Zur Kohle-Entscheidung

Der Kompromiss lässt noch viel zu viele Fragen offen

NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet kommentiert.

NRZ-Chefredakteur Manfred Lachniet kommentiert.

Foto: NRZ

Der Kompromiss zur Kohle ist endlich gefunden. Doch er wird nicht alle Kritiker befrieden – weil er zu wenige wichtige Fragen beantwortet.

Während im fernen Australien gerade die größte Kohlengrube der Welt entsteht, läuft die Zeit der Kohle in Deutschland und besonders bei uns in NRW endgültig ab. Nach dem Ausstieg aus der Atomenergie entfällt damit eine weitere Energiequelle. Und die Frage ist, womit unser Land künftig Strom und Wärme produzieren will. So viele Quellen gibt es nicht mehr.

Die Windenergie allerdings scheint bei der NRW-Landesregierung nicht sehr beliebt zu sein, der Ausbau ist zum Erliegen gekommen. Und auch bei Photovoltaik (Strom aus Sonne) hinkt unser Bundesland hinterher. Trotz aller Lobreden wegen des Kohle-Kompromisses muss hier einfach noch viel mehr passieren.

Verärgerte Menschen in Voerde

Zudem wird der Kompromiss längst nicht alle befrieden. Die Naturschützer dürfen sich zwar über den Erhalt des letzten Fleckchens Hambacher Forst freuen. Doch rund um Erkelenz müssen Bewohner ihre Dörfer verlassen, weil weiter nach Braunkohle gegraben wird. Und auch rund ums Kraftwerk Datteln wird der Protest weiter wachsen. Wie fangen die Grünen da ihre Klientel ein? Verärgert ist man zudem in Voerde, wo die großen Steag-Blöcke leider zu früh für die Energiewende abgeschaltet wurden. Die Industrieruine am Rhein wird wohl nicht von den Kohlehilfen profitieren. Pech gehabt? Diese Antwort wird kein Bürger verstehen.

Sehr zufrieden darf hingegen der Energiekonzern RWE sein. Das Unternehmen erhält viele Milliarden Euro als Abfindung für den Ausstieg. Der Vorstand konnte die Proteste und das Ringen der Politik um mehr Klimaschutz wunderbar für sich nutzen. Kein Wunder, dass die RWE-Aktie gestern nach oben kletterte...

Laschet präsentiert sich als Klimaschützer und Wirtschaftsfreund

FDP-Chef Lindner kritisierte bereits, dass der Staat RWE damit völlig unnötig subventioniere. Aber was sagt Lindner dazu, dass sein Parteikollege und NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart genau das in die Tat umsetzte? Überzeugende liberale Politik ist das nicht. Punkten konnte hingegen NRW-Ministerpräsident Laschet, der bei dem Kompromiss viele Fäden sponn und sich ganz nebenbei als Klimaschützer und Wirtschaftsfreund präsentieren kann. Ganz schön clever.

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