungen und Maßnahmen gegeben, die infolge des Absturzes in Indonesien ergriffen worden seien. Experten der FAA und der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB kamen am Dienstag in Äthiopien an, um bei der Klärung der Unglücksursache zu helfen.

Ein Sprecher der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines teilte unterdessen mit, der Flugschreiber der in Äthiopien verunglückten Maschine solle zur Analyse nach Europa geschickt werden. In welches Land sei noch nicht sicher. Die sogenannten Blackboxes zeichnen den Sprechfunk im Cockpit und alle Flugdaten auf, weswegen sie für die Klärung der Unglücksursache entscheidend sein könnten.

Für gewöhnlich werden die Flugschreiber nach einem Unglück in das Herstellerland geschickt, was in diesem Fall die USA wären. Die Entscheidung für ein europäisches Land könnte daher als Misstrauen gegenüber Boeing ausgelegt werden.

CDU-Politiker warnt vor voreiligen Schlüssen

Der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek, warnte vor übereilten Verboten. „Man muss jetzt keine Schnellschüsse machen, wenn man noch gar nicht weiß, was die Ursachen für den Absturz gewesen sind“, sagte der CDU-Politiker am Dienstag im rbb-Inforadio.

Die Gründe seien nicht immer ganz so einfach, wie sie vielleicht zunächst auf der Hand lägen. „Da kann man nicht direkt hingehen und Verbote erteilen. Am Ende braucht man doch ein Stück Beleg.“

Erweiterung der umstrittenen Steuerungssoftware

Nach dem Absturz der Lion-Air-Maschine vermuteten Ermittler, dass eine neue Steuerungssoftware der Boeing eine entscheidende Rolle gespielt haben könnte. Der Crash in Äthiopien am Sonntag wies gewisse Ähnlichkeiten auf. Boeing versprach derweil eine rasche Erweiterung der umstrittenen Steuerungssoftware in den kommenden Wochen. Der Flugzeugbauer habe ein verbessertes Kontrollprogramm entwickelt, um „ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen“, erklärte das Unternehmen.

Die Aktien des US-Luft- und Raumfahrtriesen schlossen angesichts der Krise am Montag mit einem Minus von 5,4 Prozent. Manche Luftfahrtbehörden wollten aber offenbar nicht bis zum nächsten Boeing-Update warten. Das Startverbot in Singapur soll solange gelten, bis „weitere Informationen gesammelt und das Sicherheitsrisiko neu bewertet“ ist, teilte die Luftfahrtbehörde mit. Betroffen von dem Verbot sind unter anderem die Fluggesellschaften China Southern, Thai Lion, Garuda, Silk Air und Shandong.

China und Indonesien erteilten bereits Startverbote

Von dem Verbot in Australien sind bislang nur die beiden Airlines Silk Air aus Singapur und Fiji Airways von den Fidschi-Inseln betroffen. China und Indonesien hatten den neuen Boeings bereits am Montag ein Startverbot erteilt. Chinas Luftfahrtbehörde hatte in der Begründung des Startverbots darauf verwiesen, dass es bei beiden Unglücken „gewisse Ähnlichkeiten“ gegeben habe.

Beide Flüge waren bei gutem Wetter kurz nach dem Start in Schwierigkeiten gekommen. Zahlreiche Fluggesellschaften entschlossen sich ebenfalls, die Maschinen am Boden zu lassen, darunter etwa Ethiopian Airlines, die mexikanische Aeroméxico, Aerolíneas Argentinas und in Brasilien die Gesellschaft Gol. Damit bleiben inzwischen mindestens 130 der Flugzeuge am Boden, fast 100 davon in China.

Augenzeuge: "Das Flugzeug schwankte in der Luft"

Am Tag nach dem Absturz der Ethiopia Airline Maschine vom Typ Boeing 737 MAX8 beschreiben Augenzeugen, was sie am Unglücksort sahen. Hinterbliebene der 157 Opfer trauern.
Augenzeuge- Das Flugzeug schwankte in der Luft

Seit 2017 hat Boeing rund 350 Maschinen ausgeliefert. Andere Fluggesellschaften wie American Airlines, Southwest Airlines und Norwegian hielten zunächst am Betrieb des Flugzeugs fest. Durch Flugverbote in mehreren Ländern sind sie nun aber auch gezwungen, ihre Flugzeuge teilweise am Boden zu lassen. Deutsche Fluggesellschaften nutzen dem Verkehrsministerium zufolge keine Boeing 737 Max 8.

Bei dem Flugzeugabsturz starben auch fünf Deutsche. Ein Grieche überlebte, weil er den Flug der Ethiopian Airlines verpasste.

Meistverkauftes Verkehrsflugzeug der Welt

Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug der Welt. Die 737-Max-Reihe ist die neueste Variante des Verkaufsschlagers. Die Überarbeitung der Software erfolgte Boeings Mitteilung zufolge im Zuge des im Oktober in Indonesien abgestürzten Lion-Air-Flugs 610 und werde in den kommenden Wochen bei sämtlichen 737-Max-Maschinen installiert.

Das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) war nach dem Absturz in Indonesien schwer in die Kritik geraten. Laut Unfallermittlern drückte der Bordcomputer die Nase des Flugzeugs automatisch immer wieder nach unten, während die Crew versucht habe, sie nach oben zu steuern. (jb/tki/dpa)

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