Musik

Es muss nicht immer Wiener Walzer sein

Anatol Eremciuc spielt Balkan-Folk auf seinem Akkordeon.

Anatol Eremciuc spielt Balkan-Folk auf seinem Akkordeon.

Foto: Handout

Essen.   Bei der 11. Akkordeonale kreieren europäische Künstler mit dem Traditionsinstrument vielschichtige Musik.

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Quetschkommode, Schweineorgel, Blasebalg der Hölle, Asthmatischer Wurm: An eher abschätzigen Spitznamen mangelt es dem Akkordeon wirklich nicht. Was daran liegen mag, dass das Handzuginstrument dem Durchschnitts-deutschen wohl nahezu ausnahmslos aus Volksmusikshows bekannt ist – und an denen scheiden sich ja nun wirklich die Geister.

Der Niederländer Servais Haanen weiß es besser: „Drückt man Tasten, kommt da sofort ein Ton raus und der ist nicht mal schräg. Benutzt man zwei Finger, hat man schon zwei Töne. Und nimmt man die ganze Hand, hat man ein ganzes Orchester.“ Ja, tatsächlich kann man mit einem Akkordeon auch was anderes spielen als den guten alten Wiener Walzer oder „Die lustigen Holzhackerbuam“.

Das beweist die Akkordeonale, für die der Künstler aus Maastricht seit 2009 Musiker aus aller Welt einlädt: „Das Line-up ist immer so international, weil ich wissen will, was auf der Welt mit diesem Instrument passiert, wie es sich weiterentwickelt. Teils kommen hoch ausgebildete Musiker, teils welche, die nicht mal Noten lesen können.“ Ab Ende April tourt das Festival fünf Wochen lang quer durch die Bundesrepublik. Neben Haanen stehen sechs weitere Musiker u.a. in Kreuztal und Herdecke auf der Bühne. Vier Solisten decken dabei viele verschiedene Sparten ab. Aus Moldawien kommt Anatol Eremciuc. Obwohl schon vor vielen Jahren nach Barcelona gezogen, ist sein Spiel stark von heimatlichen Klängen zwischen klassischer Balkan-Folklore und Klezmer geprägt.

Klassik, Swing-Jazz und Tango

Kammermusik ist hingegen das Steckenpferd von Inga Piwowarska. Im Alter von neun Jahren begann die Polin ihre musikalische Ausbildung in ihrer Heimatstadt Plawa, schon als Teenager gewann sie diverse Preise und Auszeichnungen bei nationalen wie internationalen Wettbewerben. In ihrem Spiel finden sich Einflüsse ihrer Lieblingskomponisten Gustav Mahler, Sergei Rachmaninoff und Claude Debussy.

Französische Volkstanzmusik, „Bal Folk“ genannt, ist das Spezialgebiet von Jan Budweis. Seine Kompositionen mischt der Berliner mit Einflüssen aus Gypsy, Jazz und nicht zuletzt Tango – häufig tritt Budweis auch mit dem Ensemble Sabor A Tango und argentinisch geprägten Klängen auf.

Bereits 2014 trat Raquel Gigot bei der Akkordeonale auf, das Publikum war begeistert. So musste die Belgierin mit der Vorliebe für Swing-Jazz nicht lange überlegen, als Servais Haanen sie bat, kurzfristig für die erkrankte US-Amerikanerin Ginny Mac einzuspringen.

Zwei Begleitmusikerinnen, die Flügelhorn-Spielerin Kaya Meller und die Cellistin Johanna Stein, verleihen den einzelnen Auftritten weiteren Drive. Beide traten in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Orchestern auf und arbeiten abseits der Bühne selbst an eigenen Jazz- und Avantgarde-Projekten. Und was war noch gleich mit der Volksmusik? Tja, die bleibt hier tatsächlich ganz draußen.

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