Ernährung

Wann Nahrungsergänzungsmittel zum Risiko werden können

Das sind die zehn wichtigsten Regeln für gesundes Essen

Gesundes Essen: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Lebensmittelregeln aktualisiert. Dabei gibt es ein paar Überraschungen.

Gesundes Essen: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Lebensmittelregeln aktualisiert. Dabei gibt es ein paar Überraschungen.

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Berlin   Nahrungsergänzungsmittel enthalten häufig riskante Substanzen, warnen Experten. Vor allem beim Kauf im Internet sollte man aufpassen.

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Mehr Energie haben, bessere Leistung bringen, konzen­trierter arbeiten – das versprach ein Nahrungsergänzungsmittel mit Nikotinsäure, über das sich ein Käufer bei den Verbraucherzentralen beschwert hatte. Im Labor stellten die Verbraucherschützer fest: Der Stoff aus der Vitamin-B-Gruppe war höher dosiert als erlaubt. Nikotinsäure ist wichtig für den Stoffwechsel – die meisten Deutschen überschreiten den Bedarf mit der täglichen Ernährung aber ohnehin deutlich.

Wer davon über Pillen und Pulver noch mehr einnimmt, riskiert eine Überdosierung. Mögliche Folgen seien „Hautrötungen im Gesicht, an den Armen und am Nacken, Hitzegefühl sowie Nesselsucht mit juckenden Quaddeln“, warnen die Verbraucherzen­tralen.

Dass Nahrungsergänzungsmittel zu viel versprechen oder sogar gesundheitsschädlich sind, sei keine Seltenheit, warnte jetzt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). „Einige Nahrungsergänzungsmittel versprechen viel, halten aber nur wenig“, so die Behörde.

Verbot wegen zu starker Nebenwirkungen

Bei Kontrollkäufen fanden die Experten unter anderem auch ganz und gar unerwünschte Inhaltsstoffe wie die Substanz Sibutramin. Seit 2010 ist der Appetitzügler in der EU verboten, weil die Nebenwirkungen zu stark sind. Auch in Sportlernahrung wurden die Behörden fündig. Hier fand sich der Stoff 1,3-Dime­thylbutylamin, der nebenbei zu Unruhe und Bewegungsdrang führen kann.

Aktuell warnt das Gesundheitsministerium Schleswig-Holstein vor „Liquid XXX – Nahrungsergänzungsmittel mit Vitaminen als Flüssigkonzen­trat“. Eine Schweizer Überwachungsbehörde hatte darin den nicht deklarierten Stoff Hydroxythiohomosildenafil entdeckt. Er könne zu erheblichen Gesundheitsbeschwerden führen, bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Problemen etwa zu Herzinfarkt.

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Obwohl solche Meldungen keine Seltenheit sind, ist die Nachfrage bei Nahrungsergänzungsmitteln weiterhin hoch, wie Erhebungen zeigen. Jeder dritte Konsument hat einer Forsa-Umfrage zufolge schon einmal derlei Produkte gekauft. Gut die Hälfte der Kunden erwarte positive gesundheitliche Effekte durch zusätzliche Vitamine, Mineralstoffe oder andere Zutaten.

Gütesiegel kann beim Online-Kauf helfen

Die große Mehrheit der Käufer besorgt sich die Produkte im stationären Handel. Das ist vergleichsweise risikofrei, weil die Händler der behördlichen Kontrolle unterliegen. Jeder Achte aber ordert Pillen und Pulver im Netz. Hier seien die Risiken höher, warnt das BVL. Bei einer europaweiten Internetrecherche unter dem Namen „eFood“ fanden die Kontrolleure allein in Deutschland 36 pro­blematische Online-Angebote.

Die Verbraucher können sich zumindest teilweise vor risikoreichen Offerten schützen. Das BVL rät zu einem genauen Blick auf die Webseiten der Anbieter. „Hierdurch fallen oft Ungereimtheiten auf, die auf einen unseriösen Anbieter oder ein bedenkliches Produkt hinweisen“, heißt es in den Tipps der Behörde.

Ein wichtiges Indiz biete das Gütesiegel der Initiative D21. „Die Gütesiegel können nur erworben werden, wenn der Online-Händler bei der zuständigen örtlichen Lebensmittelüberwachung registriert ist und somit amtlich überwacht wird“, erläutern die BVL-Fachleute. Zudem stelle das Siegel Ansprüche an die Bonität des Anbieters, seinen Umgang mit dem Daten- und Verbraucherschutz.

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Auch Verbraucherzentralen geben Ratschläge

Auch die Aufmachung des Webauftritts kann Hinweise auf die Qualität des Shops enthalten. Vorgeschrieben ist zum Beispiel ein Zutatenverzeichnis für die einzelnen Produkte. Auch das Impressum bietet bei seriösen Anbietern wichtige Informationen. Dort muss der Betreiber der Webseite zu finden sein, mit einer vollständigen Adresse.

Den kritischen Blick können Verbraucher unter der Adresse www.bvl.bund.de/mustershop üben. Dort zeigt die Behörde detailliert, welche Informationen für die Kunden wichtig sind. So sollten sie sich etwa nicht allein auf die Endung „.de“ bei der Adresse des Shops verlassen, dahinter muss nicht zwingend ein deutscher Anbieter stecken.

„Bei schnellen und unrealistischen Erfolgsversprechen ist Vorsicht geboten“, warnt das BVL. Auch Bewertungen in einschlägigen Foren sollte nur begrenzt Glauben geschenkt werden. Es könne sich hier um getarnte Werbung handeln. Verlässlich sei hingegen das Angebot „Klartext Nahrungsergänzung“ der Verbraucherzentralen. Die Verbraucherschützer befassen sich hier mit der Wirksamkeit von einzelnen Mitteln. Auch Produkt-Warnungen oder behördliche Untersuchungsergebnisse finden sich auf dem Portal.

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