Kommentar

Verhalten in Corona-Zeiten: Wir entscheiden für andere mit

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Ralf Kubbernuß kommentiert

Ralf Kubbernuß kommentiert

Foto: NRZ

Essen.  Die aktuelle Phase der Corona-Krise mit der Debatte um mehr Freiheiten macht deutlich: Wir entscheiden durch unser Verhalten auch für andere mit.

Um es direkt klar zu sagen: Dies ist die Bitte, durchzuhalten und mitzumachen, damit wir diese verdammte Pandemie möglichst bald ins Geschichtsbuch schreiben können. Und es ist die Bitte, daran zu denken, dass wir jede Entscheidung für oder gegen das Durchhalten und Mitmachen nicht nur für uns, sondern auch für andere treffen.

Das ist doch selbstverständlich? Leider nicht. Wie kann es sonst sein, dass an manchen Orten jeder Zehnte seinen Termin im Impfzentrum nicht wahrnimmt, oft nicht mal absagt?

Müssen wir zum Shopping in die Niederlande fahren?

Noch nachvollziehbar ist, wenn sich jemand lieber vom Hausarzt impfen lassen möchte oder auf einen anderen Impfstoff hofft. Nicht nachvollziehbar ist, dass ein Termin aber einfach nicht wahrgenommen wird, der Impfstoff im schlimmsten Fall in die Mülltonne geworfen werden muss. Das ist nicht nur bequem, gedanken- oder verantwortungslos, es ist asozial. Ein anderer hätte gerne den Ärmel hochgekrempelt und sich impfen lassen. Jeder Geimpfte bringt uns dem Ziel, Corona zu überwinden, ein kleines Stückchen näher.

Müssen wir wirklich zum Shopping in die Niederlande fahren, wo gestern trotz hoher Inzidenzwerte Lockerungen umgesetzt wurden? Müssen wir wirklich unsere Kinder in die Kita- und Grundschulbetreuungs-Notgruppen schicken? Müssen wir wirklich ins Büro fahren?

Keine Generalkritik an individuellen Entscheidungen

Müssen wir uns wirklich nicht impfen lassen, weil wir uns nicht als Versuchskaninchen fühlen wollen (und gleichzeitig darauf hoffen, dass uns genügend andere Versuchskaninchen in die Herdenimmunität und aus der Pandemie führen)? Müssen wir gemeinsam die Nacht durchfeiern, weil wir ja erst ab 5 Uhr morgens wieder auf die Straße dürfen?

Bitte nicht falsch verstehen. Es geht keinesfalls um Generalkritik an individuellen Entscheidungen, die jeder für sich selbst treffen muss. Er sollte dabei aber bitte bedenken, dass er die Fragen nicht nur für sich selbst, sondern auch für uns alle beantwortet.

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