Sprachschulen

Betrug bei Zuwanderer-Deutschtest? Schulen unter Verdacht

Bei Deutsch-Sprachprüfungen für Studienanwärter ist es offenbar zu Manipulationen in zwei Duisburger Sprachschulen gekommen. Die Ermittlungen laufen.

Foto: Ulrich von Born

Bei Deutsch-Sprachprüfungen für Studienanwärter ist es offenbar zu Manipulationen in zwei Duisburger Sprachschulen gekommen. Die Ermittlungen laufen.

Duisburg.   Prüfungsanbieter Telc hat Sprachschulen vorläufig die Prüfungslizenz entzogen. Studierende warten auf Zertifikate. Lösungen kursieren im Netz.

Die Telc gGmbH, Marktführer für Sprachtests für Zuwanderer und ausländische Studierende, ermittelt wegen Fällen von möglichem Prüfungsbetrug. Zwei Duisburger Sprachschulen, sie führen als Lizenzpartner die Tests im Niveau C1 durch, wurde vorläufig die Prüfungsberechtigung entzogen. Bereits erteilte Zertifikate wurden kompletten Prüfungsgruppen wieder aberkannt. Betroffen sind weitere Sprachschulen außerhalb Duisburgs, Universitäten und hunderte von Studierenden. Weil sie Prüfungen wiederholen müssen oder verspätet ablegen, drohen Fristen für die Einschreibung zu verstreichen.

Mögliche Täuschung fiel bei Korrektur auf

Telc bestätigt Ermittlungen. „In beiden Fällen hat sich bei der Korrektur der Prüfungen ein Verdacht auf Täuschung ergeben“, sagt Telc-Geschäftsführer Jürgen Keicher. Ob auch den Schulen ein Vorwurf zu machen sei, weil sie nicht alles notwendige unternommen hätten, um Manipulationen zu unterbinden, sei noch zu klären.

Betroffene Schüler, Sprachschulen und auch Hochschulen kritisieren, dass Telc weder über die Gründe der Verzögerungen, noch deren Ende informierte. „Das ist in Bearbeitung“, hörte Simone Gebhard-Birkle, Leiterin des Sprachenzentrums an der Niederrheinischen Hochschule in Mönchengladbach. Ihre Schüler haben die Prüfung in Duisburg absolviert. „Die Ungewissheit ist schlimm, für die Schüler geht es um viel. Erste Einschreibefristen laufen am 15. Juli ab“, sagt Gebhard-Birkle.

Auch Uni Duisburg-Essen betroffen

Telc, das die Prüfungen konzipiert die Aufgaben korrigiert und pro Schüler nach eigenen Angaben 50 der 170 Euro Gebühr kassiert, sieht keinen Anlass, organisierten Prüfungsbetrug zu vermuten, der weite Kreise ziehen könnte. „Derzeit sind weniger als ein Dutzend Lizenzpartner vorübergehend gesperrt wegen Täuschungsverdacht. In einer Phase mit vielen Prüfungen ist das nicht ungewöhnlich“, betont der Telc-Geschäftsführer.

Doch auch er weiß, dass im Internet Testlösungen kursieren. Ein solcher Lösungsschlüssel wurde auch in der Toilette einer betroffenen Sprachschule gefunden. „Wir haben das umgehend an Telc gemeldet“, beteuert der Inhaber. Ungewiss ist, ob der „Spickzettel“ verwendet wurde. „Wir haben ein hoch verfeinertes System bei der Korrektur, damit können wir die meisten Manipulationen entdecken. Die Zahl der Täuschungsversuche liegt deshalb unter einem Prozent“, betont Keicher.

Gefälschte Zertifikate aus China

Für chinesische Studierende sei WeChat, das Pendant zu Whatsapp, nicht nur bei der Suche nach Zertifikaten eine gute Adresse, berichteten Sprachschulen. „Es gibt kriminelle Energie und es gab auch schon korrupte Sprachzentren“, bestätigt der Telc-Geschäftsführer. „Das geringste Problem sind aber gefälschte Zertifikate. Sie fallen in der Regel auf, durch eine Nachfrage bei uns ist zu klären, ob alles seine Richtigkeit hat.“

Auch 20 Sprachschüler der Uni Duisburg-Essen sind betroffen. Sie legten ihre Prüfung an einer nun gesperrten Sprachschule ab. Die UDE hat auf die Turbulenzen reagiert. „Wir prüfen Fristverlängerungen, um weitere Härten zu vermeiden“, so Uni-Sprecherin Beate Kostka.

Leserkommentare (4) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik