Musik

Erdmöbel äußern einmal mehr Konsumkritik zum Fest

Da darf auch die entsprechende Bekleidung nicht fehlen: Erdmöbel gehen auf Weihnachtstournee.

Da darf auch die entsprechende Bekleidung nicht fehlen: Erdmöbel gehen auf Weihnachtstournee.

Foto: Matthias Sandmann

Essen.  Da muss auch „Last Christmas“ dran glauben: Die Kölner Indie-Popper Erdmöbel spielt Weihnachtskonzerte der besonderen Art.

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Sie sind eine wahre Indie-Institution: Seit 1993 fesseln Erdmöbel – benannt nach dem DDR-Slang-Ausdruck für Sarg – ihre Fangemeinde mit deutschsprachigem Pop. Große Chart-Hits blieben dem aus dem Münsterland stammenden Quartett immer verwehrt. Ein Grund dafür dürften die so sperrigen wie konfus wirkenden Texte sein, die Sänger Markus Berges in entspanntem Stil singt. Da sollte man eigentlich meinen, dass sich die Band von der großen, weiten, simplen Welt der Weihnachtslieder und Weihnachtskonzerte völlig fernhält. Denkste!

2007 war es, als Erdmöbel erstmals ein Cover eines beliebten Songs zum Fest veröffentlichten. Der Gassenhauer „Last Christmas“ von Wham! musste dran glauben. „Weihnachten ist mir doch egal, ich bin drei Karat Kaugummi-Automat. Schenk mir ohne Papier mein billiges, billiges Herz“, singt Berges auf die so enervierend-zeitlose Ohrwurm-Melodie des Refrains. Was eigentlich als Gag gemeint war, wurde nach einiger Zeit zu einem absoluten Fan-Favoriten.

Erdmöbel machen ihren Fans ein besonderes „Geschenk“

Folglich schrieben Erdmöbel Jahr für Jahr weitere Weihnachtssongs, bis 2014 genug Stoff für ein ganzes Album vorhanden war. Mit vielen Stücken der „Geschenk“ betitelten Platte gehen Berges, Ekki Maas, Wolfgang Proppe und Christian Wübben im Dezember wieder auf Tour.

So eingängig und lieblich viele Lieder, teils auch dank ihrer bekannten Originale, zunächst klingen, so sind sie in der Erdmöbel-Version doch nicht selten ein Trojanisches Pferd. Kritik an der weihnachtlichen Konsumverrücktheit verpackt Markus Berges in Metaphern und Zeilen wie „Mit den Schätzen des Orients schwer beladen stehst du da“ (aus „Goldener Stern“) oder „ Ding Ding Dong, Jesus weint schon“ und „Herodes muss für 70 Cent aufs Klo“ (aus „Ding Ding Dong“).

Mit Humor gegen zu hohe Erwartungen

Dass die Gruppe ihre Texte so formuliert, hat natürlich Gründe: „Die Erwartungen der Menschen an Weihnachten sind so hoch, dass viele zwangsläufig enttäuscht werden müssen. Dagegen muss man was unternehmen“, sagte Bassist Ekki Maas der „Zeit“. Und vielleicht funktioniert das immer noch am besten mit Humor, weswegen es in den Songs auch manchmal ein wenig klamaukig werden darf. Zum Beispiel dann, wenn sich Erdmöbel am US-Klassiker „Must Be Santa“ vergreifen und in ihrem „Muss der heilige Nikolaus sein“ scheinbar ohne einen ersichtlichen Grund an einer Stelle alle deutschen Bundeskanzler seit 1949 aufzählen.

Doch vielleicht dienen diese ja auch nur als Synonym für den Nikolaus, wer weiß das schon – außer den Bandmitgliedern. So ein bisschen Futter fürs Hirn hat in der sonst oft so oberflächlichen Adventszeit ja auch mal was Schönes ...

>>> INFO: Erdmöbel auf Tour

Termine: 1.12. Bielefeld (Movie), 7.12. Münster (Epiphaniaskirche), 12.12. Düsseldorf (Weltkunstzimmer), 17.+18.12. Köln (Kulturkirche).

Karten ab ca. 28 € erhalten Sie in unseren LeserLäden, unter 0201/804 60 60 und auf www.ruhrticket.de

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