Kino

"Life" - Vom Sterben auf dem Mars

Jake Gyllenhaal als Bordarzt David Jordan Foto:Sony

Jake Gyllenhaal als Bordarzt David Jordan Foto:Sony

Essen.  Daniel Espinosas Film „Life“ erzählt von außerirdischen Lebensformen, die Astronauten den Tod bringen. Ziemlich spannend. Ziemlich beeindruckend.

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Auf der mit sechs Wissenschaftlern und Astronauten bestückten Internationalen Raumstation ISS ist man hellauf begeistert. Denn gerade hat der Mikrobiologe Hugh Derry (Ariyon Bakare) eine bahnbrechende Entdeckung gemacht. Eine Bodenprobe vom Mars weist tatsächlich einen winzigen außerirdischen Organismus mit multifunktionalen Zellen auf, der sogar auf die Handbewegungen des Wissenschaftlers reagiert.

Doch die anfängliche Euphorie über das erste entdeckte Leben im Weltraum jenseits der Erde währt nicht lange. Denn „Calvin“, wie man die Kreatur zunächst liebevoll getauft hat, wächst plötzlich unentwegt weiter, attackiert erst heftig seinen Entdecker, kann dann auch noch aus dem Brutkasten entweichen – und verbreitet fortan Angst und Schrecken auf der Station.

Sorgfältige Studie in Sachen Klaustrophobie

Natürlich denkt man bei so ei­nem Stoff sofort an Ridley Scotts legendären „Alien“-Film und dessen zahlreiche Ableger. Und tatsächlich macht Regisseur Daniel Espinosa („Safe House“, „Kind 44“) auch kein Hehl daraus, wo überall er sich für „Life“ thematisch bedient hat. Trotzdem fühlt man sich hier keine Minute in einem Plagiat, weil sein Film vor allem eine sorgfältige Studie in Sachen Klaustrophobie ist. Die sechs Bewohner dieser Raumstation leben auf engstem Raum zusammen, müssen bei ih­ren Fortbewegungen in der Schwerelosigkeit ständig aufpassen, nirgendwo anzuecken. Ein Monstrum wie Scotts Alien wäre hier nicht nur raumsprengend.

Die Personen an Bord der Station lernt man schon deswegen sehr rasch kennen, weil sie meist im Bild sind. Da ist etwa die taffe Miranda North (Rebecca Ferguson), die Leiterin der Mission, da ist der betont ruhige Bordarzt David Jordan (Jake Gyllenhaal) und da ist der unerschrockene Sicherheitsoffizier Roy Adams (Ryan Reynolds).

Letzterer ist es denn auch, der noch glaubt, dem unheimlichen Wesen mit kontrolliertem Feuer begegnen zu können. Welch ein Trugschluss bei einer Kreatur, deren multifunktionale Zellen zugleich Muskel- und Nervenzellen sind. Man ahnt bereits, dass bei vollem Wachstum etwas entsteht, das nur noch aus Muskeln, Gehirn und Augen bestehen wird. Im Augenblick aber ist Calvin erst einmal dabei, so etwas wie ein Gesicht zu formen.

Bewundernswerte Arbeit in engen Räumen

Vielleicht erschreckt dieser Film den Zuschauer vor allem deswegen, weil hier alles so sehr real und vertraut erscheint. Die ISS-Raumstation ist inzwischen ein gängiger Begriff, die Dialoge der Besatzung klingen sehr heutig und die Technik geht nicht über Skype-Bilder hinaus, mit denen das japanische Crewmitglied Murakami (Hiroyuki Sanada) im irdischen Kreißsaal teilhaben kann an der Geburt seiner Tochter. Selbst die Emotionen der einsamen Menschen im All wirken hier noch nicht so abgeschliffen wie in herkömmlichen Science-Fiction-Filmen, hier weint man noch richtige Tränen um ei­nen Kollegen, der gerade Opfer dieses schier unbesiegbaren Etwas geworden ist, das sich mit Vorliebe in die Münder seiner Opfer zwängt.

Kameramann Seamus McGarvey leistet bewundernswerte Arbeit in der Enge der Räume, bleibt ganz nahe an den Personen und verstärkt mit seinen Bildern das fehlende Oben und Unten im schwerelosen Raum. Regisseur Espinosa sorgt derweil mit seiner punktgenauen Inszenierung dafür, dass kein Zuschauer sich ernsthaft aus dem Sessel wagen würde.

Selbst wenn am Ende die Frage auftaucht, was zu tun wäre, um das Übergreifen der Spezies auf die Erde zu verhindern, hat er noch zwei Angebote im Köcher, die uns lange mit ihren Ergebnissen verfolgen werden.

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