Kabarett

Ruhrkomischer Preis „Tegtmeiers Erben“ geht an C. Heiland

Bleibense Mensch: C. Heiland gehört nun auch zu „Tegtmeiers Erben“.

Bleibense Mensch: C. Heiland gehört nun auch zu „Tegtmeiers Erben“.

Foto: Klaus Pollkläsener

Herne.  Ein ehemaliger Psychiater ist der neue Preisträger der ruhrkomischen Auszeichnung „Tegtmeiers Erben“. Samstag wurde C. Heiland geehrt.

Zwanzig Jahre, oder wie Adolf Tegtmeier vermutlich gesagt hätte „Mein lieber Scholli, zwanzich Jaaahre!“. So lange gibt es ihn schon, jenen Preis namens „Tegt­meiers Erben“. Ein Preis, der ja daran erinnert, dass vor gut 23 Jahren Tegtmeiers reales Ich Jürgen von Manger von uns ging, jener Wahl-Herner, Komik-Revoluzzer und Reizfigur der Konservativen.

Alle zwei Jahre lebt sein Geist im Herner Kulturzentrum auf, mit ei­nem Wettbewerb, der die besten komischen Bühnenoriginale sucht, die auf lustige Weise gegen den Strich denken.

Da die Geschmäcker verschieden sind, gibt es zwei Preise im Wettbewerb, einen vom Publikum, einen von der Jury. Fürs Publikum war es in diesem Jahr eine klare Entscheidung: Fast die Hälfte der Zuschauer begeisterte sich für René Sydow aus Witten, der zwar nicht so sehr als Bühnenoriginal hervortrat, sich aber mit nachdenklichen, klugen Beiträgen etwa zum Unterschied zwischen Wissen und Bildung als vortragsstark und pointensicher erwies: „Wenn Sie Wissen anhäufen, können Sie eine Steuererklärung machen. Wenn Sie gebildet sind, können Sie dabei bescheißen!“

C. Heiland ist Preisträger des Wettbewerbs „Tegtmeiers Erben“. Ehrenpreis für Venske und Eckenga

Sätze wie diese könnten auch eine Jury begeistern, doch die entschied sich für ein Original, den Kreuzberger C. Heiland, geboren in Castrop-Rauxel, der als auf der Bühne sitzender Alleinunterhalter schlafwandelt zwischen lethargischer Depression und brüllender Komik, zwischen intellektueller Nachdenklichkeit und proletenhafter Vulgarität.

Dabei spielt er ein Omnichord, einen Primitiv-Synthesizer aus dem Jahr 1981. Aus der Jury-Begründung: „Mit seinem bewusst eingesetzten Antihumor überzeugte er die Jury von seiner Originalität, die ihn zu einem würdigen Erben Tegtmeiers macht.“ Darauf der ehemalige Psychiater schlagfertig in seiner Dankesrede: „Ich freue mich, dass in der Jury offensichtlich nur Ex-Patienten sitzen.“

Doch Tegt­meiers Erben würdigen stets auch das Lebenswerk bekannter Kabarettisten. Henning Venske (78), der sich als führender Kopf der Münchner Lach- und Schießgesellschaft hervortat, als Sesamstraßen-Henning und als Autor von „Papa – Charly hat gesagt“ beliebt wurde, als Chef des Magazins „Pardon“ berüchtigt war, imitierte Tegtmeiers Sprechweise durchaus gelungen. Er dankte nicht ohne Seitenhieb Richtung Politik: „Der Politiker erzeugt seine Pointen ja nicht mit Absicht. Er nimmt sein Grundrecht auf Blamage wahr“, bemerkte er.

Eine weitere Tegtmeier-Bronzekappe fürs Lebenswerk wurde, etwas verfrüht, an Fritz Eckenga (62) verliehen. Der Komiker und Kabarettist, der auf der Bühne und im Radio als Bademeister, Baumarktleiter, Fußballmanager hervortrat, besticht durch gewitzt-intellektuelle Welt- und Weitsicht auch außerhalb des Ruhrgebiets.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben