Konzert

 Disco und Bombast: Die Pet Shop Boys kommen nach Oberhausen

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Keyboarder Chris Lowe (links) und Sänger Neil Tennant bilden seit 1981 ein starkes Team.

Keyboarder Chris Lowe (links) und Sänger Neil Tennant bilden seit 1981 ein starkes Team.

Foto: Phil Fisk

Oberhausen.  Die Pet Shop Boys stehen für große Synthie-Pop-Hymnen. Aktuell läuft ihre „Greatest Hits“-Tour. Für das Konzert in Oberhausen gibt’s Restkarten.

„Hotspot“ – ein Wort, das im dritten Jahr der Corona-Pandemie nahezu ausschließlich negativ konnotiert ist. Nur wenige Wochen bevor das Virus die Welt lahmlegte, freute sich die große Fangemeinde der Pet Shop Boys allerdings über ein neues, eben „Hotspot“ betiteltes Album. Auf ihrer 14. Studioplatte boten Neil Tennant und Chris Lowe ihren Anhängern gewohnte Kost: Druckvoller, harmonischer Synthie-Pop mit großen Gesten, der in der vernebelten Wave-Disco genauso gut funktioniert wie auf den Arena-Bühnen.

Auf der aktuellen Tournee, die das Londoner Duo unter anderem schon nach München, Wien und Zürich führte, spielen die „Hotspot“-Songs aber nur eine untergeordnete Rolle. „Dreamworld – The Greatest Hits“ lautet der programmatische Name der Konzertreise. Die war ursprünglich für das Frühjahr 2020 geplant und kann nach zweimaliger Verschiebung nun endlich stattfinden. Fans aus der Region dürfen sich auf den 4. Juni freuen, dann sind die Pet Shop Boys in der Oberhausener Rudolf Weber-Arena zu Gast und blicken auf rund vier Dekaden gemeinsames Schaffen zurück.

Pet Shop Boys: Erstes Treffen im Elektromarkt

Alles begann im August 1981 in einem Elektronikfachgeschäft auf der belebten Londoner King’s Road. Tennant (67) und Lowe (62) kamen in der Synthesizer-Abteilung zufällig ins Gespräch, tauschten Telefonnummern aus und trafen sich drei Tage später. Was beide einte, war nicht nur der Wunsch nach einer Bandgründung und ihr Faible für Tasteninstrumente, sondern auch ihr Musikgeschmack. Die sogenannte Hi-NRG-Szene, in Großbritannien vor allem durch Patrick Cowleys Hit „Menergy“ ausgelöst, hatte es dem Musikjournalisten Tennant genauso angetan wie dem Architekturstudenten Lowe.

Höhepunkt von Neil Tennants Autorenkarriere war 1983 ein Interview mit The Police in New York zu deren Album „Synchronicity“. Direkt darauf folgte in der US-Metropole ein Gespräch mit Bobby Orlando, einem der erfolgreichsten Hi-NRG-Musikkünstler der Zeit. Ein Zeitungsartikel entstand daraus nicht, wohl aber die Grundlage für eine Zusammenarbeit im Jahr danach mit dem englischen Duo, das sich folglich den Namen Pet Shop Boys gab. Der Hitproduzent ging mit Tennant und Lowe ins Studio, das Resultat hieß „West End Girls“.

Nach dem Rechtsstreit kam der Erfolg

Heute gilt das Stück als Klassiker. Bis es sich in oberen Charts-Rängen wiederfand, sollte es aber noch ein wenig dauern. Nach einigen Auftritten in England stieg das Interesse der Plattenfirmen, zeitgleich steckten die Pet Shop Boys noch in ihrem Vertrag mit Bobby Orlando fest. Der wurde letztlich nach einem Gerichtsstreit aufgelöst, die EMI sicherte sich die Rechte an „West End Girls“ und ließ es von Produzent Stephen Hague noch einmal neu abmischen. Das Resultat: Platz eins in Großbritannien und den USA, Platz zwei in Deutschland und der Schweiz.

In der zweiten Hälfte der 80er-Jahre etablierten sich die Pet Shop Boys endgültig als feste Größe in der Popwelt. Ob „Suburbia“, „Always On My Mind“, „Heart“, „Domino Dancing“ und allen voran „It’s a Sin“: Ein Hit jagte den nächsten. Es folgten Zusammenarbeiten mit Kylie Minogue, David Bowie, Tina Turner, Robbie Williams und Rammstein sowie gar die Produktionen der Theater- und Ballettshows „Panzerkreuzer Potemkin“ und „The Most Incredible Thing“.

Neue Single mit Soft Cell

Zurück ins Jetzt: Eine vierköpfige Begleitband unterstützt die Pet Shop Boys auf der „Dreamworld“-Tour, dazu flackert eine farbenfrohe digitale Licht- und Lasershow durch die jeweilige Arena. Chris Lowe gibt am Keyboard im traditionellen „Basecap und Sonnenbrille“-Konzertoutfit den stoisch spielenden Maschinisten, dazu Neil Tennants unverwechselbare Stimme – fertig ist die Zeitreise in die Wave-Disco-Ära. In der fühlen sich die beiden ohnehin am wohlsten, davon zeugt auch ihr jüngstes musikalisches Werk: Für „*Happiness Not Included“, das kürzlich erschienene Comeback-Album von Soft Cell, wurde der gemeinsame Song „Purple Zone“ aufgenommen. Der erinnert schon sehr an die Großtaten beider Gruppen in den 80ern – die perfekte Einstimmung für den 4. Juni.

Pet Shop Boys: 4.6., 20 Uhr, Rudolf Weber-Arena, Arenastr.1, Oberhausen. Restkarten ab ca. 79 €.

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