Filmkritik

Weit mehr als ein Liebeslied: Leonard Cohens „Marianne“

Songwriter Leonard Cohen und seine Muse Marianne Ihlen – damals auf „Hydra“, wo ihre Liebesgeschichte begann. Filmemacher Broomfield war fast von Anfang an dabei und bringt „Marianne & Leonard“ nun in die Kinos.

Songwriter Leonard Cohen und seine Muse Marianne Ihlen – damals auf „Hydra“, wo ihre Liebesgeschichte begann. Filmemacher Broomfield war fast von Anfang an dabei und bringt „Marianne & Leonard“ nun in die Kinos.

Foto: Aviva Layton / dpa

Essen.  „So long, Marianne“ – welche Frau hinter dem berühmten Liebeslied steckte, enthüllt ein intimer Film von Nick Broomfield, der jetzt startet.

Die Welt wäre um viele schöne Lieder ärmer, gäbe es die unerfüllte, tragische Liebe nicht. Zum Repertoire der Melancholie hat Leonard Cohen, mittlerweile auch schon drei Jahre tot, einiges beigetragen. Und das Lied „So long, Marianne“ gehört gewiss zu den besonderen Schätzen – und thematisiert schon im Text die Trennung, die erst später erfolgte. Als nämliche Marianne das Lied zum ersten Mal hörte, bemerkte die Schwedin skandinavisch kühl, sie könne ja nicht gemeint sein, sie heiße schließlich Mariann-é und nicht Märiänn.

Dies ist eine der ersten Szenen in der intimen Enthüllungsdokumentation (wenn es denn so ein Genre gibt), die Filmemacher Nick Broomfield nun in die Kinos bringt. Begonnen hat die Liebelei auf der griechischen Insel Hydra, in den 70er-Jahren ein beliebter Hippietreffpunkt, billig und mit Drogen aller Art reich gesegnet. Mit der Folge, dass die Insel viele Köpfe für immer verwirrte und verschlang. Broomfield war damals dabei, hat Marianne als 20-Jähriger kennen gelernt, aber auch andere Liebesgeschichten filmisch dokumentiert wie „Kurt & Courtney“.

Leonard indes, auf der Suche nach Muße, in Selbstzweifel verstrickt und noch vor der Wandlung vom Autor zum Sänger, wirbt um Marianne, die bereits einen Sohn mitbringt und es gelingt ihm, Marianne für sich zu gewinnen. Doch die glückliche Künstlerehe, das vermitteln die Interviews mit vielen Zeitgenossen, muss erst noch erfunden werden.

Doris Kunstmann himmelt Cohen an

Leonard Cohen kämpfte mit seinen Dämonen, war zu Hause verschlossen und auswärts offen für alles, auch für viele neue Liebesgeschichten: Frauen, auch Marianne, bleiben bestenfalls Musen. Partnerinnen werden sie nicht. So werden deutsche Filmzuschauer staunen, wie Doris Kunstmann Leonard Cohen anhimmelt und Udo Jürgens dafür stehen lässt (der für Cohen übrigens bei Aufnahmen von „Suzanne“ am Piano saß).

Broomfields Blicke hinter die Kulissen sind alles andere als cineastische Höhepunkte, viel Super8 wie beim Heimkino, Standbilder, ergänzt durch Interviews. Es ist ein Film für Fans geworden, für die von Leonard Cohen. Und für alle, die sich für tragische Liebesgeschichten interessieren. Immerhin, die Bande zwischen Marianne und Leonard hielt bis an beider Lebensende: Sie starb nur drei Monate vor ihm, getröstet unter anderem durch einen ergreifenden Liebesbrief des schwarzromantischen Meisters, der den Rahmen dieser filmischen Meditation über die Kunst und die Liebe bildet.

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