Liederprojekt

Die schönsten Weihnachtslieder: Singen Sie mit!

Mit Kindern in der Adventslieder singen wird mit dem Liederprojekt ganz leicht.

Mit Kindern in der Adventslieder singen wird mit dem Liederprojekt ganz leicht.

Foto: dpa Picture-Alliance / Patrick Pleul

Hagen.   Jeden Tag gibt es hier bis zum 24. Dezember ein neues Weihnachtslied mit Noten zum Herunterladen und Audiodateien zum Mitsingen.

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Dass „O Tannenbaum“ Revolutionsmusik ist, dürfte kaum noch einer wissen. Doch Weihnachtslieder werden um das Jahr 1800 zum wichtigsten Propaganda-Instrument des aufstrebenden Bürgertums.

Diese neue gesellschaftliche Schicht, die Beamten, Prokuristen, Juristen, Lehrer und Pfarrer, die in den schnell wachsenden Städten allenthalben gebraucht werden, suchen nach einer eigenen Identität in Abgrenzung zum herrschenden Adel.

Weihnachten: Gemütlichkeit, Besinnlichkeit, Familie und Musik

Man definiert sein Selbstbewusstsein über Werte wie Gemütlichkeit, Besinnlichkeit, Familie und Musik. Das Weihnachtsfest mit Christbaum und Bescherung ist eine Erfindung des Bürgertums. Damit das funktionieren kann, müssen neue Lieder her. Die Produktion von Weihnachtsliedern explodiert im Biedermeier geradezu. Und diese Texte und Melodien sind immer noch in aller Munde.

Mit der Familie rücken erstmals die Kinder in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Sie gelten nicht mehr nur als unfertige Erwachsene. Eine ernstzunehmende Pädagogik entsteht, Kindergärten werden gegründet.

All die Lehrer und Eltern versuchen nun, den Kindern die Welt und die Natur spielerisch und singend in Liedern wie „A, a, a, der Winter, der ist da“ beizubringen. Parallel ermöglichen die Fabriken der Frühindustrialisierung eine Massenproduktion von Klavieren. Das Klavier zieht aus dem adligen Salon ins bürgerliche Wohnzimmer. Die Familie versammelt sich dort zur Hausmusik.

Neue Gabenbringer

Bis dahin war der 24. Dezember eine Sache der Kirche. Das Fest wurde privat nicht groß gefeiert. Doch nach 1800 wird Weihnachten zum Synonym für das bis heute erfolgreiche bürgerliche Lebenskonzept. Das ausdrücklich Religiöse verliert sich in den Liedern.

Mit der Kinderbescherung werden neue Figuren eingeführt, das Christkind und der Weihnachtsmann als Gabenbringer. Jetzt wandert auch die Tanne ins Wohnzimmer. Der „aufgeputzte Baum“ mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln versetzte den jungen Werther in Goethes Roman in paradiesisches Entzücken. Die Darstellung des Familienalltags wird folgerichtig zu einem Hauptthema in Kunst und Literatur des Biedermeier.

Der Pfarrer und Schriftsteller Wilhelm Hey (1789-1854) gehört zu den Reformpädagogen, die sich Kinderlieder einfallen lassen. „Alle Jahre wieder“ hat er 1837 geschrieben.

Das Christkind wird hier schon als Gabenbringer erwähnt. Aus Heys Feder stammt außerdem „Weißt Du, wieviel Sternlein stehen?“. Die Gute-Nacht-Zeremonie, das Beten und Singen vor dem Einschlafen, ist ebenfalls eine Erfindung dieser Epoche. Und so entsteht parallel ein großer Bedarf an Abendliedern.

Der Christbaum wird 1824 erstmals mit „O Tannenbaum“ besungen. Sein Schöpfer ist wieder ein Lehrer. Ernst Anschütz (1780-1861) hat unermüdlich Lieder gedichtet. Zu seinen heute noch bekannten Werken gehört. „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“, „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“, „Wer hat die schönsten Schäfchen“ und „Wenn ich ein Vöglein wär“.

Der ungekrönte König aller bürgerlichen Liedermacher ist August Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798-1874), der Schöpfer der deutschen Nationalhymne. 550 Kinderlieder hat der politisch höchst aktive Germanistikprofessor getextet; 80 davon hat er selbst vertont.

Dazu gehören „A, a, a, der Winter, der ist da“, „Alle Vögel sind schon da“, Der Kuckuck und der Esel“, „Ein Männlein steht im Walde“, „Kuckuck, ruft’s aus dem Wald“, „Wer hat die schönsten Schäfchen“, „Winter ade“ und natürlich „Morgen kommt der Weihnachtsmann“.

Das Lied wird zur Utopie

Es ist die Zeit der Vereinsgründungen. Der Männerchor wird erfunden. Immer mehr Tageszeitungen werden gedruckt. Die Bürger wollen nicht nur singen, sie wollen Information, sie diskutieren - und sie kämpfen für die Demokratie.

Dieser Wunsch bleibt Utopie. Die Revolution von 1848 scheitert. Der Bürger zieht sich ins Private zurück. Die Familie geht nun über alles. Denn die Liebe und die Gattentreue sind Tugenden, mit denen sich die strebsame soziale Schicht gegen den Adel mit seinen politischen Zweckheiraten und seiner freizügigen Sexualmoral abgrenzt.

Seine Ideale pflegt das Bürgertum allerdings im Weihnachtslied weiter. Dessen Glücksversprechen bleibt bis heute bestehen. Alle Gefühle und Erwartungen, die wir mit einem schönen Weihnachtsfest verbinden, sind zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit dem Ziel formuliert worden, eine demokratische Gesellschaft zu errichten.

Preisfrage

Unser crossmediales Liederprojekt gehört für viele Familien inzwischen genauso zum Advent wie Plätzchen backen. Mit dieser Initiative von Carus Verlag und unserer Redaktion ermöglichen wir Familien, Schulen und Kindergärten einen niederschwelligen Zugang zu Weihnachtsliedern und zum Singen. Hier kann man die Noten herunterladen oder ausdrucken sowie Audiodateien anhören. Wir haben traditionelle sowie unbekanntere Lieder für Sie ausgesucht. So wird das Singen ganz leicht.

Mit dem Liederprojekt verbinden wir ein Gewinnspiel. Jeweils drei wunderbar illustrierte Bände mit Weihnachtsliedern und drei mit Liebesliedern verlosen wir. Mitmachen kann jeder, der uns die Preisfrage beantwortet: Am 24. Dezember wird das Lied Stille Nacht 200 Jahre alt. Viele Menschen verbinden besondere Erinnerungen und Gefühle mit diesem Lied. Schreiben sie uns, was „Stille Nacht“ für Sie bedeutet.

Einsendungen bis zum 10. Dezember an kultur@westfalenpost.de

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