Urlaub

Das sind die miesen Tricks der Mietwagen-Verleiher

Ärger im Urlaub: Schäden an Reifen sind – wie auch Dach, Glas und Unterboden – in vielen Mietwagenverträgen nicht automatisch versichert.

Ärger im Urlaub: Schäden an Reifen sind – wie auch Dach, Glas und Unterboden – in vielen Mietwagenverträgen nicht automatisch versichert.

Foto: iStockphoto

Berlin.  Im Netz gebucht, am Schalter überrascht – die schlimmsten Maschen der Mietwagen-Verleiher. So können Sie sich als Verbraucher wehren.

Viele Urlauber buchen ihren Mietwagen inzwischen daheim über Vergleichsseiten im Internet, bevor sie ins Ausland aufbrechen. Auf den Portalen gibt es gute Preise und oft sinnvolle Versicherungen. Doch viele Autoverleiher versuchen dann vor Ort wieder auf ihren Schnitt zu kommen.

Das Ergebnis: schlechter Service und jede Menge Betrugsmaschen. Hier eine Liste des Horrors, zusammengestellt aus Erfahrungen von „Finanztip“ und des Europäischen Verbraucherzentrums (EVZ). Dazu gibt es jeweils Tipps, wie Mieter damit umgehen können.

Die doppelte Versicherung

Um den Wagen billig anbieten zu können und weit oben auf dem Portal zu erscheinen, treiben viele Verleiher die Selbstbeteiligung bei Diebstahl oder Schaden in die Höhe. Auf den Vergleichsportalen können Mieter meist eine Versicherung buchen, welche die Eigenbeteiligung erstattet – das ist auch empfehlenswert.

Am Urlaubsort versuchen aber viele Verleiher, zusätzlich noch eine Versicherung zu verkaufen, die die Selbstbeteiligung senkt. Es kann vorkommen, dass Urlauber lange diskutieren müssen, bis sie endlich den Wagen ohne Extraversicherung überlassen bekommen. Meist drohen die Mitarbeiter mit hohen Kosten bei Unfall oder Panne.

Tipp: Hartnäckig bleiben und darauf beharren, dass man bereits gut versichert ist. Falls das nichts nützt, sofort nach der Unterschrift bei der Zentrale des Vermieters reklamieren. Allerdings ist es sehr schwer, das Geld hinterher noch zurückzubekommen.

Die mangelhafte Kreditkarte

Im Regelfall wird ein Betrag in der Höhe der Selbstbeteiligung auf der Kreditkarte des Kunden geblockt. Als Sicherheit. Manchmal akzeptieren Mietwagenfirmen die Karte nicht. Entweder hat sie nicht genug Verfügungsrahmen oder gar keine echte Kreditfunktion.

Das Europäische Verbraucherzentrum hat den Eindruck, dass die Verleiher eigentlich einen Spielraum haben, ob sie die Karte akzeptieren oder nicht. Oft werde das genutzt, um den Verleih teurer zu machen: Ohne ausreichende Deckung der Karte müssen Kunden nämlich eine teure Kautionsversicherung abschließen. Oder eine Vollkasko ohne Selbstbeteiligung vom Vermieter (siehe oben), was die Miete noch viel teurer macht.

Tipp: Unbedingt den Verfügungsrahmen checken und eine echte Kreditkarte dabeihaben, die auf den Namen des Mieters ausgestellt ist.

„No Show“

Einer „Finanztip“-Mitarbeiterin ist folgendes passiert: Obwohl für einen Monat gemietet und im Voraus bezahlt, wurde ihr der Wagen einen Tag nach dem gebuchten Mietstart nicht mehr ausgegeben. Die Verleiher berufen sich in solchen Fällen oft auf „No Show“, also Nichterscheinen.

Nach Erfahrungen des EVZ kann das auch schon nach ein paar Stunden passieren. Selbst wenn das Fahrzeug schon im Voraus bezahlt war. Der Kunde soll dann einen zweiten, meist teureren Vertrag abschließen. Oft wird sogar die Rückzahlung des Geldes für den ersten Vertrag verweigert.

Tipp: Den Verleiher anrufen, wenn sich der Flug verspätet. Wer einen bezahlten Wagen nicht bekommt, sollte unbedingt das Geld zurückverlangen. Die Chancen stehen gut, das Geld wenigstens im Nachhinein zu erhalten. Der Verleiher kann kaum einen Schaden durch Ihre Verspätung nachweisen – das Auto ist ja schon wieder vermietet.

Der elektronische Vertrag

Oft wird einem gar kein Papier mehr hingelegt, sondern nur der Computermonitor zum Kunden gedreht – der soll auf dem Bildschirm unterschreiben. Danach wird der Vertrag im Umschlag überreicht. Fällt dem Kunden auf, dass der Betrag höher ist als verabredet, wird manchmal behauptet, das sei eine Kaution, die später zurückgezahlt wird. In Wahrheit ist es eine Extraversicherung.

Tipp: Den Vertrag vor der Unterschrift ausdrucken lassen. Wenn das nicht fruchtet, den Vertrag direkt lesen und sofort reklamieren, falls etwas nicht stimmt – gegebenenfalls auch schriftlich bei der Zentrale des Anbieters.

Die unvermeidliche Landessprache

Oft erhalten Mieter den Vertrag im Urlaub nur in der Landessprache, selbst bei europaweit tätigen Verleihfirmen. Dabei gibt es eine Selbstverpflichtung der großen Verleiher („Code of Best Practice“) für die EU. Darin wird unter anderem gefordert, Verträge immer auch auf Englisch anzubieten, wenn möglich auch auf Deutsch und Französisch.

Tipp: Zumindest einen englischen Vertrag verlangen.

Der Bagatellschaden

Auch an kleinen Schrammen lässt sich bei der Übergabe gut verdienen. In einem „Finanztip“ bekannten Fall fand der Vermieter einem Kratzer in der Plastik-Radkappe, für den der Urlauber 40 Euro zahlen sollte. Es kann aber auch teurer werden.

Das EVZ berichtet von Kunden, die diverse Kratzer bereits bei der Anmietung im Lack gefunden hatten. Die Mitarbeiter der Mietwagenfirma hätten sie als „nicht wesentlich“ eingestuft – und so nicht ins Übergabeprotokoll aufgenommen. Bei der Abgabe waren sie dann plötzlich wesentlich.

Tipp: Das Auto bei Annahme und Abgabe rundum fotografieren und filmen. Relevante Schäden vorher ins Protokoll aufnehmen lassen.

Wir sind hier fertig

Wenn Urlauber am Flughafen am Mietwagenschalter stehen, sollen sie alles Mögliche unterschreiben. Manche Verleiher wollen dagegen praktisch nichts quittieren. Auch nicht Mangelfreiheit bei der Abgabe, die Schlüsselrückgabe oder den Kilometerstand.

Tipp: Hartnäckig bleiben! Auch die Selbstverpflichtung sieht ordentliche Übergaben vor (siehe oben). Entspannt ist das Thema nur für Kunden, die den Wagen mit Komplettschutz ohne Selbstbeteiligung gebucht haben.

• Dieser Beitrag erscheint in einer Kooperation mit finanztip.de. Finanztip ist gemeinnützig und hilft Verbrauchern bei den täglichen Finanzentscheidungen.

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