Geniessen

Die Quitte, schon in der Antike waren die Früchte bekannt

Sie lassen sich vielseitig verarbeiten - süß und herzhaf.

Sie lassen sich vielseitig verarbeiten - süß und herzhaf.

Foto: ediebloom

Vincent van Gogh widmete ihr ein Stillleben, in der Antike nutzten sie Männer als Parfüm. Die zart duftende Frucht kommt vielseitig daher.

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Es muss so Mitte des letzten Jahrhunderts gewesen sein, als sich die Quitte langsam vom Speisezettel verabschiedete. Das Kernobst, das nicht ganz unaufwendig in der Zubereitung, in rohem Zustand aber steinhart und ungenießbar ist, wurde als Arme-Leute-Essen verschmäht. Dabei hat die spröde Schönheit, die aufgrund ihrer dekorativen Form schon von Vincent van Gogh verewigt wurde, viel zu bieten.

Das Deo der Antike

Wer einmal einen Korb Quitten bei sich zu Hause aufbewahrt hat, weiß um den feinen Duft, den die Früchte verströmen. „In der Antike trugen deshalb Männer Quitten als Parfüm in ihren Taschen und bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden reife Quitten in den Wäscheschrank zwischen die Laken gelegt“, erzählt Evemarie Löser. Ursprünglich stamme die Quitte aus dem südlichen Kaukasus, ergänzt ihr Ehemann Frank Löser, von dort verbreitete sie sich nach Europa: „Die Römer brachten die Frucht mit dem Weinbau mit, die Quitte diente ihnen als Windschutz für die Reben.“

Das Ehepaar veröffentlicht seit einiger Zeit Bücher über in Vergessenheit geratene regionale Obst- und Gemüsesorten, auch zur Quitte ist ein Band erschienen. „Seitdem bekommen wir zum Saisonstart körbeweise Quitten geschenkt“, erzählt die gebürtige Thüringerin, die sich darüber freut, dass die Frucht wieder den Weg in die Küchen gefunden hat. Das liegt auch am neuen Gesundheitsbewusstsein, zu dem die Quitte, ballaststoffreich, kalorienarm und voller Vitamin C, gut passt. Nicht von ungefähr war sie im Mittelalter eine wichtige Heilpflanze.

Aber vor allem ist die Quitte eine kulinarische Bereicherung. Spitzenköche wie Knut Hannappel aus Essen wissen das zu schätzen. „Ich freue mich jedes Jahr auf die Quitte. Es ist die erste Frucht, die den Herbst ankündigt“, sagt der Küchenchef, dessen gleichnamiges Restaurant regelmäßig von Gault Millau ausgezeichnet wird. Ihr leicht süßliches Aroma harmoniert gut mit Ente, Wild oder Geflügelleber. Hannappel kocht dazu aus der karamellisierten Schale und dem Kerngehäuse einen Sud, in dem er dann den Rest der Frucht pochiert. Aber auch über Buchenholz geräuchert und anschließend entsaftet bringt der Küchenchef die Quitte auf den Tisch, als alkoholfreie Begleitung für ein Menü.

Tee, Gelee, Kuchen oder Smoothie

Klassisch wird die Quitte ähnlich verarbeitet wie der Apfel. Kerne und Schalen enthalten viel Pektin und Aroma, weshalb man sie beim Einkochen von Gelee nicht entfernen sollte, rät Expertin Löser. „Was übrig bleibt, drehen Sie durch die Flotte Lotte und machen Mus daraus.“ Aber die Quitte lässt sich auch wie eine Paprika füllen, wie Kartoffeln rösten, zu einem Smoothie verarbeiten oder klein geschnitten, mit heißem Wasser überbrüht, als Tee genießen. Probieren Sie es doch einfach mal aus!

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