Neu im Kino

Woody Allen zurück in New York: Schöne Bilder, banale Story

„A Rainy Day in New York“ mit

„A Rainy Day in New York“ mit

Foto: Jessica Miglio / NFP

Essen.  „A Rainy Day in New York“ heißt Woody Allens zwiespältiger Film, der lange Zeit keinen Verleih fand, jetzt aber doch in unsere Kinos kommt.

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„A Rainy Day in New York“, schon der Titel seines 49. Films verkündet voller Stolz: Woody Allen ist zurück in Manhattan, seinem Reich, in dem er immer schon Hofnarr und König zugleich war. Nach zahlreichen Abstechern in europäische Metropolen wie Rom oder Barcelona und in die Vergangenheit hat er nun wieder einen Film in der Welt gedreht, die er kennt wie kein anderer Filmemacher. Wer erinnert sich nicht an Filme wie „Manhattan“ und „Der Stadtneurotiker“, „Hannah und ihre Schwestern“ und „Ehemänner und Ehefrauen“ – Klassiker des modernen Kinos, die unseren Blick auf New York und seine Menschen geprägt haben.

Nur ist die Zeit seither nicht stehengeblieben, weder für Woody Allen noch für seine Stadt. Also irrt er diesmal nicht selbst auf der Suche nach einer großen Liebe durch die nassen Straßen von New York. Er schickt vielmehr ein 60 Jahre jüngeres Alter ego auf die Reise durch die Straßenschluchten von Manhattan, einen jugendlichen Wiedergänger namens Gatsby Welles, der genau die gleichen Vorlieben für melancholische Bar-Musik und komplizierte Frauen wie sein Schöpfer hat.

Elle Fanning und Selena Gomez

Der von Timothée Chalamet gespielte Gatsby lebt im Exil. Er studiert mehr oder weniger lustlos an einer kleinen Elite-Universität und sehnt sich dort scherzhaft nach seinem New York. Als seine Freundin Ashleigh (Elle Fanning) von der Campus-Zeitung den Auftrag bekommt, den berühmten Filmemacher Roland Pollard (Liev Schreiber) in Manhattan zu treffen und zu interviewen, ist das die Chance für ihn, ein nostalgisches New-York-Wochenende zu zweit zu planen. Doch alles kommt ganz anders. Ashleigh schlägt den von Schaffenskrisen und übermäßigem Alkoholkonsum gezeichneten Regisseur mit ihrer mädchenhaften Natürlichkeit derart in ihren Bann, dass sie den ganzen Tag und auch die Nacht mit mehreren Hollywood-Größen verbringen wird. Währenddessen wandert ihr Freund durch das verregnete New York. Dabei begegnet er immer wieder Shannon (Selena Gomez), der jüngeren Schwester seiner ersten Freundin.

Liev Schreiber als abgewrackter Regisseur

So verführerisch sah Manhattan schon lange nicht mehr im Kino aus. Zusammen mit seinem Kameramann Vittorio Storaro hat Allen die Metropole in ein Märchenreich jenseits der Zeit verwandelt. Selbst der Regen hat in seinem Film etwas Magisches. Man fragt sich nicht einen Moment lang, warum Gatsby so gerne im Regen durch die Straßen läuft. Denn er trägt zu der einzigartigen Stimmung dieser Stadt bei, in der die Vergangenheit eben nicht von der Gegenwart verdrängt wurde. Wie Gatsby und Allen gerät man sofort ins Träumen und Schwärmen.

Allerdings kann die Geschichte von der Odyssee zweier junger Liebender nicht ganz mit dem Glanz der Bilder mithalten. Allen gelingen zwar immer wieder wundervolle Szenenminiaturen, und Liev Schreiber stiehlt als alkoholisiertes Wrack, das sich dank seines Charmes fast alles erlauben kann, seinen jugendlichen Co-Stars ein ums andere Mal die Show. Doch all diese kleinen, bewundernswerten Details fügen sich diesmal nicht zu einem weiteren Meisterwerk zusammen. Statt die Schwächen der insgesamt eher banalen Handlung zu verdecken, betonen sie diese am Ende sogar.

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