Hört, hört: Die Ritter nahen

Soester Fehde

Soester Fehde

Foto: Gero Sliwa / Handout

Soest.  Bei der „Soester Fehde“ rasseln die Schwerter und auf der Burg Altena herrscht buntes Lagerleben

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Streit ist nie gut. Aber besonders dann nicht, wenn beide Seiten ihre Meinungsverschiedenheiten mit Schwertern, Morgensternen und Hellebarden austragen. Alle zwei Jahre stürmen bis an die Zähne bewaffnete Mannen in Richtung der Soester Stadtmauern. Erobern wollen sie hier nichts mehr, nur erinnern. Und zwar an den großen Sturm auf die Stadt vom Juli 1447. Das historische Ereignis wird im Rahmen der Soester Fehde, einem Mittelalterfestival, von rund 900 Akteuren aus ganz Europa nachgestellt. Und so langsam ist es wieder Zeit, die Schwerter zu polieren: Vom 27.7. bis zum 4.8. wird in der alten Hansestadt gekämpft.

An gleich drei Tagen des Festivals hallt Kanonendonner über die massiven Wallmauern der Stadt. Dann wird nämlich für die Zuschauer zu den Waffen gegriffen und gestürmt. Die Kulisse für die erbitterten Kämpfe hätte eindrucksvoller nicht sein können. Die fast vollständig erhaltene Verteidigungsanlage samt wuchtiger Wallmauern stammt noch aus der Zeit der echten Soester Fehde Mitte des 15. Jahrhunderts.

Ein Umzug huldigt Klever Herzog

Damals lagen sich der Erzbischof von Köln und Stadtherr von Soest, Dietrich von Moers, und der Herzog von Kleve in den Haaren. Der eine wollte seinen Einfluss auf die bedeutendste Stadt Westfalens ausbauen, der andere wollte das verhindern. Angeheizt wurde die Fehde von den Soester Bürgern selbst, denn sie hatten sich bereits für eine Seite entschieden: „Wisset, Bischof Dietrich von Moers, dass wir den Herzog Johann von Kleve lieber haben als Euch und wir Euch hiermit absagen.“

Ups, das hatte gesessen. Der darauffolgende Krieg sollte fünf Jahre dauern und in Friedensverhandlungen enden, in denen schließlich einzelne Gebiete unter den beiden Parteien aufgeteilt wurden. Soest jedoch ging an den Klever Herzog. Grund genug für die Soester, ihm mit einem großen Umzug durch die Stadt zu Beginn des Mittelalterfestivals zu huldigen.

Abseits der Nachstellung des historischen Mauersturms geht es beim Mittelalterfestival jedoch ziemlich friedlich zu. Wenn nicht gerade die Rammböcke im Einsatz sind und Kanonendonner durch die Stadt hallt, lagern die Darsteller am Wall (vom Osthofen- bis Ulrichertor).

In großen Kesseln köchelt über dem Feuer der ein oder andere Eintopf – immerhin müssen sich die Recken stärken –, während die Pferde genüsslich grasen und Handwerker die Ausrüstungen für den nächsten Kampf auf Vordermann bringen. Besucher können im sogenannten Gräftelager Zünften und Bewohnern bei ihrem alltäglichen Treiben über die Schulter schauen und sich ins Mittelalter entführen lassen.

Auch in Altena sind die Ritter los

Ein weiteres Portal ins Mittelalter öffnet sich zeitgleich (2.-4.8.) rund eine Autostunde von Soest entfernt. Auch in Altena werden die Schwerter gewetzt und die Zelte aufgeschlagen. Umringt von den Mauern der Burg gibt es beim dortigen Mittelalterfest ein buntes Programm. Unter anderem versuchen Gaukler, die Besucher mit Jonglage und einer Feuershow zu begeistern. Ritter kämpfen im Garten der Burg um ihr Fräulein und Spielleute greifen auf Bühnen entlang der Lennepromenade im Schatten der Burg zu den Instrumenten. Hört, hört: Beide Feste sind des Feierns überaus würdig..

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