Kriminalität

Aachener Gangster müssen nach Ausbruch Schadenersatz zahlen

Ende einer spektakulären Flucht: Auf diesem Weg bei Schermbeck fasste die Polizei am 1. Dezember 2009 den Fahrrad fahrenden Peter Paul Michalski. Zuvor war er mit seinem Komplizen Michael Heckhoff aus der HVA Aachen ausgebrochen und hatte in Köln und im Revier mehrere Geiseln genommen.

Ende einer spektakulären Flucht: Auf diesem Weg bei Schermbeck fasste die Polizei am 1. Dezember 2009 den Fahrrad fahrenden Peter Paul Michalski. Zuvor war er mit seinem Komplizen Michael Heckhoff aus der HVA Aachen ausgebrochen und hatte in Köln und im Revier mehrere Geiseln genommen.

Foto: WAZ FotoPool

Aachen.   Weil sie einen Wärter malträtierten, sind zwei Gefängnis-Ausbrecher zu Schadenersatz verurteilt worden. Kritiker fragen: Was soll das bringen?

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Fünfeinhalb Jahre ist es her, dass die beiden Schwerverbrecher NRW in Angst und Schrecken versetzten. Nach ihrer spektakulären Gefängnisflucht nahmen sie in Köln, Essen und Mülheim mehrere Geiseln, die Polizei fahndete tagelang nach den Männern, die unter anderem wegen Mordes in der JVA Aachen einsaßen. Gestern wurden Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski erneut verurteilt – weil sie bei ihrer Flucht Ende 2009 einen Wärter überfallen hatten. Der Beamte ist seitdem dienstunfähig. Heckhoff, Michalski und ein Komplize müssen Schadenersatz leisten. Das Urteil des Aachener Landgerichts ist noch nicht rechtskräftig.

30 000 Euro müssen die drei Verurteilten an das Land NRW zahlen. Das entspreche den Kosten für die Lohnfortzahlung und die medizinische Behandlung des Wärters, den die Schwerverbrecher in einer Sicherheitsschleuse überwältigt, gefesselt und ihm eine Mütze über den Kopf gezogen hatten. Der JVA-Bedienstete war danach derart traumatisiert, dass er mit 58 Jahren vorzeitig pensioniert wurde. Der dritte Angeklagte, ein weiterer JVA-Beamter, hatte den beiden Insassen bei der Flucht geholfen und ihnen scharfe Waffen besorgt. Heckhoff und Michalski wurden wegen erpresserischen Menschenraubes und Geiselnahme bereits vor Jahren zu hohen Haftstrafen mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

Das Urteil stieß auf Kritik: Gegen Heckhoff bestünden wegen dessen langer krimineller Karriere bereits Forderungen von rund zwei Millionen Euro, sagte sein Anwalt Rainer Dietz dieser Zeitung. Es sei ausgeschlossen, dass Heckhoff diese Summe jemals begleichen können werde. Die neuerliche Forderung über 30 000 Euro sei daher „eine Farce“. „Man kann Steuergelder sicher besser verwenden als für so einen Prozess“, so Dietz. Das Land sieht das anders: „Sie könnten ja irgendwann mal in die Lage kommen, zu bezahlen“, erklärte ein Sprecher des Justizministeriums. „Zum Beispiel durch eine Erbschaft.“

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