Kakteen

Standort, Licht und Wasser: So gelingt die Kakteenpflege

Gärtnerin Gundula Bußmann hält einen Feigenkaktus am Botanischen Garten in Bochum

Gärtnerin Gundula Bußmann hält einen Feigenkaktus am Botanischen Garten in Bochum

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Bochum.  Der Kaktus erfreut sich neuer Beliebtheit. Auch weil er als robust und pflegeleicht gilt. Trotzdem kann bei der Pflege einiges daneben gehen.

„Mein kleiner grüner Kaktus, steht draußen am Balkon, hollari, hollari, hollaro!“ Schon im Jahr 1934 verewigten die Sänger der „Comedian Harmonists“ ihre Liebe zu der stacheligen Pflanze in einem Lied, das noch heute jeder mitsummen kann. Und auch 85 Jahre später hat die Beliebtheit des Kaktus’ nicht nachgelassen, sie erlebt sogar gerade ein Comeback. Denn nicht nur zuhause zieren Kakteen Fensterbänke. auch in modischen Kleidungsboutiquen, hippen Möbel-Häusern oder in trendigen Cafés sind sie allgegenwärtig.

Kein Wunder, schließlich besticht die in der Wüste beheimatete Pflanze durch ihre leichte Pflege. Der Kaktus gilt als Überlebenskünstler und damit als ideale Zimmer- oder Gartenpflanze für Menschen ohne grünen Daumen. Trotzdem kann bei der Pflege einiges schief laufen, sagt Ulrich Katz. Und der 63-Jährige muss es wissen: Er kümmert sich seit 27 Jahren als Gärtnermeister um die Kakteen im Botanischen Garten in Bochum: „Falsches Gießverhalten ist der häufigste Fehler im Umgang mit Kakteen“, sagt Katz.

Kakteen mögen es, kräftig gegossen zu werden

So mögen Kakteen es, kräftig gegossen zu werden. Daher gilt: „Lieber selten und viel, anstatt regelmäßig und wenig.“, sagt Katz. Wie viel Wasser ein Kaktus benötige, sei aber von Art zu Art unterschiedlich: „Kakteen verbrauchen unterschiedlich schnell Wasser. Das ist abhängig von Standort, Größe und Topf.“Einen allgemeinen Rat hat der Kakteengärtner aber: Vor dem Gießen unbedingt die Erde fühlen! Diese müsse ganz trocken sein, bevor man erneut mit der Gießkanne anrücken könne. Denn zu viel Wasser verträgt der Kaktus nicht, dann fängt er an zu faulen.

Doch auch für diesen ungünstigen Fall hat Katz einen Tipp parat: „Wenn der Kaktus verfault ist, kann man ihn oben abschneiden. Das abgetrennte Stück vollständig trocknen lassen und es dann in einen neuen Topf geben. Allerdings sollte man den Kaktus am Anfang nicht gießen, da er dann noch keine Wurzeln hat. Wenn er oben wieder anfängt zu wachsen, dann weiß man, dass er neue Wurzeln geschlagen hat.“

Dunkler Standort für Winterschlaf entscheidend

Aber nicht nur das Gießverhalten ist fürs Gedeihen eines Kaktus’ entscheidend: Auch die Überwinterung ist wichtig. Kakteen wachsen in der Vegetationsphase von Frühjahr bis Herbst. Zum Wachsen brauchen sie neben Wasser, Wärme und Nährstoffen vor allem eins: Licht. Da davon aber im Winter bekanntlich wenig vorhanden ist, kann der Kaktus nicht vernünftig wachsen und sollte stattdessen Winterschlaf halten.

Um den stacheligen Liebling in den Ruhezustand zu versetzen, sollte er dunkel und in einem kühlen Zimmer stehen. Zehn bis fünfzehn Grad seien ideal zum Überwintern, Frost mag er nicht. „Er sollte dann kein Wasser oder Dünger bekommen. Das ist wichtig, damit er seine Ruhezeit einhält, seinen Stoffwechsel herunterfahren und im nächsten Jahr wieder blühen kann.“

Kakteen können einen Sonnenbrand bekommen

Kakteen wachen langsam aus dem Winterschlaf auf. Daher rät Katz, die Pflanze im Frühjahr für ein paar Wochen in den Schatten zu stellen, damit sie sich wieder ans UV-Licht gewöhnen kann. Was viele nicht wissen: Kakteen können Sonnenbrand bekommen. Dann verfärben sie sich bläulich oder rötlich.

Und wenn das alles geklappt hat, dürfen Kakteenfreunde auf einen blühenden Kaktus im Frühjahr hoffen. Manche Arten blühen dann für wenige Stunde, manche für einige Tage. Kleine Blüten blühen länger, je größer die Blüte, desto kurzlebiger ihre Pracht. Wenn der Sommer schön sonnig, kann es auch sein, dass der Kaktus im Spätsommer noch einmal blühet. Das sei auch abhängig von der Kakteenart.

Bleibt noch die Frage nach der richtigen Erde. Diese sollte locker und wasserdurchlässig sein: „Gekaufte Kakteenerde sollte deshalb noch zur Hälfte mit Sand, Bims oder Kompost vermischt werden“, so Katz. Das Substrat würde so dem natürlichen Lebensumfeld entsprechen.

Stickstoffarmen NPL-Dünger verwenden

Zusätzlich sollten Kakteen von April bis Mitte August zwei bis drei Mal mit einem stickstoffarmen „NPK-Dünger“ versorgt werden. Das reicht dann auch, denn Kakteen wachsen nur langsam.

Und wo kann man einen stacheligen Freund am besten kaufen? Katz empfiehlt hier neben den üblichen Gartencentern den Kakteenmarkt im Essener Grugapark. „Man sollte aber beim Kauf darauf achten, woher die Pflanze kommt und was sie für Bedürfnisse sie hat.“ Denn eins sei klar: „Man kann Kakteen nicht alle über einen Kamm scheren.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben