Theater

Reinfall mit „Technocandy“ am Theater Oberhausen

„Schaffen“ mit Frederik Müller, Banafshe Hourmazdi und Golschamn Ahmad Haschemi.

„Schaffen“ mit Frederik Müller, Banafshe Hourmazdi und Golschamn Ahmad Haschemi.

Foto: Frederik Müller

Oberhausen.   Laienhaftes Spiel, schlechter Gesang und ein bearbeitungsbedürftiger Text: Die Uraufführung von „Schaffen“ war zum Glück recht kurz

Es ist nicht so, dass das Theaterkollektiv „Technocandy“ in seinem neuen Stück „Schaffen“vollkommen unwichtige Dinge verhandeln würde. Es geht immerhin um Arbeit, den Fixstern unserer Gesellschaft, und die drei „Performer“ der Gruppe haben eine hochironische, viele kluge Fragen stellende Textur gewebt, mit einem hohen Zitatenanteil, etwa aus Kafkas „Bau“ oder Walter Benjamins „Engel der Geschichte“, der eingangs als Schmetterling daherkommt.

Erwerbsarbeit und Bewusstsein als Andeutung

Zitate aus der Bibel, in der ziemlich oft von Arbeit die Rede ist (eine echte Erkenntnis, deren Auslotung dem Stück Tiefe hätte geben können), sind fast der rote Faden dieses ausfasernden Abends, dessen großer Vorzug seine extreme Kürze von nicht mal einer Stunde ist. Wie sich das Muster von Erwerbsarbeit im real existierenden Kapitalismus nicht nur ins Bewusstsein derer einprägt, die arbeiten, deutet sich in „Schaffen“ ebenso an wie die Erfahrungen derjenigen, denen diese gesellschaftliche Teilhabe vorenthalten bleibt.

Ob nicht auch andere Formen der Weltaneignung als Arbeit gelten könnten, gehört aber dann schon zu den nebulösen Hintergründen dieses kulissenarmen Stücks (mit einem Servierwagen, Kaffee-Utensilien, Donuts und XXXL-Kissen als Requisiten). Die Uraufführung wurde einem standhaften Buh-Rufer zum Trotz am Freitagabend im Saal 2 des Oberhausener Theaters mit langem Beifall gefeiert.

Laienhaftes Spiel und ungeschulter Gesang

Es geht auch um sexualisierte und rassistische Diskriminierung in „Schaffen“, um allzu genormte Geschlechtlichkeit – aber all dies wird verdeckt von einer verblüffenden Laienhaftigkeit des Spiels, die man in einem Stadttheater nicht erwartet, nicht erwarten darf. Texte werden aufgesagt statt gesprochen, manchmal weggenuschelt. Der recht häufig eingesetzte Gesang ist deutlich zu ungeschult, als dass man ihn auf einer Bühne erklingen lassen sollte. Und dann war auch noch eine der beiden eingesetzten Gitarren schlecht gestimmt. In gewissen Phasen nahm der Abend Züge von psychotherapeutischen Übungen an.

Viel guter Wille, wenig Können: Damit aus diesem Text, aus diesen Szenen und aus diesen Songs ein Theaterstück geworden wäre, hätte noch sehr viel daran gearbeitet werden müssen.

Weiterer Termin: 17. März, 18 Uhr; Karten: Tel. 0208/8578-184

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