Spielspass

„Ausgeflippt“: Automaten-Kult in Recklinghausen spielbar

Die Mitglieder der Herner Vereins „Insert Coins“ kommen mit einer breiten Auswahl an Flippern zum Festival nach Recklinghausen.

Die Mitglieder der Herner Vereins „Insert Coins“ kommen mit einer breiten Auswahl an Flippern zum Festival nach Recklinghausen.

Foto: Olaf Fuhrmann

Herne.   Für Flipper-Freunde bietet sich am Wochenende die Gelegenheit, bei der „Ausgeflippt“ im Recklinghäuser Umspannwerk auf Punktejagd zu gehen.

Ein ganz normaler Mittwochabend in einem Kellerraum in Herne. Es klickt, klackt und blinkt. Plötzlich erklingen aus einem Lautsprecher in der Ecke wohlbekannte Töne – das Intro zu Iron Maidens „Run To The Hills“. Was für ein Riff! Heiko Kendzia denkt aber nicht daran, die Luftgitarre rauszuholen. Nicht mal der Fuß wippt mit. Voll konzentriert lenkt der 42-Jährige seine Augen nur auf eine kleine Metallkugel und zwei Hebel. Doch wie das beim Flippern so ist: Irgendwann geht auch der dritte Ball verloren – Game Over! Flugs wird die nächste Runde gestartet. Es gilt schließlich, den Highscore zu knacken.

Mittwochs trifft sich Kendzia mit seinen Kumpels des Vereins „Insert Coins“, der heute eine Sammlung von rund 50 Flippern aus fünf Jahrzehnten präsentieren kann. Der neueste ist tatsächlich der erst ein Jahr alte „Iron Maiden: Fear Of The Dark“ mit eingebautem „Greatest Hits“-Soundtrack, das älteste Modell, der „Far Out“, kam 1974 auf den Markt.

Neue Geräte kosten eine Menge Geld

Am Wochenende verlassen die rund 120 Kilogramm schweren Geräte aber die heiligen Herner Hallen und stehen bei der „Ausgeflippt“ im Recklinghäuser Umspannwerk zum Probespielen parat. „Viele flippern gerne, haben aber den Platz oder das notwendige Kleingeld für einen Kauf nicht“, merkt Kendzia an.

Total ausgeflippert: Was hinter der Passion Pinball steckt
Total ausgeflippert: Was hinter der Passion Pinball steckt

Kein Wunder: Ein fabrikneues oder auch nur gut restauriertes Gerät kostet noch heute einen hohen vierstelligen Betrag. Nicht zuletzt, weil viele Flipper auf Helden und Marken aus der Popkultur basieren und entsprechend teure Lizenzen gekauft werden müssen.

Wie eben bei Iron Maiden. Konzentriert hält Kendzia die Kugel im Spiel und gelangt in die Bonusrunde. Hier tritt Bandmaskottchen Eddie als Luftwaffenpilot in Erscheinung, der feindliche Jets präzise abschießt – wenn der Mensch an den Knöpfen nur ebenso präzise zielt. Kendzia: „Die Spiele belohnen dich, insbesondere die neueren Geräte. Da sind Bildschirme in die Flipper integriert, die dafür sorgen, dass du eine richtige Geschichte mit Handlung erleben kannst.“

Mehr Können als Glück

Doch ob modernes High-End-Gerät oder Klassiker aus den 70ern: Konzentration und Übung sind (fast) alles. „Um gut zu punkten, braucht man 80 Prozent Können und 20 Prozent Glück. Es gibt viele Tricks, um das Spiel zu kontrollieren. Das Anstoßen des Automaten gehört dazu“, erklärt Kendzia.

Solange aus dem Anstoßen nicht Kippen wird. Denn dann sorgt – Kneipentouris älteren Semesters werden sich erinnern – der „Tilt“-Mechanismus für das sofortige Spiel-ende. Kendzia, ganz Profi, macht’s natürlich besser. Nach einigen Minuten voller Klicks und Klacks blinkt’s wieder: „New Record!“.

Schon gewusst?

Historie. Harry Mabs, Techniker beim US-amerikanischen Spielwarenhersteller Gottlieb, erfand 1947 die namensgebenden Flipperhebel, die den Ball im Spiel halten. Die waren übrigens – heute eigentlich unvorstellbar – noch am Spielfeldrand angeordnet. In Deutschland wurden Flipper Ende der 50er-Jahre populär. Ein fabrikneues Gerät kostete damals rund 4000 Mark.

Weltmeister. Der Oberbayer Johannes Ostermeier schrieb am 9. Juni dieses Jahres Geschichte: Beim Turnier in Mailand kürte er sich zum ersten deutschen Flipper-Weltmeister und kletterte in der Weltrangliste des Verbands IFPA auf Rang zwei. Vor ihm liegt nur noch Raymond Davidson (USA).

V-Pin. Immer populärer werden „Virtual Pinball“-, kurz: V-Pin-Geräte. Dabei handelt es sich um Flipper, bei denen ein Bildschirm auf der kompletten Spielfläche angebracht ist. So können mit Softwareprogrammen Hunderte Flipper auf einem Gerät simuliert und gespielt werden.

>>>INFO: Die „Ausgeflippt“ in Recklinghausen

Die Umgebung passt perfekt: Im „Museum Strom und Leben“ finden schwerpunktmäßig elektrizitätsbetriebene Objekte ihren Platz. Kein Wunder also, dass die „Ausgeflippt“ ausgerechnet in der Recklinghäuser Location am Rhein-Herne-Kanal stattfindet. „Mit all dem, was schon da ist, bietet das Umspannwerk einfach eine geile Kulisse“, sagt Heiko Kendzia. „Zudem haben wir dort viel Fläche zum Ausstellen.“ Und die brauchen die Veranstalter auch.

Mehr als 40 Flipper – klassische wie aktuelle –, aber auch Retro-Computer, Videospielkonsolen und Tokenautomaten können drei Tage lang angezockt werden. Alle Exponate sind auf „Freispiel“ eingestellt, über den Eintritt hinaus entstehen also keine weiteren Kosten. Nicht nur deshalb kann es aber an dem einen oder anderen Gerät jedoch zu Wartezeiten und Schlangen kommen: „Bei der zweiten ‘Ausgeflippt’ im letzten Jahr kamen rund 1300 Leute. Diese Zahl werden wir dieses Mal locker toppen“, ist sich Heiko Kendzia sicher.

Kurzinfos: Ausgeflippt!, Fr 17-22 Uhr, Sa 10-22 Uhr, So 10-18 Uhr, Umspannwerk/Museum Strom und Leben, Uferstr. 2-4, Recklinghausen. Eintritt: 9,50 €, erm. 8 €. Weitere Infos: www.umspannwerk-recklinghausen.de

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