Tanz

Oskar Schlemmers „Lackballett“ in Düsseldorf aufgeführt

 

 

Foto: HO

Düsseldorf.   Fast ist es weniger als ein Fragment. Dennoch wagt Düsseldorfs „Theater der Klänge“ eine Annäherung an Oskar Schlemmers „Lackballett“.

Den 100. Geburtstag des Bauhauses nimmt das „Theater der Klänge“ zum Anlass, Bühnenwerke der berühmten Kunst- und Architekturschule wiederzuerwecken. Regisseur und Musiker Jörg Udo Lensing widmet sich mit der neuesten Produktion einem Stück Oskar Schlemmers, dessen Aufführung 1941 zwar verbürgt ist, von dem aber allein sechs Skizzen zu Figurinen erhalten sind. Eine Wiederbelebung des sogenannten „Lackballetts“ kommt also eher einer Auferstehung eines Phantoms nahe als einer Rekonstruktion.

Diesen Anspruch erheben Lensing und sein Team auch nicht, sondern ihnen geht es um eine eigenständige kreative Einbettung der von Christian Forsen nachgeschneiderten Figurinen in ein 65-minütiges Ballettspektakel, in dem neben dem Tanz auch Wort, Licht und Musik eine wichtige Rolle spielen.

Ohne die Leistungen aller Beteiligten abwerten zu wollen, geht von den bizarren Formen der Figurinen der spektakulärste Reiz aus. Gespielt wird mit geometrischen Grundformen und prallen Farben: Segel-, Fächer-, Scheiben-, Blüten-, Kugel- und Draht-Lichtfigurine garantieren in ihrer skurrilen Optik in Verbindung mit Video-Transformationen ein schillerndes Farbenmeer.

Nur wenige Skizzen zu Figurinen sind die Basis dieser neuen Choreografie

Den Kostümen entsprechend ist die Düsseldorfer Version des „Lackballetts“ in fünf Akte gegliedert, die von einem Prolog und einem Epilog umschlossen werden. Choreografin Jacqueline Fischer griff für ihre Arbeit tief in das Reservoir tänzerischer Mittel vom Ausdruckstanz bis zu Break-Dance-Anleihen. Vielfältige Aufgaben, die dem sechsköpfigen Ensemble ein hohes Maß an tänzerischer Flexibilität abverlangen, was die international besetzte Crew vorzüglich meistert.

Die ersten zehn Minuten beschäftigten sich die noch unkostümierten Tänzer in totaler Stille mit diversen Stoffen. Man nahm tastend Kontakt mit den Materialien auf, begann sie zu berühren und später zu schwenken, schlang sie sich um die Leiber, bevor das Ballett an Fahrt aufnehmen konnte. Keine schlechte Idee, die sich zeitlich aber durchaus straffen ließe. Das Premierenpublikum spendete begeisterten Beifall.
Karten und Termine unter www.theater-der-klaenge.de

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