INTERVIEW

Senna Gammour: „Die beste Beziehung ist die zu mir selbst“

| Lesedauer: 8 Minuten
Eine echte Frauenversteherin: Senna Gammour hat schon früh angefangen,Menschen bei ihren Problemen zu beraten.

Eine echte Frauenversteherin: Senna Gammour hat schon früh angefangen,Menschen bei ihren Problemen zu beraten.

Foto: MTS Live / Veranstalter

Als Sängerin feierte Senna Gammour mit Monrose ihren Durchbruch. Heute tritt sie deutschlandweit auf - und hilft Frauen, zu sich selbst zu finden

Essen. Sie ist Sängerin, Tänzerin, Entertainerin und nimmt kein Blatt vor den Mund: Senna Gammour präsentiert auch bei ihrer „Best Friends“- Tour im Mai ihre Lebensweisheiten als Singlelady wieder auf eine humorvolle Art und Weise. Mit Laura Lindemann sprach die 42-Jährige Powerfrau über Selbstliebe, Männer und ihre Rolle der „Carrie Bradshaw aus Berlin“.

Im Mai steht Ihre „Best Friends“-Tour an. Welchen Stellenwert hat Freundschaft in Ihrem Leben?

Senna Gammour: Da kommt meist keiner drauf, aber bei meiner Best Friends-Tour geht es mehr um die innere Freundin, die du in dir selbst tragen solltest. Die Corona-Zeit hat in den letzten Jahren viel von uns gefordert. Man stand unter ständigem Druck, Meinungen sind auseinander gegangen, Freundschaften zerbrochen. In dieser Zeit ist mir bewusst geworden, dass mich keiner so gut versteht, wie ich mich selbst. Ich schlafe mit mir ein, wache mit mir auf und weine um mich. Aber ich motiviere mich auch und bin einfach ehrlich zu mir. So habe ich in der Pandemie für mich entdeckt, dass die beste, effektivste und längste Beziehung, die zu mir selbst ist.

Was erwartet Ihre Zuschauerinnen und Zuschauer dann auf der Tour?

Auf der Tour gibt es eine Mischung aus Comedy, Real-Talks und viel Show. Und am Ende des Tages bekommst du von mir die nötige Motivation und Tipps, wie du es richtig machst. Denn der härteste und zugleich effektivste Gang im Leben ist der Weg allein. Und wenn du diesen Weg gegangen bist, kommst du stärker zurück als je zuvor.


Wie meinen Sie das genau?

Ich bezeichne mich als die Carrie Bradshaw (Figur aus der „Sex and the City“, Anm. d. Red.) aus Berlin. Ich bin eine 40-jährige Singlefrau, die alle verkuppeln wollen. Ich bin umgeben von Freundinnen, die Liebeskummer haben, heiraten, Kinder kriegen. Von der Gesellschaft werde ich dafür bemitleidet. Ich bin aber ein absolut überzeugter Single und führe eine tolle Beziehung zu mir selbst. Den vielen Singlefrauen da draußen möchte ich mit meiner Show zeigen, wie sie aus diesem gesellschaftlichen Druck rauskommen und ihr Leben so leben, wie sie es möchten.

In Ihren Büchern „Liebeskummer ist ein Arschloch“ und „In dein Gesicht! Erfolg ist die beste Rache“ behandeln Sie ebenfalls diese Themen, erzählen aus Ihrem Leben und geben Ratschläge. Was sind Ihre konkreten Tipps?

Zuerst einmal ist es wichtig, den Schmerz anzunehmen, erst dann kann der Heilungsprozess beginnen. Sätze wie ‚die Zeit heilt alle Wunden‘ will man dabei einfach nicht hören. Ich kann das verstehen. In meinem ersten Buch „Liebeskummer ist ein Arschloch“ werde ich dich aber in sieben Phasen dazu bringen, dass der Typ irgendwann Nebensache wird. Und natürlich kann man den Liebeskummer nicht mit ein paar Sätzen wegnehmen. Selbstverständlich wird man zuerst Schmerz spüren. Ich denke aber, dass etwas nur so lange in dein Leben treten wird, bis du die Lesson daraus gelernt hast. Man muss eben zuhören, was das Leben einem zu sagen hat. Und erst dann, wenn du dich selbst gerne hast und zu dir stehst, kann auch wieder ein neuer Partner kommen.

Wer hat Ihnen damals bei Liebeskummer geholfen?

Ich hatte niemanden, bin ins eiskalte Wasser geworfen worden und musste alles selbst lernen. Hätte es vor 15 Jahren eine Senna gegeben, wäre ich froh darüber gewesen, dieses kostenlose Wissen, dass ich heute zum Beispiel über Spotify und Instagram vermittle, zu bekommen. Aber mich gab es nun mal nicht.

Schon 2008 traten Sie als „Sista Senna“ bei Viva Live! auf, wo Sie jungen Menschen als Problemlöserin zur Seite standen. Wie haben Sie gemerkt, dass Sie das gut können?

Ich habe schon als kleines Kind ältere Menschen motiviert. Auch in meinem Freundeskreis war ich schon immer die, die den Plan hat und Probleme löst. Leute, die heute sagen, ich würde einen auf Comedian oder Motivation machen, haben unrecht. Ich war schon immer lustig und ich habe auch schon immer motiviert. Nur habe ich mich über die Jahre hinweg mehr und mehr selbst optimiert. Denn das Leben hat mich nicht nur einmal geohrfeigt.

Wollen Sie ein Beispiel nennen?

Das wäre zu viel zu erzählen. Aber ich kann sagen, dass meine Geschichte mich zu dieser starken, ehrlichen, herzlichen und auch verletzbaren Frau gemacht hat, die ich heute bin.

Eine Freundin sagte mal zu mir, wenn sie Ihre Bücher liest oder sich Instagram-Videos von Ihnen anschaut, habe sie das Gefühl, ihre beste Freundin würde zu ihr sprechen. Wie wichtig ist Ihnen der Austausch mit der Community?

Meine Zuschauerinnen sind meine Freundinnen. Für Jüngere bin ich die große Abla (dt. Schwester; Anm. d. Red.) und für Frauen in meinem Alter bin ich dann die Freundin, die dich daran erinnert, wer du wirklich bist und was du verdient hast. Ich liebe uns Frauen dafür, dass wir so sind wie wir sind. Gerade vielen jungen Frauen fehlt aber häufig ein gewisses Selbstbewusstsein. Da möchte ich ein Vorbild sein.

Auch in Ihren Songs wie „Fuckboy“ machen Sie Frauen Mut oder arbeiten mit ihnen zusammen, wie mit Rapperin Liz in der Single „Break Ups“. Wie wichtig ist es, sich mit anderen Frauen in dieser Branche zu verbünden?

Ich war schon immer so ein Frauen-Supporter. Und ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir Frauen irgendwann aufhören, uns gegenseitig anzufeinden. Ich bin ein Fan von uns – aber ohne Männer zu hassen. Denn ich bin davon überzeugt, dass wir uns gegenseitig wirklich gut brauchen können. Außerdem gibt es Unterschiede zwischen einem Arschloch, das dich betrügt, einem Fuckboy, der mit dir spielt und einem Mann, der dich schätzt.

Wie auch jetzt nehmen Sie in Ihren Songtexten kein Blatt vor den Mund. Zu Monrose-Zeiten klangen Ihre Texte wie beispielsweise „Hot Summer“ noch anders. Wie hat sich Ihr Songwriterinnen-Dasein verändert?

Früher bei Monrose wurde für uns geschrieben, heute schreibe ich. Damals war ich 26 und habe die Zeit bei Monrose sehr genossen. Aber ich bin weitergegangen und erwachsen geworden. Jetzt bin ich mein eigener Boss.

Also planen Sie keine Rückkehr zu Monrose?

Wer geht in seinem Leben zurück, wenn er voraus gehen kann?

Worauf können wir uns dann in Zukunft freuen?

Nach meiner Show im Mai möchte ich Motivationscoachings geben. In einem kleineren Raum mit etwa 100 Leuten und mehr Zeit. Wir sprechen dann über Trennung, Schmerz annehmen und den Heilprozess. Außerdem soll dein Selbstwertgefühl gepusht werden, damit deine Reise beginnen kann. Diese Reise wirst du zwar allein antreten, aber ich gebe dir in meinen Coachings sinnbildlich passendes Schuhwerk, warme Kleidung und eine Taschenlampe mit auf den Weg. Denn es könnte auch mal steinig, kalt und dunkel werden. Ich begleite dich nicht als dein Guru, dein Gott oder dein Lehrer, sondern als deine Schwester, die da ist, wenn du unten liegst.

>>> INFO: Senna Gammour auf Tournee

Termine: 6.5. Düsseldorf (Capitol Theater), 20.5. Köln (Palladium).

Karten gibt’s ab ca. 36 € auf ruhrticket.de.

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