Clan-Kriminalität

Razzien reichen nicht

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Düsseldorf  Ohne Statistik und eine klare Definition wird man eines Tages kaum Bilanz ziehen können im Kampf gegen die kriminellen Clans

Dass diese Landesregierung dem Kampf gegen kriminelle Clans Priorität einräumt, ist nur zu begrüßen. NRW-Innenminister Herbert Reul kommt nicht zuletzt wegen dieses Engagements in den meisten Analysen zur „Halbzeit“ von Schwarz-Gelb gut weg. Es hätte der alten NRW-Regierung gut zu Gesicht gestanden, sich um dieses Thema intensiver zu kümmern.

Irritierend aber ist, dass die Justiz offenbar erheblich größere Probleme hat, sich diesem Kampf anzuschließen, als die Polizei. Anders gesagt: Reuls Kampfansage scheint seinen Kabinettskollegen Peter Biesenbach und den ganzen Justizapparat in Verlegenheit zu bringen. Er und seine Verwaltung haben keinen Überblick über die Zahl der Verfahren gegen Clan-Kriminelle und keine genaue Vorstellung, was Clan-Kriminalität überhaupt ist – da kann man sich nur wundern. Hier wird also gegen einen Gegner gekämpft, den man gar nicht wirklich kennt.

Das hinterlässt einen faden Beigeschmack. Denn ohne Statistik und Definition zur Clan-Kriminalität wird Nordrhein-Westfalen eines Tages kaum Bilanz ziehen können, was bei Kampf gegen die Clans tatsächlich herausgekommen ist. Diese Bilanz aber wird die Landesregierung Punkt für Punkt liefern müssen, um dem Eindruck entgegen zu treten, hier werde bloß eine Show geboten. Die reine Botschaft „Wir tun was“, garniert mit öffentlichkeitswirksamen Razzien im Milieu und groben Einschätzungen zur Zahl der verfolgten Kriminellen, reicht nicht.​

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