Letzte Tournee

Mario Adorf geht mit seinem Programm „Zugabe“ auf Tour

Mario Adorf

Mario Adorf

Foto: Alexander Heil

Bekannt wurde er als Film-Bösewicht. Mit dem Programm „Zugabe“ ist der Schauspieler aber nicht auf der Leinwand zu sehen, sondern auf der Bühne

Als eine große Boulevardzeitung die Deutschen im Jahr 2015 nach ihrem Lieblingsschauspieler befragte, stand er am Ende ganz oben auf der Liste: Mario Adorf ist eine lebende Film-, TV- und Theaterlegende – aber nicht nur das. Auch als Schriftsteller und mit seinen Bühnenprogrammen begeistert er sein Publikum. Nun nimmt der 88-Jährige mit einem letzteren Abschied von den Fans. Unter dem Titel „Zugabe“ wird Mario Adorf noch einmal Anekdoten und Highlights seiner mehr als sechs Jahrzehnte umspannenden Karriere Revue passieren lassen.

Auch in Essen macht der Grandseigneur des deutschen Schauspiels im Mai Station, Karten sind dafür derzeit allerdings nicht mehr erhältlich. Wer Adorf dennoch live erleben will, kann sich noch Karten für seinen Auftritt in Frankfurt sichern.

Karrierestart als Massenmörder

Dass der in Zürich geborene und in der Eifel aufgewachsene Sohn deutsch-italienischer Eltern mal zum Publikumsliebling werden würde, war zu Beginn seiner Karriere nicht unbedingt zu erwarten. Der Durchbruch als Film-Schauspieler gelang ihm 1957 als brutaler Massenmörder im Krimi „Nachts, wenn der Teufel kam“ von Hollywood-Regisseur Robert Siodmak. Neben dem Bundesfilmpreis bescherte die Rolle Adorf auch ein Image: Jahrelang war er auf die Darstellung von Schurken festgelegt. In „Winnetou I“ ermordete er in der Rolle des Bösewichts gar Winnetous Schwester Nscho-Tschi, ein grausamer Film-Akt, auf den er heute noch angesprochen wird. „Das war der klassische Bösewicht, der mir sehr übelgenommen wurde. Aber das ist dann auch ganz schön, wenn man so gehasst wird von ein paar Generationen. Das ist besser, als unbemerkt zu bleiben“, sagte er einmal.

Nachdem der vielsprachige Kosmopolit in den 60er-Jahren vor allem in italienischen Filmen mitgespielt hatte, wandte er sich in den 70er-Jahren wieder dem deutschen Film zu und stand unter anderem für Volker Schlöndorffs oscarprämierte „Blechtrommel“ vor der Kamera. Später begeisterte er im Fernsehen in Produktionen wie „Der große Bellheim“ von Dieter Wedel oder „Kir Royal“ („Ich scheiß dich sowat von zu mit meinem Geld“) und„Rossini“ von Helmut Dietl. Für seine Arbeit ist Adorf mit Ehrungen überhäuft worden. Es gibt kaum eine Auszeichnung der Branche, die er noch nicht bekommen hat.

Chansons in drei Sprachen

Eher zufällig entdeckte der Mime seine Liebe zur Schriftstellerei. Seit 1992 sein Erstlingswerk „Der Mäusetöter“ erschien, wurden in Deutschland ca. 800.000 Exemplare seiner Bücher verkauft. Das zur Tournee veröffentlichte Buch „Zugabe“ schrieb er allerdings nicht selbst, sondern ließ es von Journalist Tim Pröse verfassen.

Im Programm mit demselben Titel entführt Mario Adorf das Publikum erneut in die Welt des Films und des Theaters, liest und erzählt die Geschichten aus seinem Leben. Abgerundet wird der Abend musikalisch mit deutschen, italienischen und französischen Chansons, die eine besondere Rolle in seinem Leben gespielt haben – begleitet von seinem langjährigen Pianisten Klaus Wagenleiter.

>>> Info: Mario Adorf: „Zugabe“ 18.5. Frankfurt (Alte Oper, Restkarten ab ca. 50 €), 20.5. Essen (Lichtburg, zur Zeit keine Karten mehr erhältlich)

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