Missbrauchsskandal Lügde

Der deutsche Fall Dutroux

  NRW-Innenminister Reul gibt den brutalst möglichen Aufklärer in eigener Sache. Die Polizei-Fehler könnten aber auch ihm gefährlich werden.

Schlampige Ermittlungen, verschwundene Beweise, suspendierte Polizisten, Behördenversagen aller Orten und eine wöchentlich wachsende Zahl missbrauchter Kinder. Der Abgrund vom Campingplatz „Eichwald“ in Lügde erinnert allmählich an eine deutsche Version des grausamen Falls „Dutroux“, der in den 90er Jahren halb Europa entsetzte.

NRW-Innenminister Reul versucht diesen Skandal in den Griff zu bekommen, indem sich der CDU-Politiker als brutalst möglicher Aufklärer in eigener Sache inszeniert. Etwas anderes bleibt ihm auch kaum übrig. Zu offensichtlich sind die Versäumnisse, als dass sie sich politisch verkleistern ließen. Das Bürger-Vertrauen in die „Null Toleranz-Strategie“ droht Schaden zu nehmen.

Reul benennt die Fehler seiner Beamten deshalb in einer für den obersten Dienstherrn ungewöhnlichen Schärfe. Sein Risiko: Der geprügelte und für großen Korpsgeist bekannte Polizeiapparat könnte eines Tages zurückschlagen. Reul muss sich sehr sicher sein, dass im Fall Lügde keine organisatorischen Versäumnisse bis an sein Innenministerium heranreichen. Sonst wird es gefährlich.

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