Ringen um Thyssenkrupp

Steuergeld darf nicht im Konzern versickern

NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet kommentiert.

NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet kommentiert.

Foto: NRZ

Das Übernahmeangebot sorgt für Druck: Wenn der Staat bei Thyssenkrupp einsteigt, müssen alle Beteiligten ein zukunftsfähiges Konzept entwickeln.

Wer wäre der bessere Chef im Stahlgeschäft von Thyssenkrupp? Ein privates Unternehmen aus dem Brexit-Land – oder lieber der bundesdeutsche Vater Staat?

Die Frage ist zugespitzt, dennoch ist nicht anzunehmen, dass das britische Stahlkonsortium Liberty tatsächlich am Wohl des so wichtigen Stahlstandorts Duisburg interessiert sein dürfte. Doch auch ein Staatseinstieg macht kein wirklich gutes Gefühl. Das jüngste Beispiel Lufthansa zeigt, dass Steuergelder nicht vor Niedergang und massivem Stellenabbau schützen.

Weil keine Bank der klammen Traditionsfirma Thyssenkrupp mehr Geld leiht, dürfte die öffentliche Hand schließlich doch die letzte Rettung sein. Verrückterweise wurde ja die wertvolle Aufzug-sparte verkauft...

Es gibt bisher nur Lippenbekenntnisse

Noch zögern Finanzminister Scholz und Ministerpräsident Laschet. Inzwischen weiß aber jeder, dass in der Corona-Zeit das staatliche Geldausgeben viel leichter von der Hand geht. Genau hier aber muss gehörig aufgepasst werden: Steuergelder dürften nicht einfach in dem Konzern versickern, bei dem es immer wieder eklatante Management-Fehler gab.

Das Geld der Bürger ist nur dann gut in einem Konzern angelegt, wenn dieser für neue Technologien, sichere Arbeitsplätze und Verantwortung für die Region steht. Noch ist von einem solchen Konzept nichts zu sehen, es gibt nur Lippenbekenntnisse. Doch Politik, Vorstand und IG Metall müssen jetzt zusammenarbeiten. Und sie müssen sich beeilen, dem Unternehmen rennt die Zeit davon.

Noch liest man an unseren Autobahnen, dass wir am „größten Stahlstandort“ Europas leben. Mit Zehntausenden wertvollen Arbeitsplätzen und Zulieferern. Die Mitarbeiter wissen das nur zu gut, obgleich sie in den letzten Jahren immer wieder Sparprogramme und Richtungswechsel erleben mussten. Damit muss nun Schluss sein.

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