Konzertkritik

„The National“ faszinieren in Bochum mit dynamischem Klang

Gefangene im Lichterkäfig: The National im Bochum..

Gefangene im Lichterkäfig: The National im Bochum..

Foto: Herm

Bochum.  Mit Kammerorchesterstärke faszinieren „The National“ in Bochum das Publikum im fast ausverkauften Ruhrcongress.

Den ewigen Studenten mag es im Bachelor-Zeitalter kaum mehr geben, die ewige Studentenband hingegen schon. „The National“ ist ganz gewiss eine dieser Bands, die auch im fortgeschrittenen Bandalter von 20 Jahren immer noch die Themen begrübeln, was es mit dem Leben, der Liebe und der Welt so auf sich hat. Immerhin: Sie tun das auf eine musikalisch höchst faszinierende Weise und konnten damit auch das Publikum im nahezu ausverkauften Ruhrcongress in Bochum für sich gewinnen.

Die Hälfte der Songs stammt aus dem neuesten Album – und klingt live deutlich stärker

Gut die Hälfte der Songs des mehr als zweistündigen Konzerts stammte dabei von ihrem jüngsten Album „I am easy to find“, das die Fans als eines der schwächsten bewertet haben. Indes: Live bekommen die musikalisch breitwandig inszenierten Dramen (zwei Sängerinnen, zwei Bläser, zwei Drummer, zwei Gitarristen, ein Bass) deutlich mehr Fahrt. Zum Mitklatschen und Mitsingen gibt es da wenig: Zu vertrackt die Rhythmen und die Tempowechsel, zu verschwurbelt die Texte. Die Songs kommen oft daher wie die Lichter einer Autobahntankstelle bei einer Nachtfahrt: glimmen auf und verglühen wieder.

Manche, wie „Oblivious“, gewinnen den Charme von Minidramen, die großformatigen Displays rings um die Bühne spenden schummriges Licht. Sänger Matt Berninger schlendert über die Bühne und zwischen den Instrumentalmusikern umher, als sei er bloß der Inspizient und das alles ginge ihn wenig bis gar nichts an, ehe er dann gerade noch rechtzeitig am Mikro ankommt und seine Bariton erklingen lässt: ein unbeweglicher Beweger, weit von Rockstarallüren entfernt oder davon, Schweiß zu vergießen.

Wenn der Mann nach irgendwas auf der Suche ist, dann offenbar die Nähe zum Publikum in der ersten Reihe. Immer wieder steigt er in den Graben vor der Bühne, den schwersten Job des Abends haben die Mikrofonkabelentwirrer, die ihm immer wieder Leine geben müssen für seine Ausflüge vor die Bühne. Die hätten mindestens eines der Biere verdient, die er gelegentlich ins Publikum wirft, ehe er zur Zugabe tatsächlich ordentlich Becher verteilt.

Da ist man nach anderthalb Stunden musikalischem Drama mit zwischenzeitlichem Soundbrei schon im sehr gelungenen Zugabenteil angekommen. Am Ende dieser vielen Songs, steht dann ein seit zehn Jahren gepflegtes Ritual: „About Today“ und „Vanderlyle Crybaby Geeks“ werden vom Publikum gesunden, zu Tambourine und Akustikgitarre und Berninger wandert durchs Publikum Richtung Ausgang. Praktisch, weil man dann ja direkt hinterher gehen kann. Und heimfahren durch die Nacht, vorbei an Autobahnraststätten.

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