Kinderkliniken

Gesundheitssystem muss Rücksicht auf Kinder nehmen

WAZ-Gordon Wüllner-Adomako

WAZ-Gordon Wüllner-Adomako

Foto: Marit Langschwager / FUNKE Foto Services

Mit Kindern dauert eben vieles länger. Ein Abrechnungssystem, welches das nicht berücksichtigt, ist unwürdig für Kinder.

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Wer Kinder hat, kommt öfter zu spät – weil die Tochter den Mund beim Zähneputzen nicht öffnen will, weil man den Sohn nach dem Schlabbern beim Frühstück umziehen muss. Mit Kindern dauert es länger. So alltäglich, so logisch. Es ist schlichtweg absurd, dass diese Tatsache bei der Vergütung medizinischer Leistungen nicht hinreichend berücksichtigt wird und Kinderkliniken deshalb chronisch unterfinanziert sind.

Vor den fatalen Folgen der Durchökonomisierung für die Krankenhäuser hatten Kindermediziner schon bei der Einführung des deutschen Fallpauschalensystems im Jahre 2003 gewarnt. Seitdem wurde an einigen Schrauben gedreht, um die Kinderheilkunde finanziell besser zu stellen. Gereicht hat das nicht. So ist es heute Realität, dass junge Patienten mit chronischen oder schweren Erkrankung gefährdet sind – weil die teure Kindermedizin als „lästiger Appendix“ betrachten wird, wie es Befragte der Kölner CERES-Studie bezeichnen.

Zugleich wollen die Studienautoren keine Hysterie wecken und betonen, dass die Versorgungsqualität weiterhin auf einem guten Level sei. Sie ist aber nicht gut genug, wenn Beschäftigte berichten, dass sie die Notsituation zur Regel gemacht haben. Ein Abrechnungssystem, das sowas von ihnen verlangt und die Fürsorge für die Kleinsten mit der größten Zukunft nicht als das Wertvollste betrachtet, ist für Kinder ein unwürdiges System.

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