Oper

Yoncheva überzeugt bei Verdi-Gala mit stimmlicher Raffinesse

Eine Ausnahme-Sopranistin: Die Bulgarin Sonya Yoncheva.

Foto: Petra Coddington

Eine Ausnahme-Sopranistin: Die Bulgarin Sonya Yoncheva. Foto: Petra Coddington

Dortmund.   Das ausverkaufte Dortmunder Konzerthaus feiert die bulgarische Ausnahme-Sopranistin Sonya Yoncheva. Verdi-Interpretation auf höchstem Niveau.

Kam, sang, siegte: Am Ende stand der Saal und empfing im Gegenzug huldvolle Grüße von Sonya Yoncheva. Es war allein (dazu später mehr) ihr Abend. Es gibt viele Soprane, die als neue Sterne am Opernhimmel emporgehoben werden, mal von der Klassik-Industrie, mal von der Journaille. Schön sind, schön singen viele.

Was der 36-Jährigen nicht übermäßig Konkurrenz beschert, ist ihre unglaublich große Stimme. Obwohl die Bulgarin mit Schweizer Wohnsitz bislang weder mit den Monster-Partien Puccinis noch als Wagner-Röhre auftrumpfte: Ihr Organ flutet derart machtvoll den Raum, dass man ehrfurchtsvoll aufhorcht – das hat man lange nicht gehört.

Gesungene Verzweiflung wie bei der Callas

Doch ist die Dimension des Tons, gottlob, nicht das einzige, dass das Publikum der ausverkauften Verdi-Gala des Dortmunder Konzerthauses Mittwoch elektrisierte. Yonchevas Sopran ist kostbar reich mit Farben gesegnet. Und mag sie auch Schönheit vor Ausdruck pflegen: Wenn sie mit Raffinesse und Nachdruck abdunkelt, um das Schattenreich der Verzweiflung singend auszumalen, da liegt eine Hommage an Maria Callas in der Luft.

Verdis zwei große Lenoras („Trovatore“, „Forza“) hatte Yoncheva ebenso im Gepäck wie ihren aktuellen Pariser Operntriumph: die Originalfassung des „Don Carlo“ (an der Seine mit Jonas Kaufmann). Elisabeths große Vanitas-Arie war denn auch der Gipfel des Abends, bis zuletzt in melancholiesatter Spannung gehalten, dramatische Geste und filigrane Piano-Traurigkeit in nobler Balance.

Bruder Marin kann stimmlich nicht mithalten

Es wären schon Stellen hinter dem Kritiker-Komma, müsste man Wünsche äußern. Mitunter sprach die Mittellage nicht gänzlich druckfrei an, auch wäre ein wenig mehr Text-Erfühlung ein Plus. Dein Eindruck der außergewöhnlichen Sängerpersönlichkeit schmälert das kaum.

Da bringt Yonchevas’ Einfall, den Bruder (Marin) groß rauszubringen, die Gala stärker ins Minus. Neben ihrer Ausnahmebegabung pfeift der arme Kerl sich knapp über Gondoliere-Niveau durch die anspruchsvolle Alfredo-Partie. Vergeben! Am Ende bleibt der Triumph der Dame, die die Nordwestdeutsche Philharmonie unter Francesco Ivan Ciampa öfter laut, aber seltener mit stilvoller Italianità eskortierte.

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