Schauspiel

WLT zeigt Erfolgsroman „Drachenläufer“ als starkes Stück

„Drachenläufer“ im Westfälischen Landestheater mit  (v.l.) Mario Thomanek und Franziska Ferrari.

„Drachenläufer“ im Westfälischen Landestheater mit (v.l.) Mario Thomanek und Franziska Ferrari.

Foto: Foto: Volker Beushausen / Handout

Castrop-Rauxel.  Plädoyer für die Fantasie statt Requisitenschlacht: Das Westfälische Landestheater entdeckt den Roman „Drachenläufer“ als Theaterstoff.

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Der 2003 erschienene Roman „Drachenläufer“ des amerikanischen Schriftstellers afghanischer Abstammung Khalid Hosseini gehört zu den international erfolgreichsten Büchern der letzten Jahrzehnte. Die in Kabul beginnende Geschichte einer engen Verbundenheit zwischen den ungleichen Freunden Amir und Hassan, die in Verrat, quälender Reue und später Wiedergutmachung endet, wurde 2007 auch verfilmt.

Am Westfälischen Landestheater hat jetzt Gert Becker die Bühnenfassung des Amerikaners Matthew Spangler als deutschsprachige Erstaufführung eingerichtet. Die hoch emotionale Aufführung ist nicht weniger als der Triumph des „armen Theaters“, das auf aufwändige Bühnenaufbauten, Requisitenflut und technischen Schnickschnack (endlich einmal keine Videos, keine Soundcollagen) verzichtet und sich ganz auf die ureigenen Mittel des Theaters konzentriert. Nichts lenkt vom Wesentlichen ab.

Der Erfolgsroman „Drachenläufer“ zeigt am WLT echte Bühnenqualitäten

Das meist mehrere Parts übernehmende, von Becker unaufdringlich und wirkungsstark geführte Ensemble mit Mario Thomanek als Hassan und Franziska Ferrari als jungem Amir ist auf sich gestellt und meistert die fordernde Aufgabe bravourös. Das Zauberwort, das die Fantasie unendlich beflügelt, heißt dabei Schattenspiel.

Auf karger Bühnen mit drei lehmfarbenen Stellwänden und einer Sitzkiste übernimmt Oliver S. El-Fayoumy als erwachsener Amir immer wieder die Rolle des Geschichtenerzählers, der – eng am Wortlaut der deutschsprachigen Romanfassung – die Handlungsstationen begleitet. Und die wichtigsten, die nachhaltigsten Momente – der Drachenwettkampf der Kinder in Kabul etwa, Hassans Vergewaltigung, Amirs erste Annäherung an Soraya im amerikanischen Exil oder Hassans Ermordung durch einen Taliban – erlebt der Zuschauer als Erinnerungsspiel der Schatten. Theatermagie pur.

Nächste Termine: 20. u. 21.1.2020 (WLT); 24.1. (Marl); 25.1. (Hamm). Karten u. Infos Tel. 02305-978020

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