Genießen

Die Steckrübe feiert ein Comeback in der modernen Küche

Schön bunt: Die Steckrübe wurde nach den beiden Weltkriegen aus der Küche verbannt, nun wurde sie von findigen Köchen wieder ausgegraben.

Schön bunt: Die Steckrübe wurde nach den beiden Weltkriegen aus der Küche verbannt, nun wurde sie von findigen Köchen wieder ausgegraben.

Foto: GEOLEE / Getty Images/iStockphoto

In den beiden Weltkriegen war sie ein wichtiges Notnahrungsmittel. Nun wird das Image der Steckrübe entstaubt und in die moderne Küche geholt.

An einigen Lebensmitteln klebt ein bestimmter Ruf so hartnäckig wie Bratenfett an der Abzugshaube. Und während Kaviar als Delikatesse oder Chia-Samen als Superfood ziemlich gut davonkommen, sieht es für andere Kandidaten schlecht aus, zum Beispiel für die Steckrübe. Nur langsam kommt sie aus ihrer alten Rolle heraus und schlüpft in eine neue, ziemlich zeitgemäße: die umweltverträgliche Superknolle.

Die Steckrübe hat im Winter Hochkonjunktur

Ihren Imagewechsel verdankt das Wintergemüse der Wiederentdeckung regionaler Lebensmittel. Früher stand die Steckrübe vor allem auf den Speiseplänen der Nord- und Ostdeutschen, wurde auch Wruke, Runke, Erdkohlrabi oder, nach ihrer Herkunft, Schwedische Rübe genannt. Rübenmus, Thüringer Kohlrübensuppe oder Steckrübeneintopf sind Klassiker in Omas Rezeptbuch. Beliebt waren die aber nicht bei jedem. „Omas Eintopf hat mich nie aus den Socken gehauen“, erinnert sich Tine Grasmann, Kopf des Food-Blogs pottlecker.de.

Sie kann als Kartoffelersatz gegessen werden

„Einige Jahre sind die Steckrübe und ich getrennte Wege gegangen, bevor ich sie wiederentdeckt habe. Kaum ein Gemüse lässt sich so vielseitig verarbeiten“, sagt die 36-Jährige. Die Steckrübe könne gekocht, als Püree, Kartoffelersatz und Ofengemüse verarbeitet werden. Dass sie aber auch überaus modern sein kann, zeigt Tine Grasmann auf ihrem Blog, wo sie die Rübe fein geraspelt mit Dinkel, Rote-Bete-Sprossen und Haselnüssen in Schale schmeißt und das Ganze mit Spinathummus toppt.

In Märkten findet man vor allem die gelbfleischigen Knollen, Sorten wie Wilhelmsburger oder Hoffmanns Gelbe. „Sie schmecken leicht süßlich, wie eine Mischung aus Kohlrabi und Möhre. Richtig lecker“, meint Tine Grasmann. Den Geschmack umweltbewusster Konsumenten trifft die Steckrübe sowieso, denn ihre CO2-Bilanz ist gut – sofern sie in der Saison gekauft wird, von September bis März. Daneben enthält sie reichlich Vitamin C, ist kalorienarm und beruhigt den Magen – ein wertvolles Lebensmittel.

Als Notnahrungsmittel verrufen

Besonders wertvoll war sie wohl im Ersten Weltkrieg. Der Winter 1916/1917 ging als der Steckrübenwinter in die Geschichte ein. „Früh Kohlrübensuppe, mittags Koteletts von Kohlrüben, abends Kuchen von Kohlrüben“, lautet die oft zitierte Klage eines Familienvaters aus dieser Zeit. Unter dem Titel „Ostpreußische Ananas“ versuchten schon damals Marketingstrategen, der Rübe ein besseres Image zu verpassen, immerhin wurde sie bis dato als Schweinefutter angebaut. Nach dem Krieg wollte sie niemand mehr haben. Bis der Zweite Weltkrieg kam – und mit ihm die Not. Und die alten Rezeptbücher.

Kein Wunder, dass Generationen die Steckrübe mieden. Früher stand sie für Monotonie auf dem Teller, heute bringt sie Abwechslung. Zeiten ändern sich, Images wohl auch.

Küchentipps:

Einkaufen: Die Steckrübe ist ein Wintergemüse; ihre Knollen können grünlich, gelblich oder violett gefärbt sein. Der süßlich-erdige Geschmack erinnert an Kohlrabi. Je kleiner die Früchte, desto feiner ihr Geschmack.

Vorbereitung: Schälen Sie das Gemüse großzügig und entfernen Sie eventuell vorhandene holzige Stellen. Anschließend kann man es in Scheiben schneiden, würfeln oder stifteln.

Verarbeitung: Die Steckrübe lässt sich ähnlich wie die Kartoffel zubereiten. Man kann sie als Beilage verwenden und in Brühe oder Salzwasser garen, sie schmeckt aber auch als Püree oder roh in den Salat geraspelt.

Gewürze: Zur Steckrübe passen Salz, Pfeffer und Muskat. Apfel- oder Mandarinensaft unterstreicht die süßliche Note des Gemüses. Auch Kurkuma, Curry und Sesam harmonieren gut.

Für Reibekuchen 500 g Rübe fein raspeln, mit einer klein geschnittenen Zwiebel, 1 EL Mehl und 1 Ei vermischen und portionsweise in Öl ausbraten.

Für vegetarische Schnitzel die Steckrüben in Scheiben schneiden, vorgaren, mit Semmelbröseln panieren und knusprig braten.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben