Interview

David Hasselhoff im Interview: „Michael Knight kehrt zurück“

David Hasselhoff

David Hasselhoff

Foto: Sascha Baumann

Hasselhoff spricht über sein bewegtes Leben, seine neue Liebe und den legendären Berlin-Auftritt. Im Oktober singt „The Hoff“ in Oberhausen

Nein, entgegen aller Gerüchte hat David Hasselhoff dann doch nicht die Mauer niedergesungen – trotz des legendären Auftritts an Silvester 1989, vor einer halben Million Menschen in Berlin. Hat er übrigens auch nie behauptet. Ansonsten aber ist dem „Knight Rider“- und „Baywatch“-Star so ziemlich alles zuzutrauen. Frank Grieger traf „The Hoff“ in Köln.

David, wissen Sie schon, wo Sie dieses Jahr Silvester verbringen werden?

Oh ja! Höchstwahrscheinlich auf der Bühne. Am Brandenburger Tor.

Also dann genau 30 Jahre nach Ihrem berühmten Auftritt in Berlin – damals auf einer Hebebühne über der Mauer, vor gut 500.000 Menschen.

Ja, genau. Ich würde dort unheimlich gerne noch einmal „Looking For Freedom“ singen, nach drei Jahrzehnten. Ich stehe dazu in Kontakt mit dem TV-Produzenten Harry Seedorf. Ich bin ziemlich sicher, dass es klappt – zum Ende meiner aktuellen „Freedom! The Journey Continues“-Tour. Aber es ist noch nicht komplett in trockenen Tüchern.

Die Tour führt Sie im Oktober auch nach Oberhausen. Das einzige NRW-Konzert.

Oh ja! Ich war schon bei der letzten Tour dort. Eine schöne Arena – und das Publikum war umwerfend. Und das, obwohl parallel ein wichtiges Fußballspiel stattfand.

Was werden Sie denn diesmal bieten?

Neben meinen Hits natürlich auch Material von meinem neuen Album, das im Juli rauskommt. Es ist sehr cool und poppig. Aber nicht (auf Deutsch): Schlager. Ich spiele auch einige Coverversionen, Zum Beispiel „Lips Like Sugar“ von Echo And The Bunnymen. Oder „Open Your Eyes“ von The Jesus And Mary Chain. Oder „If You Could Read My Mind“ von Gordon Lightfoot.

Zurück zu Berlin und der Mauer. Das scheint in Ihrem Leben ein großes Ding zu sein. Sie haben sich für die East Side Gallery eingesetzt, also die Mauerfragmente, die von Künstlern neu gestaltet wurden. Und Sie haben eine eigene Version von Bowies „Heroes“ gemacht, das ja auch von Berlin und der Mauer handelt …

Ich war vor langer Zeit in Ostberlin, und es hat mich umgehauen. Ich habe ein Interview im Grand Hotel gegeben und fand das Haus ehrlich gesagt… widerlich. Beim Rausgehen haben mich dann drei junge Frauen angesprochen.

Die haben Sie erkannt?

Ja! Sie sangen: „I‘ve been looking for freedom, da da da da da da“, denn sie konnten nicht mal den Text der zweiten Zeile. Ich habe mit den Mädels für ein Foto posiert und gesagt: Seid morgen um 12.30 Uhr wieder da, dann habe ich was für euch. Das Foto ist dann in der Bildzeitung erschienen. Ich bin zurück zum Checkpoint Charlie und habe einem der Mädchen heimlich die Zeitung zugesteckt. Sie hat geweint und gesagt: „Das ist ein Zeichen der Freiheit!“

Bei allem Respekt, Sie haben sich immer eher der leichten Muse gewidmet. In Ihren Filmen – „Bay Watch“ oder „Knight Rider“ –, und auch in Ihrer Musik. Haben Sie sich nicht hin und wieder danach gesehnt, etwas Ernsthafteres zu machen?

Hab ich ja getan, zum Beispiel auf der Bühne im Musical „Jekyll and Hyde“ …

… 2001 in New York, nicht wahr?

Ja. Das war wirklich bedeutend für mich. Wissen Sie: Über „Knight Rider“ hat sich ja jeder lustig gemacht. Die Leute sagten: Das ist eine dämliche Show über ein sprechendes Auto. Und ich habe gesagt: Ich mache daraus etwas Großartiges. Und das habe ich auch getan. Dieselbe Sache mit „Baywatch“. Wollte ich eine Badehose anziehen und mit Pamela über den Strand laufen? Nein. Aber ich habe etwas daraus gemacht, das sehr langlebig war. Eine gute Show. Ich mag Unterhaltung, das ist doch nichts Schlechtes. Spongebob zum Beispiel, in dem Film hatte ich ja auch einen Gastauftritt. Aktuell arbeite ich an mehreren Projekten. Eines ist die Fortsetzung von „Knight Rider“. Da bin ich ganz nah dran. Das wird ein großes Ding.

Darüber wurde hier und dort schon geredet. Was hat es damit auf sich?

Das wird ein bisschen nostalgisch. Michael Knight kehrt nach 30 Jahren zurück und stellt fest: Alle Autos können jetzt sprechen. Schon lustig, dass es damals um selbstfahrende, intelligente Autos ging. Heute ist das längst Realität. Als ich „Freedom“ gesungen habe, habe ich auch nicht gedacht, dass die Mauer bald darauf fallen würde. Dasselbe mit den Autos. Google hat einen Dreh mit mir gemacht, in einem selbstfahrenden Wagen. Sie sagten: Nimm die Hände vom Lenkrad. Und ich: Okay… Und das Auto setzte sich in Bewegung! Das war ganz schön gruselig. Dann gingen die roten Lichter aus, und ich konnte wieder übernehmen. Großartig!

Sie haben deutsche Vorfahren?

Oh ja! Die Wurzeln meines Vaters liegen in Völkersen, nahe Bremen. Ich bin dort gewesen. Und ich habe ein Bild von einem Bauernhaus: Der Hassel-Hof. Und ich habe ein historisches Buch von der Nachbarschaft, das bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Haufenweise Hasselhoffs. Es ist unglaublich. All die Jungen und Mädchen in den Schulklassen. Ich habe einen entfernten Verwandten getroffen. Der sagte: Der Name meiner Großmutter war Hasselhoff. Wir haben immer darüber gewitzelt, dass wir mit David Hasselhoff verwandt sind. Und dann stellt sich raus: Wir sind es wirklich! (lacht)

Sprechen Sie ein wenig Deutsch?

Nein, nein, ich singe nur ein paar Zeilen. (Auf Deutsch): „Mit sechsundsechzig Jahren…“

Oh, das ist aber ein Zungenbrecher …

Ich bin selber 66! Meine Plattenfirma hat mich gewarnt: Lass das bleiben, es macht dich nur älter. Und ich: Das ist ein großartiger Song. Den muss ich machen. Udo Jürgens war toll!

Haben Sie ihn kennen gelernt?

Oh ja, er war ein großartiger Typ. Auch andere, die ich getroffen habe. Harald Juhnke desgleichen. Mit Andreas Gabalier habe ich einen neuen Freund gefunden. Auch Matthias Reim.

Laut Guinness-Buch der Rekorde sind Sie der meistgesehene Star der TV-Geschichte. Wie fühlt sich denn sowas an?

Phantastisch, weil es mir Möglichkeiten gibt, die andere nicht haben. Zum Beispiel meinen echten Namen zu behalten: David Hasselhoff statt eines Pseudonyms wie, was weiß ich, David Michaels. Ich liebe meinen Namen. Er ist das, was ich von meinem Vater behalten habe, den ich sehr geliebt habe. Sehen Sie? (Zeigt seinen Ehering).

Klar, aber was hat es damit auf sich?

Das war der Ring meines Vaters, und jetzt verwende ich ihn selber. Als diese Geschichte im Guinness-Buch 1993 herauskam, zeigte ich es meinem Vater und sagte: Dad, schlag mal Seite 107 auf. Und da stand: Hasselhoff – berühmtester Mensch der Welt. Wir waren auch gemeinsam in Südafrika, und da sagte jemand auf der Straße: „Hallo, Mister Hasselhoff!“ Und ich zu meinem Vater: Dad, hättest du dir in deinen kühnsten Träumen vorstellen können, dass in Soweto jemand zu dir sagt: „Hallo, Mister Hasselhoff?“

Letzte Frage: Haben Sie Ihre persönliche Freiheit gefunden?

Definitiv. Ich habe sie mit meiner Frau gefunden. (Hasselhoff heiratete im vergangenen Juli in Süditalien das 38-jährige Model Hayley Roberts, die Red.) Das war die erste Frau, vor der ich niedergekniet bin und um ihre Hand angehalten habe. „Ich will dich heiraten!“ Zum Glück hat sie mich erhört (lacht).

>>> Info: David Hasselhoff live: 18.10. Oberhausen (KöPi-Arena). Karten ab ca. 65 €.

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