Kommentar

Kartellamt trifft die Krake Facebook an empfindlicher Stelle

Facebook ist ins Visier der Wettbewerbshüter geraten.

Facebook ist ins Visier der Wettbewerbshüter geraten.

Foto: Tobias Hase, dpa

Bonn.   Das Kartellamt greift die Datenkrake Facebook an. Noch ist der Kampf nicht gewonnen. Aber die Wettbewerbshüter treffen eine empfindliche Stelle.

Das Bundeskartellamt will der Datenkrake Facebook Fesseln anlegen. Eine ebenso hehre wie überfällige Machtprobe, die mit der Entscheidung vom Donnerstag allerdings erst so richtig begonnen hat. Facebook wird sich mit aller Macht wehren, und seine Macht ist groß.

Genau diese so ungezügelt wachsende Macht der Internetgiganten hat freilich den Wettbewerbsgeist der Kartellwächter geweckt. Nicht nur in Deutschland, aber hier ganz besonders. Allein schon, weil die wenigsten der kleinen Bonner Behörde zutrauen, gegen die Weltmonopolisten irgendetwas ausrichten zu können.

Tatsächlich ändert auch das nun an Facebook ausgesprochene Verbot, weiter ungefragt Daten seiner Nutzer zu sammeln, fürs Erste nichts. Der US-Konzern hat ein Jahr Zeit darauf zu reagieren und dürfte sich mit Widersprüchen vor Gericht noch mehr Zeit erkaufen.

Daten mit erheblichem Wert

Doch wenn das Kartellamt mit seinem Datensammelverbot durchkommt, trifft es das weltgrößte soziale Netzwerk an seiner empfindlichsten Stelle. Denn Facebook lebt von den Daten seiner Nutzer, sammelt, synchronisiert und verarbeitet sie, macht sie letztlich – etwa als entscheidendes Infopaket für zielgenauere Werbung – zu Geld.

Die meisten Nutzer dürften das wissen oder zumindest das diffuse Gefühl haben, dass Facebook etwa über Analysesoftware auf unzähligen Internetseiten an Daten alles speichert, was das Netzwerk abgreifen kann. Es scheint die meisten nicht zu kümmern, kostet ja nichts und tut nicht weh. Die wenigsten Nutzer sind sich des Werts ihrer Daten bewusst. Dabei hätten sie allen Grund, selbstbewusster damit umzugehen, das eigene Profil viel mehr wertzuschätzen.

Plumpes Kopieren aller Kontakte und Infos

Wenn sie das Datensammeln von Drittseiten und erst recht das plumpe Kopieren aller Kontakte und Infos von den Facebook-Töchtern Whatsapp und Instagram ablehnen könnten, würden viele das aber vermutlich auch heute schon tun. Doch genau diese Wahl gewährt Facebook seinen Nutzern aus gutem Grund nicht und missbraucht damit seine Monopolstellung. Daran gibt es nicht den geringsten Zweifel.

Facebook wird Horden von Anwälten damit betrauen, dem Verbot des Kartellamts zu entgehen. Der Konzern weiß, dass sonst andere Länder rasch folgen würden. Der Rechtsstreit kann sich hinziehen. Einstweilen hat das Kartellamt der Datenkrake also noch keinen Saugnapf geschweige denn einen Tentakel abgeschlagen. Haben die Wettbewerbshüter am Ende Erfolg, würde Facebook aber einen besonders mächtigen Fangarm verlieren.

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