Freizeit

Tipp-Kick: Traumtore auf Knopfdruck

Tricks vom Profi.

Tricks vom Profi.

Foto: Lars Heidrich

Ohne Abseits, Videobeweis und horrende Eintrittspreise: Tipp-Kick bleibt der immergrüne Spiele-Klassiker. Tricks zum Bundesliga-Rückrundenstart

Wenige Sekunden trennen den Kicker vom Torerfolg. Nur der Torwart steht noch kerzengerade vor dem Angreifer und reißt die Arme hoch. Mit unbewegter Miene zieht der Stürmer ab ­uuuund ... – der Ball rauscht Zentimeter am Kasten vorbei ins Auffangnetz.

„Mensch Dirk, gib dir doch mal Mühe! Die Presse ist da! Jetzt musse auch mal ins Tor zielen!“, ruft Holger Wölk (50) seinem Kollegen Dirk Clement zu. Während Gelächter den Trainingsraum des TKC Preußen Waltrop erfüllt, denke ich mir bloß so: „Hoffentlich treffe ich gleich wenigstens das Auffangnetz.“ Schließlich liegen die letzten Tipp-Kick-Runden locker 15 Jahre zurück ...

Ganz Profi ist hingegen Holger Wölk, der mit seinen Teamkollegen am Sonntag beim TKC Gallus Frankfurt in die Rückrunde der Bundesliga startet: „Es ist faszinierend, dass ich hier Torwart, Spieler und Trainer in einer Person sein kann“, sagt er. Der Veteran erkennt im Kinderzimmer-Klassiker unzählige taktische Möglichkeiten, der Anfänger freut sich hingegen über das ewig simple Spielprinzip: zwei Halbzeiten à fünf Minuten, zwei Teams, die aus je einem Torwart und Feldspieler bestehen, ein rasengrünes Filzfeld, zwei Tore und ein Ball mit zwölf Ecken – halb schwarz, halb weiß.

Tipp-Kick: Der TKC Preußen Waltrop spielt in der Bundesliga
Tipp-Kick: Der TKC Preußen Waltrop spielt in der Bundesliga

Wie? Ein eckiger Ball? Ja, die meisten werden sich erinnern: Die Farbe der Ecke, die beim Stoppen des Spielgeräts oben liegt, entscheidet über den nächsten Ballbesitz. Profis vermeiden Fehlpässe auf eine ganz bestimmte Art und Weise (siehe „Schon gewusst?“), Anfänger sollten zunächst einfach Torschüsse trainieren, empfiehlt Wölk. Also: Den stocksteifen Goalgetter mit der linken Hand auf dem Feld fixiert, rechter Daumen auf den Rücken, Mittelfinger auf die Brust, Zeigefinger auf den Kopfknopf, Schuss und – pock! – der Ball tropft gegen den Außenpfosten. Immerhin.

Zugegeben: Ich profitiere von dem „Profi-Kicker“, den mir Holger Wölk zur Verfügung stellt. „Da ist ein kleines Kugellager aus Metall eingebaut, das dafür sorgt, dass das Schussbein nicht zur Seite rutscht. Das ermöglicht viel mehr Kontrolle beim Schießen“, erklärt er. Im Liga-Betrieb spielt deshalb niemand mit Serienfiguren aus der Spielwarenabteilung, sondern mit Spezialanfertigungen – gerne lackiert in den Farben des Lieblingsklubs. Egal, ob in Blau, Gelb oder Rot „gekleidet“, muss die Figur allerdings zackig positioniert werden: Zum Stellen des Verteidigers hat man nur drei Sekunden, der Angreifer hat sieben zum Schuss.

Das ist in der Tipp-Kick-Bundesliga schon rasant – aber der Profi lässt mir Anfänger im Übungsspiel etwas mehr Zeit. Die Bude bekomme ich trotzdem voll, mühelos blockt die Gegenseite jeden Schuss. Aber dann! Die Uhr tickt runter, die letzte Chance auf den Ehrentreffer, die Lücke öffnet sich, ein Knopfdruck und – zack, versenkt! 1:11, geschenkt.

Schon gewusst?

Historie. Der Stuttgarter Möbelfabrikant Carl Mayer erfand das Tipp-Kick-Spiel anno 1921. Drei Jahre später erwarb der Schwenninger Kaufmann Edwin Mieg die Lizenz und machte sich selbstständig. Das Familienunternehmen verkaufte bis heute ca. zehn Millionen Einheiten.

Bundesliga. Neun Teams sind in der ersten Tipp-Kick-Bundesliga vertreten, der TKC Preußen Waltrop als einziges aus NRW. Um Reisekosten zu sparen, absolvieren alle Teams pro Spieltag immer gleich zwei Partien. Die besten vier Teams treten am 1.+2. Juni in Berlin beim Endturnier um die Deutsche Meisterschaft an. Infos und weitere Klubs in der Region finden Sie auf www.tippkick-liga.de.

Fehlpässe. Mit einer „Farbspiel“ genannten Technik können einfache Ballverluste vermieden werden. Holger Wölk erklärt: „Man muss den Ball fein an der Seite anschneiden, dann bewegt er sich nach vorne, rotiert einmal um die eigene Achse und bleibt im Regelfall auf derselben Farbe liegen.“

Bunter Fußballspaß: Designs für alle

Blau-Weiß oder doch Gelb-Schwarz ? Wer möchte, kann seine Edition individuell gestalten

Wer mit dem Tipp-Kick-Spiel loslegen will, bekommt das Einsteigerset im Spielwarenhandel oder beim Hersteller Mieg unter www.tipp-kick.de für 39,90 Euro. Darin enthalten sind ein Filz-Spielfeld, zwei Bälle, zwei Tore, zwei Torhüter und zwei Feldspieler in rot-weißer und gelb-schwarzer Spielkleidung. Wer vielleicht lieber blau-weiß mag, der findet im Webshop über 100 weitere Trikotdesigns, jeweils angelehnt an deutsche Traditionsklubs und Nationalmannschaften.

Die Figuren können aber auch selbst nach Wunsch bemalt werden: 13 verschiedene Farben sind für zwei Euro à 14-Milliliter-Dose erhältlich. Und damit nicht genug: Eine Anzeigetafel mit eingebauter Stoppuhr und Soundchipmodulen gibt’s für 27,50 Euro, die entsprechenden Klangkörper zum Abspielen von neun verschiedenen Nationalhymnen kosten je 4,50 Euro.

Eine ganz besondere Tipp-Kick-Version können Fans des FC St. Pauli erwerben. Dank einer Kooperation mit dem Kiezklub gibt es eine Edition mit braunem statt grünem Filzgeläuf und Vereinslogo als Mittelkreis (39,90 Euro).

Wer weitere Tipps und Tricks zum Tipp-Kick-Spiel erhalten oder im Verein spielen will, ist beim TKC Preußen Waltrop willkommen. Immer donnerstags ab 19.30 Uhr stehen die Profis im Sportjugendhaus Herne (Westring 263) Neueinsteigern mit Rat und Tat zur Seite.

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