Literatur

Wie Autor Erich Maria Remarque einst nach Duisburg gelangte

Lag als 19-Jähriger im St.Vinzenz-Krankenhaus in der Duisburger Innenstadt: Erich Maria Remarque (1898-1970).

Foto: dpa Picture-Alliance / Courtesy Everett Collection

Lag als 19-Jähriger im St.Vinzenz-Krankenhaus in der Duisburger Innenstadt: Erich Maria Remarque (1898-1970). Foto: dpa Picture-Alliance / Courtesy Everett Collection

Duisburg.   „Rekrut Remark, schwer verletzt“: Nach seinem Einsatz an der Westfront wurde Erich Maria Remarque in einem Duisburger Krankenhaus behandelt.

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Am 23. August 1917 fand sich in den „Deutschen Verlustlisten“ des Heereskommandos West (Preuß. 918) der Hinweis: Remark Erich, 22. 6. 98 Osnabrück, schwer verwundet. Da lag der Rekrut Remark schon seit Tagen im St. Vincenz-Hospital in Duisburg, einem zum Militärlazarett umfunktionierten Krankenhaus im Zentrum der Industriestadt. Remark, der einige Jahre später seinen Namen in Remarque änderte, dazu den zweiten Vornamen Maria annahm und mit „Im Westen nichts Neues“ ei­nen Welterfolg erzielte, stand nur sechs Wochen in Nordfrankreich im Kriegseinsatz. Dann trafen ihn prasselnde Granatsplitter des alliierten Dauerfeuers.

„Kampf gegen den Militarismus“

Mit Remarque waren Mitte August 1917 viele verletzte Soldaten ins Duisburger Lazarett gebracht worden. Auch in den folgenden Wochen riss der Strom an Verletzten von der Westfront nicht ab. Der gerade 19-Jährige, dessen Verletzungen nur schlecht heilten, setzte sich oft zu ihnen ans Bett und ließ sie erzählen. Einige hatten den mörderischen Stellungskrieg in Nordfrankreich ebenso nur wenige Wochen und Monate erlebt, andere aber Jahre. Remarque machte sich Notizen und schrieb Tagebuch. Als er nach seiner Genesung als Lazarettschreiber im St. Vincenz eingesetzt wurde, erfuhr er noch mehr von dem furchtbaren Geschehen des Krieges. Die Literaturwissenschaft ist sich einig: All das verarbeitete Remarque Jahre später in dem Erfolgswerk „Im Westen nichts Neues“ und dem Helden Paul Bäumer.

Nach dem Notabitur Ende 1916 in Osnabrück war Remarques Klasse komplett zum Militärdienst eingezogen worden. Nach kurzer Grundausbildung, im Roman eine stumpfe Schleiferei, ging es nach Frankreich und Flandern. Die 18-Jährigen mussten bei Arras hinter den Stellungen neue Gräben ausheben. Dabei gerieten sie immer wieder unter Artilleriefeuer. Im Duisburger Lazarett überstand Remarque den Krieg, ein Rückkehrbefehl im Herbst 1918 kurz vor der Kapitulation blieb wirkungslos. Im Tagebuch hielt er fest, dass es jetzt „einen Kampf gegen den Militarismus in jeder Form“ geben müsse.

„Im Westen nichts Neues“ wurde der große Erfolg

Nach ersten schriftstellerischen Versuchen („Die Traumbude“), die misslangen, folgte 1928 für Remarque mit „Im Westen nichts Neues“ der große Erfolg. Das Buch wurde rasch in mehrere Sprachen übersetzt, 1930 kam die Hollywood-Verfilmung. In Deutschland währte der Ruhm indes nur kurz. 1933 wurden auch die Bücher von Remarque verbrannt, 1938 wurde er ausgebürgert. Remarque zog in die Schweiz und die USA und verfasste Bestseller auf Bestseller (u. a. „Der Weg zurück“ 1931, „Liebe deinen Nächsten“ 1941 oder „Der Funke Leben“ 1952). Der vereinsamte Lebemann, der Affären mit Marlene Dietrich und Greta Garbo hatte, blieb auch nach dem Krieg in den USA und starb im September 1970 in Locarno. In Duisburg aber erinnert heute nichts mehr an den einstigen Rekruten Remark, und das St.Vinzenz steht leer – künftige Nutzung ungewiss.

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