Kommentar

Reichsbürger: Auch die Gesellschaft ist gefordert

Rolf Hansmann.

Rolf Hansmann.

Foto: Michael Kleinrensing / WP Michael Kleinrensing

Wenn sich Reichsbürger radikalisieren, ist nicht nur die Politik gefordert. Die Gesellschaft im Ganzen darf sich nicht wegducken.

Der baden-württembergische Verfassungsschutz hat gestern eine Broschüre veröffentlicht, die Mitarbeitern von Behörden und Gerichten Handlungsempfehlungen im Umgang mit Reichsbürgern geben sollen. Dieser sehr spezielle Menschenschlag überhäuft Verwaltungen mit seitenlangen Schreiben oft absurden oder bedrohlichen Inhalts. Dass erst jetzt eine solche Hilfe für genervte Beamte und Angestellte kommt, zeigt das Grundproblem: Reichsbürger wurden viel zu lange als Sonderlinge belächelt, die Hoffnung, dass sie doch irgendwann Ruhe geben und sich das Problem von selbst erledigt, war größer als ein realistischer Blick auf das vorhandene Bedrohungspotenzial.

Reichsbürger- Sorge vor einer zunehmenden Radikalisierung Dabei ist die Warnung da, dass sich Reichsbürger radikalisieren und mit rechtsextremistischen Gruppierungen gemeinsame Sache machen. Vor diesem Hintergrund kann das Gebot der Stunde nur sein, dass Verwaltungen und Sicherheitsbehörden eine Null-Toleranz-Linie im Umgang mit der Szene fahren. Wer den Rechtsstaat ablehnt, darf keine Waffe besitzen.

Auch wir als Gesellschaft sind gefordert. Es sind oft diejenigen für die kruden Ideen der Reichsbürger zu begeistern, die sich abgehängt fühlen. Insbesondere auf dem Land. Gerade jenen, die sich in Parallelwelten verirren, müssen wir mehr denn je klar machen, wie stark unsere Demokratie ist. Und wie gut zu den Menschen.

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