Rock-Legenden

The Who legen auf „Who“ stark los – und landen flau

Das Cover des Albums designte der Pop-Art-Künstler Sir Peter Blake, der schon das Cover von „Face Dances“ entworfen hat.

Das Cover des Albums designte der Pop-Art-Künstler Sir Peter Blake, der schon das Cover von „Face Dances“ entworfen hat.

Foto: Polydor / Universal / picture alliance/dpa

Essen.  Das ersten Album seit 13 Jahren: Pete Townshend und Roger Daltrey haben „Who“ eingespielt und glauben an das beste Album seit „Quadrophenia“.

Auf das Wunder, dass es die Band 55 Jahre nach ihren ersten Aufnahmen immer noch gibt, setzen The Who noch ein kleines obendrauf und lassen den Nikolaus das erste Album der Band seit 13 Jahren bringen: „Who“, sagt Roger Daltrey, als Stimme der Band einer von zwei verbliebenen Rockrecken, sei ihr bestes Album seit dem Meilenstein „Quadrophenia“ von 1973. Das klingt vollmundiger als es ist, weil die fünf Alben seither, von „The Who By Numbers“ bis „Endless Wire“ eher unterdurchschnittlich ausfielen.

So gilt Daltreys Selbsteinschätzung denn auch eher für einzelne der elf Songs als das gesamte Album. Allerdings geht es stark los, der Opener „All This Music Must Fade“ klingt tatsächlich so, als sei er gleich im Anschluss an „Quadrophenia“ entstanden. Genau wie das folgende „Ball And Chain“, das ein richtig starker, gegen den Menschenrechts-Skandal von Guantanamo aufstampfender Rocksong ist. Pete Townshend verschrammelt seine Solo-Sprengsel herrlich, Daltrey ist energisch bei Stimme, legt ein bisschen Klassenkämpfer-Timbre auf und verwechselt nicht, wie sonst öfters, eindringlich mit theatralisch.

Zak Starkey und Pino Palladino als Ersatz

Das Album wurde im Frühjahr und Sommer dieses Jahres in London und L.A. eingespielt, mit bewährtem Verblichenen-Ersatz an Drums (Zak Starkey) und Bass (Pino Palladino). Ringos Sohn verdrischt zwar im etwas zu harmlosen „Rocking in Rage“ amtlich die Becken wie einst der verrückte Keith Moon – aber dessen exzentrisch nach vorn drängende Musikalität fehlt auch diesem Album genau wie die von John Entwistle.

Pete Townshends Bruder Simon mischt mit

Immerhin gibt es auch mit „Detour“ noch einen knackigen Kracher mit fast schon klassischem Townshend-Riff und Anspielungen zuhauf, von der Zeile „We can’t explain“ bis zum Keyboard-Outro, das heftig zu „Won’t Get Fooled Again“ hinüberwinkt. Popsongs wie „Beads On One String“ oder „Break The News“ (von Townshends Bruder Simon) werden bestimmt bald von Ed Sheeran gecovert, während andere im Arrangement schwer getrübt werden von Geigen („Hero Ground Zero“, „I’ll Be Back“) und der Rausschmeißer „She Rocked My World“ mit seinen kapriziösen Klavier-Variationen mehr von Songschreiber-Ambitionen als von Rock-Power zeugen.

„We can sing out anything now“, lässt sich Daltrey im „Street Song“ vernehmen, und dieses „Wir können singen, was wir wollen“ klingt ein bisschen nach Enttäuschung darüber, dass gar nichts mehr richtig provoziert. Wenn man das aber in den nur halb gelungenen Versuch einer Refrain-Hymne kleidet, geht leider auch jede Ironie flöten.

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