10.000 Stellen gefährdet

Bei Real duckt sich die Politik weg

Frank Meßing

Frank Meßing

Foto: Kai Kitschenberg / Kai Kitschenberg/ FUNKE Foto ServicesKai Kitschenberg/ FUNKE Foto Ser

Im Verkaufsprozess für Real duckt sich die Politik weg. Dabei könnte die Bundesregierung Beschäftigte zumindest gegen Tarifflucht schützen.

Unter dem Metro-Dach haben sich die Real-Mitarbeiter schon immer als Stiefkinder gefühlt. Seit knapp eineinhalb Jahren wissen die 34.000 Menschen, dass ihr Unternehmen verkauft werden soll. Was aus ihnen selbst wird, wissen sie aber noch lange nicht. Die quälende Ungewissheit wird unerträglich.

Eine ähnliche Hängepartie erlebte der deutsche Einzelhandel zuletzt beim Verkauf der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann an Edeka und Rewe. Mit einem großen Unterschied: In das Gerangel schaltete sich der damalige Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ein. Am Verhandlungstisch saß zudem auch die Gewerkschaft Verdi.

Bei Real mit doppelt so vielen Beschäftigten ist Verdi aus dem Rennen, weil Real nicht mehr an den Flächentarifvertrag des Einzelhandels gebunden ist. Und die Politiker ducken sich weg.

Für die Managementfehler bei Real ist die Bundesregierung nicht verantwortlich zu machen und auch nicht für das Überangebot an Einzelhandel im Lande. Sie kann aber zum Beispiel die Allgemeinverbindlichkeit für Tarifverträge erklären, die Händlern die Tarifflucht erschwert und Verkäuferinnen anständige Löhne garantiert.

Bangenden Real-Mitarbeitern ist nicht zu vermitteln, dass zum Beispiel der Rivale Kaufland nach Tarif bezahlt und trotzdem wirtschaftlich erfolgreich ist.

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