Krimis

Spannung hoch zwei: Neues von Denise Mina und Tawni O’Dell

Denise Mina

Denise Mina

Foto: Roberto Ricciuti / Getty Images

Gleich zwei neue Krimis von Autorinnen begeistern mit starken Ermittlerinnen: Tawni O’Dells „Wenn Engel brennen“ und Denise Minas „Klare Sache“.

Hin und wieder wurde schon diskutiert, ob denn auf unserer Krimi-Bestenliste auch genügend Frauen vertreten seien. Angesichts der großen Zahl exzellenter Krimi-AutorInnen aus aller Welt sind solche Debatten aber eher modisch als nötig. Zwei davon finden wir im aktuellen Programm des entdeckungsfreudigen Ariadne-Verlags.

Tawni O’Dells „Wenn Engel brennen“ führt in eine Familienhölle

Die Amerikanerin Tawni O’Dell wurde (auch mit Hilfe der TV-Show von Oprah Winfrey) für ihre sozialkritischen Romane berühmt; für den neuesten benutzt sie erstmals das Krimimuster. Er spielt in einen alten Kohlerevier in Pennsylviana, so verwüstet, wie wir es nicht annähernd hierzulande gesehen haben. In einer seit Jahrzehnten lodernden Erdspalte steckt die Leiche eines jungen Mädchens; Chief Carnahan lässt sich abseilen und zieht den „verkohlten“ Körper unter dem Beifall ihrer Officers heraus.

Wohlgemerkt, „der“ Chief ist eine Frau, sie heißt Dove (wie die Seifenmarke), ist knapp fünfzig und die erste in dieser Position – und weiß sich zu behaupten. Der Mordfall führt sie durch eine Familienhölle, in der die Menschen so verwüstet sind wie die Landschaft. Aber das ist nur die eine Seite. Auf der anderen wird sie in ihre eigene Familiengeschichte hinabgezogen, als ihr jüngerer Bruder ihr seinen halbwüchsigen Sohn anvertraut, bevor er sich selbst tötet. Als Erzählerin ihrer Geschichte reflektiert sie auch die eigenen Schwächen überzeugend.

Denise Minas „Klare Sache“ ist ein Roadmovie und Seelenerforschung zugleich

Den Kunstgriff dieser Doppelrolle verwendet auch Denise Mina, eine führende schottische Krimiautorin. Anna lebt mit ihrem wohlhabendem Mann und den Töchtern in Glasgow, bis der Gatte mit Annas bester Freundin auf und davon geht und die Kinder mitnimmt. Gleichzeitig gerät Anna auf die Spur des rätselhaften Todesfalls eines früheren Freundes. Das endet in einer teils dramatischen, teils komischen Hetzjagd durch Europa, durch die schottischen Highlands über Venedig nach Paris, mit passenden Personal wie echten Mafiosi, russischen Auftragskillern und einer bösartigen Multimillionärin.

Ein amüsantes Roadmovie – aber doch auch eine schmerzhaft-heilsame Ermittlung der Erzählerin „gegen sich selbst“, die eine frühe Traumatisierung aufdeckt und das Korsett ihrer Lebenslügen überflüssig macht – so dass wir ihr zumindest ein halbes Happy-End gönnen.

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